Grafschafter Nachrichten
08.03.2018

Wilsumer Schüler erleben Schulstunde im Moor

Wilsumer Schüler erleben Schulstunde im Moor

Spannend sind die Unterrichtsstunden in der freien Natur für die Grundschüler. Foto: Hamel

Der Tag ist noch jung in der Niedergrafschaft, da machen sich die Viertklässler der Grundschule Wilsum und ihre Lehrerinnen auf zu einem besonderen Ausflug in die Natur. „Mit den Jägern ins Moor“ steht an diesem Montagmorgen auf dem Stundenplan.

Wilsum. Der Freiluft-Unterricht zwischen Birken und Moorgras hat schon Tradition: Seit nunmehr 30 Jahren begeben sich die Wilsumer Jäger Jürgen Harsman und Gerrit Nykamp vom Hegering VII stets zu Beginn des Frühlings mit einer Schülergruppe hinaus aufs Land – damit die Mädchen und Jungen die Eigenschaften des Moorgebiets nicht nur aus dem Schulbuch lernen, sondern auch „in echt“ entdecken können.

Pünktlich um 9 Uhr ertönen vor der Schule die Signale der Jagdhornbläser. Sie verkünden: Der Aufbruch naht! Mit Trecker und Jagdwagen macht sich die Truppe auf den Weg. Auch zwei echte Jagdhunde sind mit von der Partie. Mit Gummistiefeln sind die Kinder bestens für den feuchten Boden gewappnet. Die strahlende Frühlingssonne und die vergleichsweise milden Temperaturen lassen die frostige Witterung der vergangenen Woche nahezu vergessen.

Am Gagelstrauchweg stoppt der Wagen. Vor hier aus geht es zu Fuß weiter, der befestigte Weg wird verlassen. Deutlich zu erkennen ist der typische Wuchs des Moorgrases, und auch Birken sieht man, so weit das Auge reicht. Über das großflächige Aufkommen der weißberindeten Bäume ist Jürgen Harsman allerdings wenig erfreut: Ihr Schattenwurf behindert das Gedeihen des Grases, welches wiederum für die Torfbildung wichtig ist.

Harsman erinnert sich an alte Zeiten, als jeder Landwirt noch eine Fläche von 2500 bis 5000 Quadratmetern Moor besaß. Jedes Jahr im Mai ging es damals eine Woche lang zum Torfstechen. Auch er selbst half als Schüler mit. Nach dem Ausheben musste das Material über den Sommer hinweg trocknen, wurde noch zwei Mal gewendet und schließlich im Herbst abtransportiert. Es diente im Winter als Brennstoff zum Heizen und Kochen. Bis in die 1960er-Jahre geschah der Abbau.

Brennmaterial aus dem Moor

Jürgen Harsman und Gerrit Nykamp setzen den Spaten an. Ein Blick in den geöffneten Boden offenbart die unterschiedlichen Schichten: Oben der Weißtorf, weiter unten den dunkle, klebrige Schwarztorf. Letzterer dient als das oben beschriebene Brennmaterial. Interessiert schauen die Kinder in das dunkle Erdloch und fassen mit ihren Händen hinein. „Das fühlt sich ein bisschen an wie Knete“, stellt eine Schülerin fest. Im Sachunterricht haben die Kinder bereits Einiges über das Moor erfahren.

Weiter marschiert die Gruppe durchs Gebüsch. Das Erklimmen eines Hochsitzes macht den Viertklässlern ebenso Spaß wie das Erkunden von Wildtierspuren. Neben sogenannten Plätz- und Fegestellen, die auf Rehböcke zurückzuführen sind, finden sich auch sichtbare Wildwechselpfade. Auch besondere Pflanzen zeigen die Jäger den Kindern – insbesondere den seltenen Gagelstrauch, der unter Naturschutz steht und Namensgeber der anliegenden Straße ist. Er gehört zu den Sträuchern, die blühen, bevor sie Laubblätter tragen.

Bald nähert sich die Moorwanderung ihrem Ende. Zurück am Ausgangspunkt angelangt, brennen dort drei kleine Feuerstellen. Zwier Lübbermann hat das Holz entzündet und empfängt die Ausflügler mit Getränken und Würstchen. Letztere werden auf Stöcke gespießt und über den Flammen gegrillt. Zufrieden lassen Kinder, Lehrerinnen und Jäger die Unternehmung ausklingen. Zwei Schülerinnen haben sich etwas Schwarztorf mitgenommen und daraus Kugeln geformt. „Die lassen wir trocknen, dann haben wir Glückssteine aus Torf“, sagen sie.

Finanzielle Unterstützung erhielten die Jäger in diesem Jahr durch die Raiffeisen Ems-Vechte: Weil es sich um den 30. Ausflug handelte, sponserte die Genossenschaft den Vormittag in der freien Natur.

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