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21.07.2019, 15:34 Uhr

BUND bemängelt fehlende Aufsicht des Landkreises

„Umwelt- und Naturschutzprobleme, verursacht durch die Landwirtschaft, haben sich in den letzten Jahrzehnten stark zugespitzt. Viele zeigen auf die Landwirte, doch sie sind meist Getriebene.“ – Das sagt die Kreisgruppe des BUND in einer Stellungnahme.

BUND bemängelt fehlende Aufsicht des Landkreises

Noch immer steigt der Viehbestand in der Grafschaft Bentheim an: Bei den Schweinen innerhalb von sieben Jahren um zehn Prozent. GN-Beispielfoto: Konjer

Schüttorf Nordwestdeutschland gehört zu den viehdichtesten Regionen Deutschlands und mit seinen durchlässigen Sandböden zu den ökologisch empfindlichsten, stellt die Grafschafter Kreisgruppe des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fest: „Dennoch expandiert gerade hier die Landwirtschaft ungebremst; die Ursachen liegen in der traditionellen Veredelungswirtschaft und in politischen Entscheidungen. Nur durch die Politik können Fehlentwicklungen unter Stützung der Landwirte und Erhalt möglichst vieler Hofstellen korrigiert werden.“

Wie sehr die Politik gefordert ist, Veränderungen herbeizuführen, beschreibt der BUND an Beispielen aus der Grafschaft zu Folgeproblemen des hohen Viehbestands:

  • Stickstoffeinträge in Form von Ammoniak aus Ställen, die zu flächendeckender Nährstoffanreicherung und Versauerung der Böden führen,
  • große Mengen an Gülle und Mist, die den Druck auf die Flächen erhöhen und zunehmenden Export und weiten Transport des Wirtschaftsdüngers notwendig machen,
  • ein großer Bedarf an wirtschaftseigenem Futter, der auf den Äckern zu hohen grundwasserbelastenden Düngermengen führt und das natur- und ressourcenschonende traditionelle Grünland fast gänzlich hat verschwinden lassen.

Trotzdem nehme der Viehbestand im Landkreis immer noch ungebremst zu. Innerhalb von nur acht Jahren, von 2010 bis 2017, habe in der Grafschaft der Bestand an Milchkühen um zwölf Prozent, an Schweinen um zehn Prozent und an Hühnern sogar um 28 Prozent zugenommen. Aktuell würden weitere Stallbauten beantragt, so auch zwei Ställe mit je 40.000 Hühnern in Holt und Haar, in direkter Nachbarschaft eines niederländischen FFH-Gebietes mit äußerst nährstoffempfindlicher Heidevegetation.

Viele beantragte Ställe seien nach geltendem Recht genehmigungsfähig trotz der bereits bestehenden hohen, flächendeckenden Stickstoffbelastung. Filter sorgten dafür, dass Grenzwerte unterschritten werden. „Doch lassen sich die gasförmigen Stickstoffverbindungen rentabel nur um maximal 70 bis 80 Prozent reduzieren“, meint der BUND: „Einsatzfähig sind Filter allerdings nur in geschlossenen Ställen. Aus Tierschutzgründen geht jedoch die Entwicklung zu offenen Ställen. Das ist einerseits begrüßenswert. Andererseits nimmt mit jedem zusätzlichen Stall die Gesamtbelastung durch Stickstoff in Form von Ammoniak zu.“

Mit jedem zusätzlichen Stall vergrößere sich die Gülleproblematik, der Druck auf die begrenzten landwirtschaftlichen Flächen und der ökologische Fußabdruck durch Gülle- und Mistexport. „Es scheint der politische Wille zu fehlen, diese Entwicklung zu stoppen“, kritisieren die Umweltschützer: „Bereits der aktuelle Viehbestand ist schlichtweg zu groß für unsere Region.“

Betroffen sei davon auch der Biotop- und Artenschutz im engeren Sinn. Auch außerhalb von Naturschutzgebieten seien bestimmte Biotope geschützt und dürften nicht erheblich beeinträchtigt werden: „Die gesetzlichen Grundlagen werden jedoch nicht immer konsequent angewandt. Zuständig sind die Landkreise, die in Niedersachsen vor allem für die Umsetzung der Naturschutzgesetze Verantwortung tragen.“ So habe man in Sieringhoek in einem nährstoffarmen Heideweiher neben vielen gefährdeten Pflanzenarten die bundesweit vom Aussterben bedrohte Borsten-Schmiele entdeckt. Es handele sich um das letzte Vorkommen in der Grafschaft.

Nachdem das schützende traditionelle Grünland in direkter Nachbarschaft des Weihers umgebrochen und in einen Acker umgewandelt wurde, seien die besonders schutzwürdigen Arten verschwunden. Die BUND-Kreisgruppe kritisiert: „Eine derart gravierende Beeinträchtigung eines Paragraf-30-Biotops ist nach Gesetzeslage jedoch verboten. Sicherlich war dieses dem Landwirt nicht bewusst. Zu bemängeln ist die fehlende Aufsicht des Landkreises.“

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