17.02.2019, 15:25 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Stadt Osnabrück nimmt dieses Jahr wieder Liebesschlösser ab

Verliebte Seelen in Osnabrück können offenbar nicht anders: Sie hängen Schlösser an die Brücken, um ihre Liebe abzusichern. Die Stadt Osnabrück wird die Liebesbeweise aber auch in diesem Jahr entfernen.

Da ist schon wieder eins: An der Brücke Öwer de Hase hängt ein frisches Liebesschloss. Foto: David Ebener

Da ist schon wieder eins: An der Brücke Öwer de Hase hängt ein frisches Liebesschloss. Foto: David Ebener

Von Felix Westhoff

Osnabrück Mehr als 2000 Schlösser waren es im vergangenen Jahr, die die Stadt entfernte. Zu groß sind die Sicherheitsbedenken: Durch Kontaktkorrosion schaden die verrosteten Schlösser den verzinkten Brückengeländern. Außerdem ist ein einzelnes Schloss zwar relativ leicht, doch hängen an einer Brücke Hunderte, erreichen sie ein beträchtliches – und deshalb bedenkliches – Gesamtgewicht. Also kommt der Bolzenschneider zum Einsatz.

Doch der (eigentlich noch gar nicht so alte) Brauch hat sich offenbar allen Appellen zum Trotz festgesetzt: Neue Liebesschlösser kommen hinzu. An der Brücke Öwer de Hase in der Osnabrücker Innenstadt hängt zum Beispiel bereits wieder rund ein Dutzend.

Die Schlösser werden in Eimern gelagert, sortiert nach Brücken. Foto: Archiv/Michael Gründel

Die Schlösser werden in Eimern gelagert, sortiert nach Brücken. Foto: Archiv/Michael Gründel

Zur Abholung bereit

Die im Vorjahr entfernten Exemplare lagern beim städtischen Mitarbeiter Udo Rietmann. Sie ruhen in Eimern in den Hallen der technischen Betriebe. Im vergangenen Jahr wurden sie auf Malertischen ausgebreitet – zur Abholung durch ihre ursprünglichen Besitzer. Mittlerweile seien etwa 150 Leute zu ihm gekommen, um ihre Exemplare herauszusuchen und abzuholen, berichtet Rietmann.

Für den städtischen „Schlossverwalter“ bedeutet das nicht nur Mehrarbeit und Stress. Schöne Geschichten sind inklusive. So kam kurz vor Weihnachten ein junger Mann vorbei. Seine Freundin hatte er noch, jedoch nicht die Erinnerung, wie das Schloss aussah. „Nervös rief er sie dann an“, erinnert sich Rietmann, der sich mit einem leichten Grinsen an die für ihn deutlich hörbare Reaktion erinnert: „Wie kannst du unser Schloss nicht erkennen?!“ Rietmanns Fazit: „Das war kein guter Anruf…“ Letztlich habe der junge Mann sein Schloss aber gefunden.

So beständig die Liebessymbole auch sind, so beständig scheint auch die Liebe vieler Abholer zu sein: Viele von ihnen seien 50 Jahre und älter, berichtete Rietmann. Ein Paar habe ihm erzählt, schon mehr als 47 Jahre zusammen zu sein. „Wie ein verliebtes Paar gingen sie vom Hof, nachdem sie ihr Schloss gefunden hatten“, schwärmt er. Alte Liebe rostet anscheinend nicht – anders als die zahlreiche demontierten Liebesschlösser.

Die werden auch in diesem Jahr entfernt, wie Henrik Storck vom Fachbereich Städtebau versichert. Er verweist auf einen Ratsbeschluss des vergangenen Jahres. Demnach „sollen und werden an den betroffenen Brücken keine Schlösser hängen“, betont er mit Nachdruck. Dies sei aber ein „laufender Prozess, da wir nicht für ein bis zwei Schlösser ausrücken“. Neu hinzukommende Liebesbeweise würden im Laufe des Jahres in einer gesammelten Aktion entfernt.

Verlustängste müssen betroffene Pärchen aber weiterhin nicht haben. Erneut werden die Schlösser bei Rietmann gelagert. Dort werden sie so lange auf ihre Besitzer warten, bis die Stadt eine weitere Entscheidung bezüglich der Lagerung – oder Entsorgung – trifft. Bis dahin kann sich „Schlossverwalter“ Rietmann auf neue spannende und kuriose Geschichten freuen.

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