05.11.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Aktion zur Männergesundheit am Gronauer St.-Antonius-Hospital

Mit einer „Likörelle“ von Udo Lindenberg und speziellen Gesichtsmasken werben Chefarzt Dr. Jörn Hinrich Witt (rechts) und der Leitende Arzt Dr. Christian Wagner für die Aktion „Bärte ohne Grenzen“ im Prostatazentrum Nordwest in Gronau. Ziel ist die Aufklärung über Krebserkrankungen und psychische Gesundheit. Foto: privat

Mit einer „Likörelle“ von Udo Lindenberg und speziellen Gesichtsmasken werben Chefarzt Dr. Jörn Hinrich Witt (rechts) und der Leitende Arzt Dr. Christian Wagner für die Aktion „Bärte ohne Grenzen“ im Prostatazentrum Nordwest in Gronau. Ziel ist die Aufklärung über Krebserkrankungen und psychische Gesundheit. Foto: privat

Von Guntram Dörr

Gronau Mann redet nicht gerne darüber. Krankheiten sind beim starken Geschlecht ein Schwachpunkt, es sei denn, die Knochen, Knie oder Hüften zwicken. Typische Verschleißerscheinungen durch Überlastung, etwa beim Sport, und Zeichen von vitaler Aktivität. Er wusste nicht wohin mit seiner Kraft und Energie, da hat der Betroffene im Kreis der Kumpels keine Sprachhemmung. Aber sonst? Weltmeister im Verdrängen.

„Männer gehen erst zum Arzt, wenn etwas nicht mehr funktioniert oder wehtut“, sagt Dr. Christian Wagner. Der gebürtige Nordhorner ist Leiter der robotischen Urologie am St. Antonius-Hospital in Gronau. Die etwa 100-köpfige Belegschaft beteiligt sich gerade am „Movember“, einer Aktion für Männergesundheit. Ziel ist es, einen Monat lang über psychische Gesundheit, Selbstmordprävention, Prostata- und Hodenkrebs aufzuklären, zu Gesprächen anzuregen und Spenden zu sammeln..

Wagner hatte vor etwa zehn Jahren von einer Idee gehört, die in einer australischen Kneipe entstanden sein soll. Dort unterhielt sich eine Gruppe von Freunden darüber, wie es gelingen könnte, Männer zum Reden zu bringen und sie zu motivieren, häufiger und offener über ihre Gesundheit zu sprechen oder auch Hilfe anzunehmen. Weil eine solche Initiative ein symbolhaftes Zeichen braucht, verabredeten die Aktivisten, sich immer im November einen Schnauzbart wachsen zu lassen. Im Englischen heißt der Schnäuzer „Moustache“, das große M setzten sie vor den Monat November, entstanden ist der „Movember“.

In Gronau folgt die etwa 80-köpfige Belegschaft der Urologie diesem Beispiel und propagiert augenzwinkernd „Bärte ohne Grenzen“. Und obwohl bei Frauen kein Flaum auf der Oberlippe sprießt, nimmt auch das weibliche Klinikpersonal teil und schickt Handyfotos in die sozialen Netzwerke. Sie präsentieren einen Schokomund, etwa nach einem Schluck aus dem Kakaobecher. Das Anliegen allerdings ist ernst: Nur etwa jeder fünfte Mann geht regelmäßig zur Vorsorge, was sich bei den vorherrschenden Krebserkrankungen der Prostata oder der Hoden verhängnisvoll auswirken kann.

Die Klinik für Urologie, Kinderurologie und Urologische Onkologie in Gronau hat mit solchen Fällen zuhauf zu tun. Dort operieren die Spezialisten seit Jahren mit der minimalinvasiven Da-Vinci-Methode, bei der präzise chirurgische Robotertechnik zum Einsatz kommt, etwa 1800 Patienten jährlich und ist damit nach eigenen Angaben weltweit führend. Je früher die Krankheit entdeckt wird, desto größer die Chance auf Erfolg. „Wir haben dann eine bessere Krebs Heilungs-Wahrscheinlichkeit, wenn ein Tumor früh festgestellt wurde – erst dann loszugehen, wenn man etwas merkt , kann schon zu spät sein“, sagt Dr. Wagner.

Für ihr Anliegen haben die Gronauer Bartträger prominente Unterstützung erhalten. Der Sänger Udo Lindenberg, ein Sohn der Stadt, stellt für den „Movember“ ein neues, eigens für die Aktion angefertigtes Bild zur Verfügung. Diese „Likörelle“ wird auf der Internetplattform eBay versteigert. Nichts wird es wegen der Corona-Beschränkungen mit einem Stand auf dem Bentheimer Weihnachtsmarkt. Und auch ein geplanter Spinning-Marathon muss zunächst verschoben werden. Immerhin, ein Benefiz-Eierlikör ist für den guten Zweck im Angebot, den eine kleine Manufaktur hergestellt hat. Das Getränk wird im St. Antonius-Hospital an Mitarbeiter und Freunde verkauft.

Solche und ähnliche Aktionen gehen nicht allein von der Urologie in Gronau aus. Die Movember-Stiftung unterstützt mehr als 1250 Gesundheitsprojekte für Männer auf der ganzen Welt. Der Erlös fließt an Selbsthilfegruppen, in die medizinische Forschung, für innovative Krebstests und -behandlungen sowie Projekte im Bereich der psychischen Gesundheit.

Schlussfrage an den Leitenden Arzt Dr. Christian Wagner: Was fehlt Männern, die gesundheitliche Probleme verdrängen, am meisten? Antwort: „Ein guter Freund, dem sie sich wirklich anvertrauen können.“ Vielleicht kann ja ein Bartträger einspringen.

Neugierig? Wer mehr über Männergesundheit und den „Movember“ erfahren möchte, schaut bei Facebook auf „Bärte ohne Grenzen“ oder im Netz auf www.movember.com.

  • Drucken
  • Kommentare 0
  • rating rating rating rating rating
Copyright © Grafschafter Nachrichten - Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.
Corona-Virus