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05.02.2019, 11:38 Uhr

Aus für Germania: Berliner Fluglinie stellt Betrieb ein

Die Fluggesellschaft Germania hat Insolvenz angemeldet. Die Flieger bleiben ab sofort am Boden, die Mitarbeiter stehen vor einer ungewissen Zukunft. Der FMO bedauert das Aus. Doch die Entscheidung „verwundert doch sehr“, heißt es vom FMO-Geschäftsführer.

Aus für Germania: Berliner Fluglinie stellt Betrieb ein

Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Germania steht auf dem Rollfeld am Albrecht Dürer Airport. Die Berliner Fluggesellschaft Germania hat Insolvenz beantragt und ihren Flugbetrieb eingestellt. Die Flieger bleiben ab sofort am Boden. Foto: Daniel Karmann/dpa

Von dpa, Christian Lang

Berlin/Greven Die Berliner Fluggesellschaft Germania hat Insolvenz beantragt und ihren Flugbetrieb eingestellt. Wie das Unternehmen in der Nacht mitteilte, sind die Germania Fluggesellschaft GmbH und ihr Schwesterunternehmen für technische Dienstleistungen, die Germania Technik Brandenburg GmbH, sowie die Germania Flugdienste GmbH betroffen.

Großes Bedauern

Der Geschäftsbetrieb der Schweizer Germania Flug AG und der Bulgarian Eagle geht dagegen weiter. Geschäftsführer Karsten Balke begründete den Schritt damit, dass es nicht gelungen sei, Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen.

„Wir bedauern sehr, dass uns als Konsequenz daraus keine andere Möglichkeit als die der Insolvenzantragstellung blieb“, erklärte Balke laut Mitteilung. Er bedauerte die Auswirkungen des Schrittes für die Mitarbeiter, die ihr Bestes für einen zuverlässigen Flugbetrieb gegeben hätten, auch in den zuletzt angespannten Wochen. Die betroffenen Fluggäste bat Balke um Entschuldigung.

Was ist mit gebuchten Flügen?

Passagiere, die ihren Germania-Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht haben, sollen sich laut Mitteilung direkt an ihren Reiseveranstalter wenden, um eine Ersatzbeförderung zu erhalten. Darauf habe aber laut Gesetzeslage keinen Anspruch, wer sein Flugticket direkt bei Germania gekauft habe.

Anfang Januar waren die finanziellen Schwierigkeiten bei Germania bekannt geworden. Der Flugbetrieb ging jedoch zunächst planmäßig weiter. Zwischenzeitlich hatte das Unternehmen von erfolgreichen Finanzierungsverhandlungen gesprochen. Ende Januar wurde aber bekannt, dass es bei der Auszahlung der Januar-Gehälter an die Mitarbeiter Verzögerungen gibt.

Investoren-Gruppe um früheren Air-Berlin-Chef

Die Airline begründet den finanziellen Engpass mit massiven Steigerungen der Kerosinpreise und mit einer „außergewöhnlich hohen Anzahl technischer Serviceleistungen an der Flotte“. Noch am Montag hatte es einen Bericht über eine Investorengruppe aus Nordrhein-Westfalen gegeben, der hoffen ließ. Die „Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung“ berichtete unter Verweis auf eigene Informationen, dass eine Gruppe unter der Koordination von ehemaligen Airline-Managern helfen wolle und kurzfristig einen zweistelligen Millionen-Betrag bereitgestellt werden solle. Zu der Gruppe solle auch der frühere Air Berlin-Chef Joachim Hunold gehören. Germania wollte zu dem Bericht keine Stellung nehmen. In der Nacht folgte dann die Mitteilung, dass vor dem Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenz für die genannten Firmen beantragt worden sei.

FMO bedauert die Betriebseinstellung der Fluggesellschaft Germania

Auch Prof. Dr. Rainer Schwarz, Geschäftsführer des Flughafen Münster-Osnabrück (FMO) nimmt Stellung zu der Insolvenz. In einer Pressemitteilung heißt es: „Mit großem Bedauern hat der Flughafen Münster/Osnabrück die Insolvenz der Fluggesellschaft Germania zur Kenntnis genommen. „Germania hatte am 19.01. die Lösung der Finanzierungsfragen bekannt gegeben und wörtlich hinzugefügt, dass damit die mittel- und langfristige Perspektive gesichert sei. Knapp zwei Wochen später eine Insolvenz zu verkünden, verwundert doch sehr“, so FMO-Geschäftsführer Prof. Dr. Rainer Schwarz. Im Jahr 2018 hatte die Airline am Flughafen Münster/Osnabrück insgesamt 269.000 Fluggäste befördert. Das entspricht einem Marktanteil in Höhe von 26 Prozent am Gesamtaufkommen am FMO. „Natürlich hatte der FMO seit Beginn der Germania-Krise den permanenten Austausch mit den großen Reiseveranstaltern in Deutschland stark intensiviert. Die Reiseveranstalter entscheiden schließlich über das touristische Programm. „Wir werden nun alles daran setzen, gemeinsam mit den touristischen Partnern schnellstmöglich das Touristikprogramm am FMO zu sichern“, so Schwarz.

Germania folgt auf Air Berlin

Germania ist eine deutsche Fluggesellschaft mit einer mehr als 30-jährigen Geschichte. Sie wurde 1986 gegründet, seit 2009 ist Berlin der Firmensitz. Auf der Kurz- und Mittelstrecke beförderte die Airline mehr als vier Millionen Passagiere pro Jahr zu mehr als 60 Zielen innerhalb Europas, nach Nordafrika sowie in den Nahen und Mittleren Osten. Zusammen mit der Schweizer Germania Flugbetrieb AG und der Bulgarian Eagle betrieb Germania zuletzt 37 Flugzeuge.

Erst Ende Oktober 2017 hatte die damals zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin ihre Flugbetrieb eingestellt, rund 8000 Mitarbeiter waren betroffen. Im Herbst 2018 ging die Charterfluggesellschaft Small Planet Airlines mit Sitz in Berlin in die Insolvenz.

Mehrere Flüge bereits abgesagt

Die Insolvenz der Berliner Airline Germania führt am Dienstag am Flughafen Düsseldorf zu sechs Annullierungen. Die geplanten Flüge von und nach Tel Aviv in Israel, Hurghada (Ägypten) und Kayseri (Türkei) wurden am Morgen auf der Internetseite des Flughafens abgesagt. Am Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) fällt am Dienstag ein Flug nach Lanzarote aus. In Bremen wurde der Flug nach Antalya um 12.40 Uhr annulliert.

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