21.04.2020, 13:42 Uhr / Lesedauer: ca. 4min

Osnabrücker Polizei geht mit Wasserstoff auf Streife

Elektro-, Hybrid- und jetzt Wasserstoffantrieb – die Polizeidirektion Osnabrück geht bei der Antriebstechnologie in ihrem Fuhrpark gerne neue Wege. Der Anspruch: Ökologisch und praktisch zugleich soll es sein, damit die Streifenwagen beim Einsatz punkten.

Ein Streifenwagenteam präsentiert den lautlosen Streifenwagen.Foto: Polizei

Ein Streifenwagenteam präsentiert den lautlosen Streifenwagen.Foto: Polizei

Osnabrück Die Polizeidirektion Osnabrück geht bei ihrem vor gut drei Jahren eingeschlagenen Weg, die eigene Mobilität umweltfreundlicher und nachhaltiger zu gestalten, nach Hybrid- und Elektroantrieb, nun einen weiteren, innovativen Weg: Als eine der ersten Polizeibehörden in Deutschland ist neben Berlin nun auch in Osnabrück ein Wasserstoff-Streifenwagen mit 100 Prozent Brennstoffzellentechnik im Einsatz. Das lokal CO2-freie Fahrzeug mit seiner alternativen Antriebstechnologie wird für ein Jahr im Einsatz- und Streifendienst auf seine Alltagstauglichkeit hin getestet. Eine ursprünglich vorgesehene offizielle Vorstellung des Fahrzeuges gemeinsam mit Innenminister Boris Pistorius und Polizeipräsident Michael Maßmann wurde wegen der Corona-Problematik abgesagt. Das Projekt der Polizeidirektion Osnabrück wird im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie mit insgesamt 20.460 Euro durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert. Die Förderrichtlinie wird von der NOW GmbH koordiniert und durch den Projektträger Jülich (PtJ) umgesetzt.

Emissionsfrei mit großer Reichweite

Die Vorteile des lautlosen Streifenwagens mit neuer Antriebstechnik beschreiben die Verantwortlichen so: „Es werden keinerlei CO2-Emissionen ausgestoßen. Außerdem ist die Reichweite enorm, das Auftanken in minutenschnelle erledigt und noch dazu wiegt der Treibstoff kaum etwas. Die Emissionsfreiheit des Autos kommt gerade Städten zugute, die besonders von hohen Schadstoffbelastungen betroffen sind. Eine entsprechende Wasserstoff-Tankstelle befindet sich in Hasbergen-Gaste, direkt am Stadtrand zu Osnabrück. Durch die unmittelbare Nähe der Tankstelle zum Einsatzort in Kombination mit der schnellen Betankung kann eine hohe Einsatzverfügbarkeit des neuen Polizei-Fahrzeuges gewährleistet werden. Auch Beamte, die den Streifenwagen bereits getestet hatten, sind angetan vom neuen Einsatzfahrzeug der Direktion.

Vorbildcharakter für andere Dienststellen

Polizeipräsident Michael Maßmann: „Ich freue mich, dass wir es geschafft haben, die Brennstoffzellentechnik bei uns in der Direktion in Osnabrück erproben zu können. Bei den elektrobetriebenen Einsatzfahrzeugen haben wir bereits sehr positive Erfahrungen gemacht. Auch der Einsatz unserer bundesweit ersten beiden Polizei-Elektromotorräder im Einsatz- und Streifendienst hat zu Anfragen von Polizeibehörden aus ganz Deutschland und darüber hinaus geführt. Jetzt gehen wir mit dem Einsatz eines Wasserstofffahrzeuges in der Polizeidirektion noch mal einen völlig neuartigen und innovativen Weg. Ich gehe fest davon aus, dass sich die Mobilität in der Polizei in den nächsten Jahren grundlegend verändern wird – daran führt auch kein Weg vorbei. Unser Fuhrpark wird zunehmend grüner und vereint Innovation, Ökologie und Praktikabilität. Wir lassen nicht locker und werden unseren nachhaltigen Weg konsequent weitergehen.“ Auch der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, lobt das neue Einsatzfahrzeug und stellt Niedersachsens Vorreiterrolle im Hinblick auf alternative Antriebe heraus: „Es ist wichtig, dieser Rolle gerade im Hinblick auf die nachhaltige Verringerung des Schadstoffausstoßes nachzukommen. Neben Elektro- und Hybridfahrzeugen, die schon seit Jahren zunehmend intensiv von der Polizei genutzt werden, steht nun auch die praktische Erprobung von wasserstoffgetriebenen Fahrzeugen im Fokus.“

Erweiterter Fuhrpark mit alternativen Antrieben

Nach dem Testverfahren WLTP („Worldwide Harmonised Light-Duty Vehicles Test Procedure“) kommt der lautlose Streifenwagen mit einer Tankfüllung etwa 666 Kilometer weit. Die Tankzeit liegt bei drei bis fünf Minuten. Das Fahrzeug beschleunigt von null auf 100 Stundenkilometer in 9,5 Sekunden und besitzt 163 PS. Im ersten Quartal wurde der Hyundai vom normalen Auto zum Funkstreifenwagen umgerüstet. Dazu gehörte neben der Montage von Blaulicht, Martinshorn und Funktechnik auch die optische Umgestaltung (Folierung) hin zu einem erkennbaren und typischen Einsatzfahrzeug der Polizei.

Der Fuhrpark der Polizeidirektion Osnabrück verfügt im Bereich der Elektromobilität, vom Teutoburger Wald bis zu den Ostfriesischen Inseln, bereits über 20 Elektro-Autos, zwölf Pedelecs und drei E-Motorräder. Weiteres Highlight: Seit dem 19. Dezember 2019 ist die Polizei auf der Insel Juist mit einem Elektro-Quad unterwegs. Die Idee für das E-Quad entstand ebenfalls in der Polizeidirektion Osnabrück – dort wurde es konzipiert und umgerüstet. Ein leises Fahrzeug wie das Quad auf einer Insel stört weder Tiere noch Urlauber. Dies bestätigen auch die Erfahrungen mit dem elektrischen Polizeimotorrad auf der Insel Borkum, welches dort seit 2017 erfolgreich eingesetzt wird. Weitere 15 Elektrofahrzeuge befinden sich aktuell in der Anschaffung. Mit der Beschaffung eines Brennstoffzellenfahrzeugs für den Einsatzbereich kommt ein weiterer zentraler Baustein hinzu, die polizeiliche Flotte in der Direktion klimafreundlicher zu gestalten und den CO2-Ausstoß nachhaltig zu verringern.

Ein Tankvorgang dauert maximal fünf Minuten, eine Füllung reicht für etwa 666 Kilometer.Foto: Polizei

Ein Tankvorgang dauert maximal fünf Minuten, eine Füllung reicht für etwa 666 Kilometer.Foto: Polizei

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