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Ein Neustart mit historischem Charakter

Nach dem Schnuppertag am Samstag fährt der „Regiopa-Express“ nun fahrplanmäßig durch die Grafschaft

Seit dem vergangenen Wochenende gehören die blau-weißen Züge der Bentheimer Eisenbahn zum alltäglichen Bild in der Grafschaft. Der Betrieb des „Regiopa-Express“ ist erfolgreich gestartet und die Grafschafter zeigten großes Interesse an dem neuen Verkehrsmittel, mit dem Neuenhaus und Nordhorn auch den Anschluss an das Streckennetz der Deutschen Bahn haben. Schon am Schnuppertag am Samstag waren die Bahnsteige gut gefüllt, denn die Grafschafter nutzen in Scharen die Gelegenheit, einmal mit den neuen Diesel-Triebwagen Probe zu fahren. Rund 7000 Fahrgäste wurden am ersten Schnuppertag gezählt.

art mit historischem Charakter

© Elisabeth Kemper

Die Bentheimer Eisenbahn lud zum Schnupperfahrtag mit dem „Regiopa-Express“ ein und rund 7000 Grafschafter nutzten dieses Angebot.

Zugführer Harald Biester hatte die Ehre, den ersten Zug zu steuern. „Ich freue mich mächtig, es geht in die Geschichte mit ein“, sagt er.

Am Sonntag war es offiziell soweit: Bentheimer-Eisenbahn-Vorstand Joachim Berends drückte gemeinsam mit Gerd Will, Friedrich Kethorn, Reinhold Hilbers und Thomas Heils auf den großen roten Knopf und schickten damit symbolisch die Züge auf die Reise. Für den ÖPNV in der Grafschaft hat damit ein neues Zeitalter begonnen.

Ab sofort pendeln die Personenzüge tagsüber stündlich zwischen Bad Bentheim, Nordhorn und Neuenhaus. „Das ist ein historisches Ereignis. Für uns, für mich und für alle in der Region“, freut sich Bahnchef Berends. Nach 45 Jahren ohne Bahnanbindung sieht Nordhorns Bürgermeister Thomas Berling für seine Stadt neue Chancen: „Wir sind wieder erreichbarer. Davon wird die Wirtschaft in der gesamten Region profitieren.“

Am Mittwoch war Landeswirtschaftsminister Bernd Althusmann zu einer Jungfernfahrt gekommen. Das Land hatte einen maßgeblichen Anteil an den Fördermitteln, die die Reaktivierung der Strecke erst ermöglichten.

art mit historischem Charakter

© Henrik Hille

Landeswirtschaftsminister Bernd Althusmann (rechts) besuchte gestern die Grafschaft und fuhr mit dem „Regiopa-Express“. Dabei ließ er es sich nicht nehmen, einmal selbst in das „Cockpit“ des Zuges zu schauen.

In der anschließenden offiziellen Feierstunde im NINO-Hochbau machte er den anwesenden Kommunalpolitikern Hoffnung auf die Verlängerung der Strecke bis nach Coevorden. Den Anschub dieses Projekts erhoffe er sich noch in der laufenden Legislaturperiode. Wenn die Wirtschaftlichkeitsberechnung positiv ausfalle, stünde die Streckenverlängerung nach Coevorden ganz oben auf der Agenda des Landes Niedersachsen. Die Stärkung des ÖPNV bezeichnete der Minister als eine bedeutsamsten Fragen der Politik. Die Grafschaft sei mit dem neuen Verkehrsanschluss in das Zentrum Europas gerückt.

Die ersten Eindrücke der Passagiere waren durchweg positiv. Komfort und Ausstattung der Züge wurden ebenso gelobt wie die Möglichkeit, das W-LAN zu nutzen. Lob gab es aber nicht nur für die neuen Züge, auch die Bahnhöfe und Haltepunkte, die renoviert wurden, beziehungsweise neu entstanden sind, bieten den Reisenden ein hohes Maß an Komfort.

Ich wünsche Ihnen allzeit gute Fahrt durch die Grafschaft Bentheim und hoffe, dass die neue Verbindung intensiv von Ihnen genutzt wird. Dann könnte diese erfolgreiche Erneuerungsmaßnahme zu einer Blaupause für künftige Streckenreaktivierungen werden.
Dr. Bernd Althusmann, Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung

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Die Grafschaft am Zug: Hier gibt’s Zahlen, Daten, Fakten

„Die Stadt Nordhorn wird wirtschaftlich und touristisch von der Wiedereröffnung des Schienenpersonennahverkehrs unmittelbar profitieren. Ich freue mich, dass es sich gelohnt hat, dass alle Beteiligten einen so langen Atem hatten, denn in der heutigen Zeit sind die Verkehre vielschichtig und für eine Stadt in der Größenordnung von Nordhorn gehört ein Bahnhof und somit der Zugang zum Personenzugverkehr einfach dazu. Ich wünsche mir, dass dies jedoch erst der Anfang ist und uns möglichst bald der Durchbruch über Coevorden bis nach Emmen gelingt, denn dies würde auch die Region als Ganzes voranbringen.“

Thomas Berling, Bürgermeister der Stadt Nordhorn

„Neuenhaus erwartet positive und nachhaltige Impulse im Bereich Wohnen und bei der weiteren gewerblichen Entwicklung. Die Stadt wird als Verkehrsknotenpunkt auch für weite Teile der Niedergrafschaft an Bedeutung gewinnen. Unsere Bürgerinnen und Bürger, Schülerinnen und Schüler sowie viele Pendler und Touristen profitieren von einer besseren Mobilität, die es künftig weiter auszubauen gilt.“

Günter Oldekamp, Bürgermeister der Samtgemeinde Neuenhaus

„Ein Personenzug zwischen Neuenhaus, Nordhorn und Bad Bentheim ist für mich:

1. ein Bekenntnis, dass auch im ländlichen Raum und auch jenseits der Bahnstrecken Mobilität neu, nämlich nicht mehr vorrangig mit Blick auf den Kfz-Verkehr, definiert werden sollte,

2. ein Anfang, dem weitergehende, grenzüberschreitende Verbindungen Richtung Norden (Emlichheim, Coevorden, Emmen und Groningen) und Süden (Gildehaus, Ochtrup, Münster und Dortmund) folgen sollten, und

3. ein Hinweis darauf, dass die Grafschaft ihre durch die zusätzlichen Bahnanschlüsse deutlich verbesserten Chancen nutzen muss, etwa zur Entwicklung eines attraktiven Berufs- UND Hochschulstandortes in Nordhorn!“

Dr. Volker Pannen, Bürgermeister der Stadt Bad Bentheim

Bahnhof Nordhorn wird zur ÖPNV-Drehscheibe

Der „Regiopa Express“ fährt. Er macht das Nordhorner Bahnhofsgelände zum zentralen Verknüpfungspunkt des öffentlichen Nahverkehrs in der Grafschaft. An der „Zentralen Omnibushaltestelle“, die noch von sechs auf acht Haltestellen erweitert wird, treffen sich immer zur halben Stunden die Regionalbusse aus der Ober- und Niedergrafschaft, die Nordhorner Stadtbuslinien und die Regionalzüge aus Richtung Bad Bentheim und Neuenhaus. Zu jeder Stunde fahren die Züge auf der Linie RB56 in Minute 31 ab.

Am Bahnhof der Kreisstadt werden mehr Fahrgäste ein- und aussteigen als an allen anderen Haltepunkten des Nahverkehrszuges. Dazu gehören Hunderte von Schülern der umliegenden Schulen. Der überdachte, 110 Meter lange neue Mittelbahnsteig ist von mehreren Seiten zugänglich. Der direkt am Bahnhofsgebäude liegende alte Bahnsteig soll nicht mehr genutzt werden.

Der Bahnhof der Kreisstadt und sein gesamtes Umfeld werden sich mit der Wiederaufnahme des Personenzugverkehrs weiter verändern. Viel Geld wurde bereits investiert. Die größte Einzelmaßnahme steht noch bevor: die Wiederbelebung des seit Jahrzehnten stillgelegten Bahnhofsgebäudes, das der Bentheimer Eisenbahn (BE) gehört.

art mit historischem Charakter

Das Bahnhofsgebäude am Frensdorfer Ring soll bis 2021 saniert werden. Eine Glasfront (links) bildet später den neuen Eingangsbereich. Grafik: Bentheimer Eisenbahn

Das mit den Planungen beauftrage Architekturbüro Potgeter & Werning hat den Bauantrag gestellt. Die Arbeiten für das rund vier Millionen Euro teure Vorhaben sollen im Herbst ausgeschrieben werden. Sie können dann voraussichtlich im November beginnen und werden eineinhalb Jahre dauern. Die Fertigstellung wird für das Frühjahr 2021 angestrebt.

Der stadtbildprägende Baukörper behält sein äußeres Erscheinungsbild. Fassade und Fenster werden originalgetreu restauriert. Ergänzt wird das Gebäude um eine Glasfront an der Vorderseite. Die energetische Modernisierung ist obligatorisch. Das Dach muss erneuert werden.

Viel passieren wird im Inneren des Gebäudes. Es wird entkernt und ein Aufzug eingebaut. Ins Untergeschoss ziehen ein Café/Bistro – eventuell mit Kiosk – ein, die Verkehrsgemeinschaft Grafschaft Bentheim (VGB) und die zuvor dort ansässige Versicherungsgesellschaft DEVK. Außerdem richtet die BE ein kleines Servicecenter mit Fahrkartenverkauf ein, wo auch Reisen übers eigene Reisebüro Berndt gebucht werden können. Im ersten Obergeschoss erhält die Netzgesellschaft der Bentheimer Eisenbahn inklusive Fahrdienstleiter neue Räume.

An der Mathildenstraße im Stadtteil Blanke bekam Nordhorn einen weiteren Zug-Haltepunkt mit der erforderlichen Ausstattung wie barrierefreiem Zugang, Wetterschutzhäuschen, Fahrkartenautomat und digitaler Fahrplananzeige. Dazu kommen kostenlose Stellplätze für Autos und Fahrräder. Der Haltepunkt „Nordhorn-Süd“ „versorgt“ einen Einzugsbereich, in dem mehr als 30.000 Menschen leben. Die Bentheimer Eisenbahn geht deshalb davon aus, dass er stark genutzt wird.

Bahnhof als neuer Mittelpunkt von Neuenhaus

Lebendige Bahnhöfe sind ein wichtiger Teil des „Projektes Regiopa“. In Neuenhaus wurde er praktisch neu geschaffen – und schon zum Anziehungspunkt, lange bevor der Personenzug fuhr. Der Grund: Bereits Mitte Oktober 2018 hat die Bäckerei & Konditorei Arends aus Neuenhaus ihre achte Filiale im vollständig sanierten alten Bahnhofsgebäude eröffnet. Die „Backbar“ verfügt über 70 Plätze im Innenraum und gut 40 auf der Terrasse. Gut einen Monat später öffnete außerdem das Reisebüro Berndt die Türen seiner modernen Filiale im wiederbelebten Bahnhof. Ebenso wie in Nordhorn war er mehr als vier Jahrzehnte stillgelegt.

Seit Sonntag erfüllt das Bahnhofsareal nun auch seine Funktion als Knotenpunkt im öffentlichen Nahverkehr. Zu jeder Stunde fährt der „Regiopa-Express“ dort in Minute 18 ab. Schon nach kurzer Fahrstrecke Richtung Nordhorn erreicht der Zug den zweiten Neuenhauser Haltepunkt im Thesingfeld.

Rund 2,5 Millionen Euro kostete die Neugestaltung des Bahnhofsareals. Die Bentheimer Eisenbahn zahlte gut eine Million Euro. Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen übernahm rund 690.000 Euro, der Landkreis 345.000 Euro und die Samtgemeinde Neuenhaus etwa 420.000 Euro. Mit diesem Geld wurde zum einen das historische Bahnhofsgebäude modernisiert. Der Altbau wurde komplett entkernt, nur die Grundmauern blieben stehen. Reisende und Pendler finden nun eine optimale Infrastruktur vor.

Geschaffen wurden

  • ein 120 Meter langer Bahnsteig,
  • zwei Gleise, jeweils 350 Meter lang,
  • eine 72 Quadratmeter große Bahnhofshalle,
  • 46 Parkplätze,
  • drei Taxistände,
  • kurze Wege zwischen Bahnsteig, Bushaltestelle, Taxiständen und Parkplätzen,
  • „Kiss & Ride“-Spuren zum Aus- und Einsteigen direkt vor den Eingängen,
  • barrierefreie Wege,
  • Radstationen mit 73 Stellplätzen und abschließbaren Boxen, E-Bike-Fahrer können den Akku aufladen,
  • Aufenthaltsräume für die Bentheimer Eisenbahn (46 Quadratmeter) sowie
  • Lager- und Technikräume (46 Quadratmeter)

art mit historischem Charakter

© Westdörp, Werner

Stündlich in Minute 18 fährt der „Regiopa Express“ am Neuenhauser Bahnhof ab. Foto: Westdörp

Vom Bahnhof als neuem Mittelpunkt wird Neuenhaus nach Überzeugung von Bürgermeister Günter Oldekamp in mehrfacher Hinsicht profitieren. Erster Kreisrat Uwe Fietzek sprach bei der Eröffnung Ende November 2018 vom „Nahverkehrstor zur Niedergrafschaft“, wird doch beim Bahnhof der Schienenverkehr mit Buslinien und Sammeltaxen verknüpft. Bei den Bussen sind das die Linie 10 (früher Linie 100), die jetzt von Emlichheim über Wilsum und Itterbeck nach Uelsen fährt, und die Linie 20. Diese führt von Hoogstede über Esche und Veldhausen nach Neuenhaus.

Seinen ersten Stopp macht der „Regiopa“-Zug auf seinem Weg Richtung Nordhorn am Haltepunkt „Neuenhaus Süd“. Er ist wie die beiden anderen Haltepunkte in der Nordhorner Blanke und in Quendorf barrierefrei und mit Wartehäuschen samt Sitzgelegenheiten, Fahrkartenautomaten und digitaler Fahrgastinfo ausgestattet. Die vorhandenen Park- und Fahrradstellplätze können kostenlos genutzt werden.

Für den Standort Thesingfeld spricht die gute Verkehrslage direkt an der Ortsumgehung, der B 403. Außerdem befinden sich das Gewerbegebiet „B 403/Grenzstraße“ und die Wohnsiedlung „Brömmelskamp“, deren Erweiterung bevorsteht, ganz in der Nähe.

Dass der sanierte Bahnhof in der Dinkelstadt offiziell als erster von drei Bahnhöfen an der 28 Kilometer langen Zugstrecke eröffnet worden ist, wird von den Projektbeteiligten als „Zeichen in Richtung Niederlande“ gesehen. Ziel ist es bekanntlich, den Schienenpersonennahverkehr gen Norden bis nach Emlichheim, Coevorden und Emmen weiterzuführen. Daran wird schon intensiv gearbeitet.

Bahnhof Bad Bentheim: Der Knotenpunkt ans Schienennetz

Als „Mobilitätsdrehscheibe“ bezeichnete BE-Vorstand Joachim Berends den renovierten Bahnhof in Bad Bentheim bei dessen Eröffnung nach der umfangreichen Sanierung. Die Investitionssumme von 4,4 Millionen Euro für die Baumaßnahme sieht er als gut angelegt. Tatsächlich kommt dem Bahnhof in Bad Bentheim eine besondere Aufgabe im Rahmen der Wiedereinführung des SPNV in der Grafschaft zu. Reisende haben mit der Revitalisierung des schienengebundenen Personennahverkehrs in Bad Bentheim die Möglichkeit, von der Regionalbahn in das IC/ES-Netz der Bahn mit den internationalen Verbindungen umzusteigen.

Die frisch renovierte Fassade des Bentheimer Bahnhofs aus Sandstein und Klinkern zeugt von den umfangreichen Arbeiten, die notwendig waren, um den Haltepunkt zu modernisieren und aufzuhübschen. Dreisprachig, auf deutsch, englisch und niederländisch, werden die Reisenden auf Schildern im Bahnhof begrüßt. Durch die sich elektronisch öffnenden Schiebetüren geht es ebenerdig in das freundliche und helle Gebäude. Von dort haben die Reisenden Zugang zum Gleis 1, dem Reisebüro Berndt auf der linken Seite und dem Sista Bahnhofs Café zur rechten Seite. Das Sozialamt Bad Bentheims wurde ebenfalls in dem Gebäude untergebracht.

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© Westdörp, Werner

Erstrahlt in neuem Glanz: der Bahnhof in Bad Bentheim. Foto: Westdörp

Die Finanzierung der knapp 4,4 Millionen teilt sich nach Angaben des BE-Vorstandes auf in 1,2 Millionen Euro Land Niedersachsen, 240.000 Euro Landkreis Grafschaft Bentheim, 300.000 Euro Stadt Bad Bentheim sowie 750.000 Euro Stadtsanierung. Mit weiteren 60.000 Euro beteiligt sich die für den „Höger-Bau“ zuständige private Immobiliengesellschaft an dem Bau der Fußgängerbrücke. Die BE leistet einen Eigenanteil von 1,85 Millionen Euro.

Das Bahnhofsgebäude in Bad Bentheim kommt nach dem Umbau in einem modernen Erscheinungsbild daher, ist barrierefrei und bietet den Reisenden direkte Wege zu den 126 Park & Ride-Parkplätzen sowie 235 Fahrradstellplätzen. Abfahrt des „Regiopa-Express“ von Bad Bentheim in Richtung Neuenhaus ist jeweils um neun Minuten nach der vollen Stunde.

Ein besonderes Schmankerl wartet am Bahnhof auf alle Reisenden. Im Mai wurde vor dem Eingang beim Abriss der alten Treppe ein historischer Sandstein gefunden. Dabei handelt es sich um eine Treppenstufe, die beim Bau des Gebäudes um 1865 eingesetzt wurde. Der etwa fünf Meter lange Sandstein liegt nun weiter im Eingangsbereich unter Plexiglas und erinnert an den ursprünglichen Bahnhof.

Mit dem Haltepunkt Quendorf gibt es in der Obergrafschaft noch eine zweite Möglichkeit, in den „Regiopa-Express“ einzusteigen. Dort gibt es eine Besonderheit, denn der Zug hält dort nur an, wenn Reisende im Zug oder auf dem Bahnsteig eine Signaltaste drücken und so dem Zugführer signalisieren, dass sie ein- oder aussteigen wollen. Die Gestaltung des Bahnhofsumfeldes muss noch erfolgen.

Mit den Planungen hatte die Bentheimer Eisenbahn das Nordhorner Ingenieur- und Architektenbüro Lindschulte Ingenieurgesellschaft mbH beauftragt. Das Büro Lindschulte hatte sich nach einer europaweiten Ausschreibung gegen namhafte Unternehmen durchgesetzt. Mitarbeiter Nils Brinkmann hat als Projektleiter für einen reibungslosen und termingerechten Ablauf gesorgt.

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Allzeit gute Fahrt durch die Grafschaft

Nach mehr als 40 Jahren können seit dem 7. Juli 2019 Bürgerinnen und Bürger wieder mit der Eisenbahn durch den Landkreis Grafschaft Bentheim reisen. Ich freue mich sehr über dieses historische Ereignis. Diese Reaktivierung steht sinnbildlich für die wieder steigende Bedeutung des Bahnverkehrs in ganz Deutschland. Sie zeigt, dass die Vorzüge des Reisens mit der Bahn mittlerweile wieder in der Gesellschaft wahrgenommen werden. Jedes Jahr reisen mehr Menschen mit dem Zug und ich bin zuversichtlich, dass dieser Trend auch weiter anhält. Kein anderes Verkehrsmittel ist so umweltfreundlich und bietet Reisenden einen so hohen Komfort, etwa um die Fahrt bequem zum Lesen und Entspannen oder zum Arbeiten und für Gespräche zu nutzen. Auch aus eigener Erfahrung weiß ich die Reisezeit auf den Schienen zu schätzen. Wer hätte gedacht, dass nur vier Jahre nach der Entscheidung, die 28 Kilometer lange Strecke wieder in Betrieb zu nehmen, schon wieder Züge zwischen Bad Bentheim, Nordhorn und Neuenhaus fahren? Mich beeindruckt der enorme Einsatz, mit dem die Bentheimer Eisenbahn als Eigentümerin die Infrastruktur in so kurzer Zeit wieder hergestellt hat. Für dieses große Engagement möchte ich mich bei allen, die daran mitgewirkt haben, herzlich bedanken, und wünsche Ihnen, dass die Neubelebung der Strecke ein Erfolg wird.

Ziel der Niedersächsischen Landesregierung ist es, den Schienenpersonennahverkehr weiter auszubauen, sei es durch Qualitätsverbesserung, Erweiterung des Angebots und – wo sinnvoll – auch durch Reaktivierungen. Welchen positiven Effekt die Erneuerung einer stillgelegten Strecke hat, zeigt allein schon der Blick auf die Fahrzeiten: Statt bislang in 48 Minuten von Bad Bentheim nach Neuenhaus mit dem Bus zu fahren, dauert dies bald nur noch 31 Minuten. Damit ist die Bahn eindeutig konkurrenzfähig zum Auto. Da es sich um eine Nebenstrecke handelt, bin ich zuversichtlich, dass der Zugverkehr auch in Sachen Zuverlässigkeit mehr als ebenbürtig zu dem auf der Straße ist.

Erfreulicherweise hat auch die Bundesregierung mittlerweile erkannt, dass Reaktivierungen von Schienenstrecken einen großen Anteil zur Stärkung der Schiene beitragen können. Daher hoffe ich, dass das Bundesverkehrsministerium demnächst ein Reaktivierungsprogramm auflegen wird, mit dem sowohl die Investitions- als auch die Betriebskosten für weitere Projekte abgedeckt werden können.

Wettbewerb belebt das Geschäft und daher freue ich mich, dass es mit der Bentheimer Eisenbahn ein weiteres Unternehmen gibt, das sich im Schienenpersonennahverkehr engagiert. Das Land Niedersachsen hatte die Chancen, die im Wettbewerb zwischen den einzelnen Eisenbahnverkehrsunternehmen liegen, schon früh erkannt. Der landeseigene Fahrzeugpool ermöglicht Unternehmen einen leichteren Zugang an Vergabeverfahren teilzunehmen. Dies hat sich in vielerlei Hinsicht gelohnt – sowohl das Fahrtangebot als auch die Qualität haben davon profitieren können.

Ich wünsche Ihnen allzeit gute Fahrt durch die Grafschaft Bentheim und hoffe, dass die neue Verbindung intensiv von Ihnen genutzt wird. Dann könnte diese erfolgreiche Erneuerungsmaßnahme zu einer Blaupause für künftige Streckenreaktivierungen werden.

Ihr Dr. Bernd Althusmann, Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung

Grafschaft wird nachhaltig gestärkt

Endlich ist es soweit: Nach 45 Jahren ist die lang ersehnte Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs Wirklichkeit. Von Bad Bentheim bis Neuenhaus können die Bürgerinnen und Bürger und die Besucher nahezu die gesamte Grafschaft per Bahn durchqueren - und das in 28 Minuten. Ein guter Moment!

Jahrelang hat sich der Landkreis Grafschaft Bentheim für die Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs eingesetzt. Viele Studien sind in dieser Zeit erstellt worden, die allesamt die Wirtschaftlichkeit der 1974 endgültig eingestellten Strecke bestätigt haben. Nachdem die Reaktivierung von Bahnstrecken vom Land Niedersachsen initiiert wurde, konnte auch die Grafschaft mit dem zuvor schon vielversprechend untersuchten Konzept eines Pendelverkehrs zwischen Neuenhaus und Bad Bentheim an den Start gehen.

Die daraufhin eingeleiteten Arbeiten, die nun zum Abschluss kommen, wurden in einer Rekordzeit von nicht einmal drei Jahren durchgeführt. Dies war nur möglich, weil die vielen Akteure vor Ort bereits erhebliche Vorarbeiten geleistet hatten. So war zum Beispiel hinsichtlich der erforderlichen technischen Sicherung bereits eine Vielzahl von Bahnübergängen umgebaut. Zusätzlich zu den Arbeiten an der Strecke selbst wurden und werden an allen Bahnhöfen und Haltepunkten sichtbare Veränderungen des Umfeldes vollzogen.

Der Landkreis Grafschaft Bentheim ist ein dynamischer Wirtschaftsstandort. Mit dem Anschluss der Städte Nordhorn und Neuenhaus an den Schienenpersonennahverkehr wird diese Position der Grafschaft nachhaltig gestärkt und zu einer Festigung der mittelzentralen Funktion Nordhorns und ihrer oberzentralen Teilfunktionen führen. Der SPNV bietet zudem die Chance auf Erschließung eines größeren Arbeitskräftepotenzials und den Anschluss an externe Wissensnetze.

Die logistische Bedeutung der Ost-West-Achse wird weiter wachsen und ist bezüglich des grenzüberschreitenden Verkehrs bereits durch die Verlängerung der Regionalbahn aus Bielefeld über Bad Bentheim hinaus nach Hengelo aufgewertet. Aber auch in Richtung Norden sind wir gemeinsam mit unseren Partnern in der Euregio um weitere Verbesserungen bestrebt. Erste Untersuchungen haben der Verlängerung des SPNV auf der Verbindung Emmen-Rheine bereits ein erhebliches Fahrgastpotenzial bescheinigt. Wir werden gemeinsam mit allen Akteuren an diesem Projekt weiterarbeiten.

Wie auch immer die Zukunft aussehen mag: Die Anbindung an den Schienenpersonennahverkehr, die nun nicht länger eine „fixe Idee“ ist, stellt einen Meilenstein für den Landkreis Grafschaft Bentheim dar. Gelungen ist dieses Mammut-Projekt nicht zuletzt aus dem Grund, weil eine ganze Region dahinterstand.

Feiern wir dies als auch gemeinsam.

Friedrich Kethorn, Landrat