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09.06.2018, 07:15 Uhr

Seltene Krankheit fesselt Theresa Feldmann an den Rollstuhl

Die 19-jährige Theresa Feldmann aus Lohne ist seit Jahren auf den Rollstuhl angewiesen. Ihre Knochen wollen einfach nicht mitmachen. Um den beschwerlichen Alltag besser bewältigen zu können, bittet ihre Familie um Spenden für ein Spezialfahrzeug.

Seltene Krankheit fesselt Theresa Feldmann an den Rollstuhl

Durch schwere Zeiten gehen Theresa Feldmann und ihre Mutter Dorothea Feldmann – und das seit 19 Jahren. Foto: Berends

Von Andre Berends

Lohne Über dem Bett hängen viele Fotos. Sie stammen nicht aus guten, aber doch aus besseren Zeiten. Sie erinnern Theresa Feldmann an schöne Momente. Mit ihren drei älteren Geschwistern, mit ihrer Mutter, mit Freunden. Es gibt auch ein Foto, das sie mit zwei Polizisten zeigt. Sie haben Theresa Feldmann vor einigen Jahren im Krankenhaus besucht und sind mit ihr eine Runde im Streifenwagen gefahren. Das hat ihr gefallen. Da konnte sie noch stehen.

Theresa Feldmann ist heute 19 Jahre alt und schon seit langer Zeit auf den Rollstuhl angewiesen. Das elektrische Gefährt ist ihr im Alltag eine große Hilfe. Die junge Frau kann sich kaum noch selbst rühren, geht aber mit der Steuerung geschickt um und kann sich so durch das Haus ihrer Familie in Lohne bewegen. Der Rollstuhl hilft ihr, ein bisschen unabhängig zu sein. Aber wirklich nur ein kleines bisschen.

Diagnose: unheilbare Krankheit

Die Krankheitsgeschichte, die sie gemeinsam mit ihrer Mutter Dorothea Feldmann erzählt, hört sich schlimm an. Und sie beginnt bereits kurz nach ihrer Geburt im Februar 1999. Das kleine Mädchen ist nach vier Wochen noch ungewöhnlich müde, mag nichts trinken. Ihre Eltern kehren mit ihr ins Krankenhaus zurück. Es folgen viele Untersuchungen und drei Monate später die Diagnose: Theresa Feldmann hat das McCune-Albright-Syndrom, eine angeborene, seltene Krankheit. Unheilbar.

Theresa Feldmann leidet an einer Hormonstörung. Die führt dazu, dass sie schon als kleines Kind geschlechtsreif wird. Hinzu kommen Probleme mit dem Knochenaufbau. Das Gewebe ist nicht stabil. Mit einem Jahr bricht sich das Mädchen erstmals einen Oberschenkelhals. Bis heute folgen viele weitere Brüche. „Die Knochen machen, was sie wollen“, berichtet Theresa Feldmann. Auch die Organe werden angegriffen. Und das bei vollem Bewusstsein. Die 19-Jährige ist geistig voll auf der Höhe.

Ohne Schmerzmittel geht nichts

Der Gesundheitszustand von Theresa Feldmann hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr verschlechtert. Seit einem Jahr wird sie zu Hause vom DRK-Pflegeteam aus Nordhorn betreut – rund um die Uhr. Die Pflegekräfte verabreichen ihr auch Medikamente. Ohne starke Schmerzmittel geht nichts. Seit einiger Zeit trägt Theresa Feldmann zudem eine Sauerstoffmaske.

Theresa Feldmann arbeitet in einer Lebenshilfe-Werkstatt in Nordhorn. Wenn es ihr gut geht, wird sie vormittags vom Fahrdienst der Lebenshilfe abgeholt. Ihre Arbeit auf dem früheren Rawe-Gelände am Stadtring geht von 9.30 bis 12.45 Uhr. „Aber es gibt kaum eine Woche, in der sie jeden Tag da ist“, berichtet ihre Mutter. Immer wieder muss Theresa Feldmann wegen alter oder neuer Beschwerden in die Uniklinik Münster gebracht werden. Dort kennt man sie gut, weiß um die Besonderheiten ihrer Krankheit.

Wunsch nach einem Auto

Wenn es sehr schlimm ist, wird ein Rettungshubschrauber alarmiert. „Der war allein im vergangenen halben Jahr drei Mal bei uns“, sagt Dorothea Feldmann, „dann sind wir in 20 Minuten in Münster.“ Das Team der Uniklinik begleitet Theresa Feldmann bereits, seit sie ein Säugling war. Seit vier Jahren wird sie dort auch von einem Palliativteam betreut. „Wir können immer in Münster anrufen und Rücksprache halten, der Kontakt ist sehr gut“, berichtet Dorothea Feldmann.

Die Familie hegt seit einiger Zeit einen Wunsch. Um flexibler sein zu können, würde sie gerne ein Spezialfahrzeug anschaffen, in dem Platz für den Rollstuhl ist. 60.000 Euro verlangen die Hersteller dafür. Dieses Geld hat Dorothea Feldmann, seit 2004 alleinerziehend, nicht. Sie geht zwar zwei Jobs nach: Nachts ist sie als GN-Zeitungsbotin unterwegs und anschließend in einer Fleischfabrik tätig. Dennoch: „Am Ende des Monats haben wir kaum etwas übrig“, weiß auch Theresa Feldmann.

„Mit eigenem Auto viel spontaner“

Das Spezialfahrzeug, von der Größe her vielleicht ein Bulli, müsste nicht nur Platz für den Rollstuhl bieten, der über eine Hebebühne in das mit einer Standheizung versehene Auto gelangt. Auch ein Pfleger muss mitfahren können. Hinzu kommt die Ausrüstung. „Das ist ein Riesenpaket“, erzählt Dorothea Feldmann. Das jedes Mal in ein Taxi zu packen, stellt alle Beteiligten vor eine enorme Herausforderung, die zudem nicht gerade günstig ist. „Mit einem eigenen Auto wären wir viel spontaner“, sagt Theresa Feldmann.

Die Krankenkasse, das haben Feldmanns bereits geklärt, würde die Anschaffung eines Spezialfahrzeugs nicht übernehmen. Denkbar wäre aber eine Förderung von öffentlicher Seite. „Dann bliebe aber immer noch eine Lücke von 50.000 Euro – und die würden wir gerne schließen“, erklärt Dorothea Feldmann. Das Haus an der Saarländer Straße in Lohne aufzugeben, sei keine Option, sagt die 53-Jährige: „Hier ist alles behindertengerecht. Das ist unser Zuhause, hier wollen wir gerne bleiben.“

Spenden für das Auto sammelt Dorothea Feldmann auf einem bei der Kreissparkasse eingerichteten Konto mit der IBAN: DE07 2675 0001 0151 4841 51. Inhaber: Dorothea Feldmann. Eine Kontaktaufnahme ist möglich per Mail an dorotheafeldmann19@gmail.com.

Seltene Krankheit fesselt Theresa Feldmann an den Rollstuhl

Malen ist eines der Hobbys von Theresa Feldmann. Foto: Berends

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