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25.11.2019, 17:18 Uhr / Lesedauer: ca. 4min

Junge Mutter sucht in Wettringen Stammzellenspender

Die Diagnose kam überraschend für Jennifer Berning. 2015 wurde bei der Wettringerin eine chronisch myeloischen Leukämie festgestellt. Nun werden in Wettringen Stammzellenspender gesucht.

Hoffen auf viele Spender: Jennifer Berning mit Hundedame „Honey“. Am Sonntag kommen die „Typisierungs-Kits“ der DKMS in Wettringen zum Einsatz. Foto: Lorenbeck

Hoffen auf viele Spender: Jennifer Berning mit Hundedame „Honey“. Am Sonntag kommen die „Typisierungs-Kits“ der DKMS in Wettringen zum Einsatz. Foto: Lorenbeck

Von Julian Lorenbeck

Wettringen „Mein Sohn hatte mich ein halbes Jahr nach seiner Geburt mit einer Bronchitis angesteckt“, erzählt die 26-jährige Jennifer Berning. Nach einer Blutentnahme wurde die Krankheit im März 2015 festgestellt: Jennifer leidet an einer chronisch myeloischen Leukämie (CML). Sie hatte sehr viel Gewicht verloren und nachts geschwitzt. „Ich wollte gerade nach der Schwangerschaft die Pfunde wieder loswerden und das hat sehr gut und sehr schnell geklappt.“ Im Nachhinein stellte sich dies allerdings als Zeichen der Krankheit heraus.

Jennifer Berning erinnert sich auch an ihre erste Reaktion auf die Diagnose. „Meine erste Frage war: Verliere ich meine Haare?“ Danach habe sie 20 Minuten zugehört, was die Ärztin gesagt habe. „Begriffen habe ich es, glaube ich, nicht. Und dann irgendwann flossen die ersten Tränen, als man es realisiert hat.“ Danach gingen die Fragen los: Was ist mit meinem Kind? Wie erkenne ich, ob mein Kind auch was hat? „Wir hatten schließlich den selben Blutkreislauf.“ Ihr fünfjähriger Sohn Ian ist aber gesund.

Die Reaktionen auf ihre Diagnose fielen „durchwachsen“ aus, wie sie sagt. „Meine Oma hat mal gesagt, sie will mit mir nicht darüber reden, weil sie das nicht erträgt.“ Manche Leute hätten sich auch distanziert. „Es gab welche, die gesagt haben: Du bleibst die, die du vorher auch warst, aber das waren eher wenig. Das sind aber auch die Menschen, auf die ich mich auch heute noch verlassen kann“, sagt Jennifer. Was sie aber gar nicht will, ist Mitleid. Jennifer geht selbstbewusst mit ihrer Krankheit um. „Ich habe schon alles angesprochen, was ich will, wenn es doch dazu kommt, dass ich die Krankheit nicht überlebe.“ Mit ihrem Sohn hat sie auch schon über die Krankheit gesprochen. „Ich finde es besser, wenn man ihn mit einbindet“, sagt Berning.

Sie merke, dass sie die Kleinigkeiten viel mehr schätzt, als vor der Diagnose. Zuvor sei sie auch jemand gewesen, der gerne diskutiert habe. „Jetzt gibt es die radikale Akzeptanz. Wenn du das so siehst, dann machen wir das so. Es lohnt sich nicht. Aber das merkst du erst dann“, berichtet Jennifer.

Der Zeitradius allerdings ist begrenzt. Vor fünf Monaten bekam Jennifer die Nachricht, dass sich ihre Werte verschlechtert hätten und sie zum Überleben auf einen Fremdspender angewiesen ist. Ihre beiden Brüder ließen sich testen, ohne Erfolg. Mit dem geringen Zeitrahmen beschäftigt sich die 26-Jährige in ihrem Alltag aber nicht. „In der Situation macht man sich darüber keine Gedanken. Das würde viele Momente auch einfach zerstören.“

Die Typisierungsaktion in der Bürgerhalle war die Idee ihrer Schwägerin Janine Lütke-Harmölle. „Nachdem wir erfahren haben, dass ihr Bruder nicht als Spender in Frage kommt, habe ich die DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) angeschrieben und die haben sich schnell gemeldet“, erzählt Lütke-Harmölle. Ein Großteil von Jennifers Familie kommt aus Wettringen, außerdem hat sie viele Freunde und Bekannte im „Hiärtken“. Jennifer Berning selbst wohnt in Rheine. Innerhalb von sechs Wochen war alles auf die Beine gestellt. Auch die Gemeinde half mit und stellt die Bürgerhalle zur Verfügung. „Mit der Aktion wird nicht nur mir geholfen, sondern auch vielen anderen, die schon ewig warten“, sagt sie.

Bei der Typisierung wird mit einem Wattestäbchen ein einfacher Abstrich der Wangenschleimhaut gemacht. Die Wattestäbchen nehmen genug Material auf, um die Spender anschließend im Labor hochauflösend zu typisieren. Für eine Stammzellspende müssen die Gewebemerkmale des Spenders mit denen des Patienten zu 100 Prozent übereinstimmen. Selbst dann liegt der Erfolg einer Spende noch bei 50/50.

Die Typisierungs-Aktion findet am Sonntag, 1. Dezember, von 14 bis 18 Uhr statt. 17 bis 55 Jahre alt muss ein möglicher Spender sein und könnte Jennifer Berning eine Chance geben. Hat sie schon Wünsche, wenn ein Spender gefunden wird und die Spende erfolgreich ist – für sie keine einfache Frage: „Eigentlich lebe ich im Moment“, sagt sie. „Aber ich habe mir schon sehr lange Gedanken gemacht. Wenn alles vorbei ist, dann würde ich gerne die Polarlichter sehen.“

Für die Wettringerin ist ein DKMS Spendenkonto bei der Commerzbank eingerichtet, IBAN DE55 7004 0060 8987 0001 65; Verwendungszweck: WJB 001 Jennifer

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