Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Anzeige
14.06.2019, 14:00 Uhr

Landwirt im Einsatz für junge Kitze

Sommerliche Temperaturen, klarer Himmel mit Sonnenschein und lange Abende: Das Wetter verlockt dazu, seine Freizeit draußen zu verbringen. Am Wochenende vielleicht mit Freunden grillen. Wenn die Menschen im Garten aktiv sind, tut sich in der Natur einiges.

Landwirt im Einsatz für junge Kitze

Ein Baustein der Kitzrettung ist Vergrämung mittels Duft: Die Toilettenpapierblätter, die André Schoo verteilt, haben eine Woche lang in der Hundehütte Hundegeruch „getankt“ und werden über die Fläche verteilt.

Wildtiere bringen ihren Nachwuchs zur Welt und in der Landwirtschaft wird der nächste Schnitt Gras eingefahren. Kündigt sich eine längere Schönwetterphase an, läutet das wieder die Grasernte ein. Vor der Mahd steht für Landwirte wie Andre Schoo aber der Gang durchs Feld, auf der Suche nach kleinen Rehkitzen, die von ihrer Mutter im hohen Gras abgelegt wurden. Schoo hat vor fünf Jahren die Jagdausbildung absolviert, ist selbst aktiver Jäger. Für den Schutz der Rehkitze setzt er sich aber schon länger ein.

Der Großteil aller Rehkitze wird in den Monaten Mai und Juni zur Welt gebracht. Ihre Mutter, die Ricke, lässt das Kitz im Schutz des hohen Grases liegen und macht sich in der Nähe auf Futtersuche. Das Kitz bleibt ruhig im Gras liegen und bewegt sich nicht allein fort. Dieser „Drückinstinkt“ in den ersten Lebenswochen sorgt dafür, dass das Kitz nicht von Fressfeinden gefunden werden kann. Leider sorgt der Instinkt auch dafür, dass es für das menschliche Auge unmöglich ist, ein Kitz bei der Ernte vom Trecker aus zu sichten. Genau da setzen Landwirte und Jäger an: Sie ergreifen verschiedene Maßnahmen, um das Kitz schon vorher aus der Fläche zu vertreiben, die gemäht werden soll. „Wir bringen Unruhe ins Feld. Dadurch animieren wir die Ricke dazu, ihr Kitz nachts aus dem Feld zu führen“, erklärt Andre Schoo das Ziel der Aktionen.

Er streift mit seiner jungen Hündin Emma, einer Münsterländerin, durch das hohe Gras. Die junge Hündin hat sichtlich Spaß daran und tobt sich aus. Immer wieder strafft sich die Leine, dann ist von dem Vierbeiner im oberschenkelhohen Gras nichts mehr zu sehen. Zusätzlich verteilt Schoo Blätter einer Toilettenpapierrolle über die gesamte Fläche. Die Rolle lag eine Woche lang in der Hundehütte und hat so den Geruch angenommen, wie er erklärt. Im ganzen Feld hängen jetzt also Hunde- und Menschengeruch an den Panzen. Rehe haben eine feine Nase und wittern den Geruch auch aus größeren Entfernungen. Aber auch Geräusche und Gegenstände im Feld sollen die Ricken animieren, ihr Kitz in Sicherheit zu bringen. Flatternde Bänder, Tüten oder aufgeblasene Luftballons, an Stangen befestigt, verteilt Schoo dazu auf der Fläche. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Bereiche, die die Rehe gerne aufsuchen. In der Nähe von Bäumen, Waldstücken oder Heckenstreifen beispielsweise.

Aus Erfahrung weiß der Jäger, dass sich die Rehe auch gern am Feldrand aufhalten. „In den ersten zehn bis 20 Metern im Randbereich liegen die meisten Kitze“. Auch an diesem Abend sieht er in diesem Bereich eine Ricke stehen. Beim Mähen selbst verwenden viele Landwirte einen „Wildpieper“. Dieses Gerät stößt einen schrillen, lauten Ton aus, der das Wild aufschreckt und es aus der Fläche vertreibt. Es wirkt besonders gut bei Hasen und Kaninchen, aber auch Fasanen und Rehe ergreifen deswegen die Flucht.

Doch zurück zu den vorbeugenden Maßnahmen: Der Gang durchs hohe Gras ist anstrengend. Je nach Flächengröße und örtlichen Begebenheiten braucht es 20 bis 40 Minuten, die Fläche zu durchstreifen und die Schutzmaßnahmen zu treffen. Aufwand, den der junge Jäger und Landwirt gern betreibt, um die jungen Kitze vor dem Mähtod zu retten. Ein Kitz hat er in den vergangenen Wochen bereits gefunden. Ansonsten ist nach Schoos Worten nur schwer zu sagen, wie gut die verschiedenen Maßnahmen wirken. Im Idealfall registriert die Ricke die Geräusche, Gerüche und die fremden Gegenstände im Feld und führt ihr Kitz in der Nacht in ein anderes Feld. „Es sind Ergebnisse, die man nicht messen kann.

Aber jede Ernte ohne verletztes Wild ist ein Zeichen, dass sich die Mühe lohnt“, wirbt Schoo für den gemeinsamen Einsatz von Landwirten und Jägern. Auch jeder Bürger kann etwas für den Schutz der Wildtiere tun. Aus Rücksicht auf brütende Vögel und gerade geborene Rehkitze sollten Hundehalter die Leinenpflicht beachten. Findet man ein junges Wildtier, sollte man es nicht anfassen. Der fremde Geruch würde dazu führen, dass die Mutter ihr Junges verstößt.

Lesermeinung