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15.11.2019, 16:03 Uhr

Kundgebung: Umweltschützer warnen vor Atommüll-Transporten

Mit einer Kundgebung und einer Mahnwache wollen Mitglieder von Anti-Atomkraftinitiativen und Umweltverbänden am morgigen Sonntag, 17., und am Montag, 18. November, auf die Atomtransporte nach Russland aufmerksam machen.

Kundgebung: Umweltschützer warnen vor Atommüll-Transporten

Am 28. Oktober verließ ein Zug mit zwölf Uranmüllwaggons die Gronauer Urananreicherungsanlage. Foto: GAL Gronau

Gronau Wie es in einer Pressemitteilung der Grünen Alternativen Liste (GAL) heißt, soll die Kundgebung, an der auch Vertreter russischer Umweltverbände teilnehmen werden, am Sonntag ab 13 Uhr vor dem Haupttor der Urananreicherungsanlage in Gronau, Röntgenstraße 4, starten. Die Mahnwache soll am Montag ab 8 Uhr vor der Urananreicherungsanlage auf der Brücke über der Bahnstrecke Gronau – Münster , Max-Planck-Straße, stattfinden. Mit diesen Aktionen wollen die Umweltschützer und Aktivisten auf die erneuten Atomtransporte von der Gronauer Urananreicherungsanlage nach Russland aufmerksam machen. Laut Informationen der GAL wird seit dem Frühjahr Uranmüll von der Urananreicherungsanlage des Urenco-Konzerns nach Russland exportiert. Der nächste Transport wird an diesem Montag, 18. November, starten. Nach Informationen des Schüttorfer Arbeitskreises Umwelt (AKU), fanden seit Mai dieses Jahres sechs Atommülltransporte per Bahn und Lastwagen statt. Die Transportroute verläuft jeweils von Gronau nach Amsterdam. Bei Straßentransporten vermutet der AKU, dass die Strecke auch durch die Grafschaft führt.

Erste Transporte seit zehn Jahren

Dass es erstmals seit rund zehn Jahren wieder Uranmülltransporte von Gronau nach Russland gibt, hat die GAL Gronau nach eigenen Aussagen in diesem Sommer aufgedeckt. Anlässlich des 34. Jahrestages der Inbetriebnahme der Gronauer Urananreicherungsanlage hatte die GAL Gronau am 15. August in einem Schreiben an NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart ihre langjährige Forderung nach der sofortigen Stilllegung der umstrittenen und hochgefährlichen Anlage bekräftigt. In dem Schreiben an Minister Pinkwart hieß es: „Als Wirtschaftsminister des Landes NRW liegt die Atomaufsicht in Ihrer Hand. Es liegt in Ihrer Hand, weitere Störfälle in der Anlage zu verhindern, die weitere Atommüllproduktion in Gronau zu verhindern und den weiteren Umgang mit der hochbrisanten Zentrifugentechnik zu unterbinden. Wiederholt wurde in Rechtsgutachten festgestellt, die unter anderem von der ehemaligen Bundesumweltministerin Frau Barbara Hendricks in Auftrag gegeben wurden, dass die Urananreicherung in Gronau rechtssicher beendet werden kann. Und da Ministerpräsident Laschet vor dem Weiterbetrieb der belgischen Atomkraftwerke warnt, die auch mit angereichertem Uran aus Gronau betrieben werden, und die Entsorgung des Gronauer Atommülls weiterhin ungelöst ist, wäre die sofortige Stilllegung der Gronauer Urananreicherungsanlage ein konsequentes Zeichen.“

Die GAL Gronau, die sich schon seit ihrer Gründung im Jahr 2008 intensiv gegen den Weiterbetrieb der Gronauer Urananreicherungsanlage engagiert, hatte in ihrem Schreiben an Minister Pinkwart auch konkrete Fragen gestellt. So wollte die GAL etwa wissen, wohin das abgereicherte Uranhexafluorid verbracht wurde, das am 29. Juli 2019 mit einem Sonderzug die Anlage verlassen hat und welche Menge abtransportiert wurde. Weitere Fragen der GAL bezogen sich auf die aktuell gelagerten Uranmülllagermengen auf dem Urenco-Gelände, auf die Umzäunung der Urananreicherungsanlage, die aus Maschendraht besteht und auf den Zustand der Urancontainer, in denen der Uranmüll gelagert und transportiert wird.

In einem Antwortschreiben räumte das Ministerium ein, dass am 29. Juli mit einem Sonderzug rund 600 Tonnen abgereichertes Uranhexafluorid nach Russland abtransportiert wurden. Nach der Veröffentlichung des Antwortschreibens durch die GAL Gronau griffen einige Bundestagsabgeordnete und Medien die brisante Thematik auf und es wurde bekannt, dass in 2019 wiederholt Uranmüll von Gronau nach Russland, und von Capenhurst nach Russland sogar seit 2016, exportiert wurde. Am 28. Oktober startete erneut ein Sonderzug mit Uranmüll von der Gronauer Urananreicherungsanlage Richtung Russland.

30.000 Tonnen Uranhexafluorid von Gronau nach Russland

Seit Mitte der 1990er Jahre wurden rund 30.000 Tonnen Uranhexafluorid in abgereicherter Form von der Gronauer Urananreicherungsanlage nach Russland verbracht. Entsprechende Lieferverträge endeten zum 31. Dezember 2009. Gegen die Transporte hatte es immer wieder Proteste deutscher, niederländischer und russischer Umwelt- und Anti-Atomkraft-Initiativen gegeben. Seit 2010 kritisieren der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), das Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen und weitere Verbände und Initiativen gemeinsam mit der GAL Gronau, dass verstärkt Uranmüll von Gronau nach Frankreich transportiert wird.

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