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29.01.2020, 17:38 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Uelsener gedenken der Opfer des Nationalsozialismus

Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau gedachten am Montagabend bei der Gedenkveranstaltung der Gemeinde Uelsen rund 60 Bürgerinnen und Bürger der Opfer des Nationalsozialismus.

Zeichneten für die Gedenkveranstaltung verantwortlich: Gemeindedirektor Hajo Bosch, Bürgermeister Wilfried Segger, das Duo NIHZ und Pastor Christoph Wiarda.Foto: privat

Zeichneten für die Gedenkveranstaltung verantwortlich: Gemeindedirektor Hajo Bosch, Bürgermeister Wilfried Segger, das Duo NIHZ und Pastor Christoph Wiarda.Foto: privat

Uelsen Bürgermeister Wilfried Segger erinnerte an die Schrecken der Verfolgung und Vernichtung durch die menschenverachtende und würdelose Rassenideologie der Nationalsozialisten und rief die letzten Tage im KZ Auschwitz-Birkenau noch einmal in Erinnerung. Durch einen Kurzfilm mit einem Beitrag von Erna de Vries wurden diese Geschehnisse in ihrer bedrückenden Art noch greifbarer.

Gerade in der heutigen Zeit, in der jüdische Einrichtungen polizeilich geschützt werden müssen, jüdische Kinder angegriffen würden und der Holocaust von einigen Menschen geleugnet werde, sei das Wachhalten der Erinnerung an diese Zeit elementar wichtig. Solchen Tendenzen dürfe kein Platz gelassen werden und müssten im Ansatz eingedämmt werden, so Segger.

Christoph Wiarda, Pastor der reformierten Kirchengemeinde begann seine Rede mit der Feststellung, dass Auschwitz zum Sinnbild für den Holocaust geworden sei. Diese Verengung des Blickwinkels könne aber auch problematisch sein. Zum ersten berge es die Gefahr in sich, Leute könnten deswegen neu behaupten, der Holocaust sei weitgehend im Verborgenen geschehen. Schon kurz nach Ende des Krieges legten sich viele Deutsche die Ausrede zurecht, man habe von dem großen Morden ja gar nichts gewusst. Selbst wenn sie vielleicht von dem Geschehen hinter den Zäunen der Vernichtungslager im besetzten Polen nichts mitbekommen haben, so haben dennoch Million Soldaten an der Ostfront von den Massenerschießungen an den Todesgruben gewusst. Nicht wenige von ihnen waren an den Aktionen sogar beteiligt. An solchen frei zugänglichen Orten sind weitaus mehr Juden ermordet worden als in Auschwitz und den andern Lagern. Das behauptete Nicht-Wissen sei also eher ein Nicht-Wissen-Wollen gewesen.

Der Blick auf das Töten in der Mordfabrik Auschwitz, führte Wiarda in einem zweiten Punkt aus, hätte Menschen außerdem dazu verleitet, ihre persönliche Schuld an dem Geschehen kleinzureden. Man sei ja nur ein ganz kleines Rädchen im System gewesen. Sogar der Chef-Organisator des Holocaust, Adolf Eichmann, argumentiert so bei seinem Prozess 1961 in Jerusalem. Deutsche Gerichte haben erst 2011 zum ersten Mal geurteilt, dass jede Mitarbeit in den Vernichtungslagern als Beihilfe zum Mord zu werten ist.

In einem dritten Punkt fragte Wiarda nach dem wirkungsvollsten Einsatz für ein „Nie wieder“. Zu dem mutigen Eintreten gegen jede Form von Antisemitismus, der sich heute übrigens auch als Israelkritik tarne, müsse auch der Einsatz für einen intakten demokratischen Staat stehen. So ein funktionierender Staat ist eine der wichtigsten Bedingungen dafür, dass Menschen menschlich handeln. Auch dies erläuterte Wiarda mit einem Blick zurück. Die Staatszerstörung durch die Nazis, beginnend in Deutschland ab 1933, vor allem aber im Zweiten Weltkrieg in Osteuropa, sei ein kaum zu unterschätzender Faktor dafür gewesen, dass das Morden außerhalb der Lager solch unvorstellbare Ausmaße annahm. Es sei daher allem, was von Links oder Rechts auf eine Schwächung des Staates abziele, beherzt entgegenzutreten. Ein kleines Element davon könne zum Beispiel auch sein, mit dem ständigen Schlechtreden der Arbeit der gewählten Politiker aufzuhören.

Mit klassischer Klezmermusik und Stücken von ehemaligen Gefangenen des Konzentrationslagers, die teilweise auf jiddisch vorgetragen wurden, umrahmte das Duo NIHZ eindrucksvoll die Gedenkstunde.

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