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29.04.2020, 15:42 Uhr / Lesedauer: ca. 2min

IHK: Abbruch der Ausbildung vermeiden

Die Vorstellungen von Auszubildenden und Ausbildern liegen zuweilen weit auseinander. Damit diese Diskrepanz nicht zum Abbruch der Ausbildung führt, hat die Handwerkskammer Osnabrück mit Partnern das Projekt „Ausbildungsbotschafter“ initiiert.

Wer sich im Vorfeld schon genauer über seinen Wunschberuf informiert, kann einschätzen, was ihn bei der Ausbildung erwartet.Symbolfoto: dpa

Wer sich im Vorfeld schon genauer über seinen Wunschberuf informiert, kann einschätzen, was ihn bei der Ausbildung erwartet.Symbolfoto: dpa

Osnabrück „Wie erwartet schätzen Ausbildungsbetriebe und Auszubildende die Gründe für einen Ausbildungsabbruch unterschiedlich ein. Ansatzpunkte für eine Verbesserung der Situation liegen zum Beispiel in der Weiterentwicklung der Berufsorientierung und in der Stärkung der Ausbildungsbegleitung.“ So kommentierten Professor Dr. Dietmar Frommberger, Inhaber der Stiftungsprofessur „Berufs- und Wirtschaftspädagogik mit dem Schwerpunkt Strukturfragen beruflicher Bildung“ an der Universität Osnabrück und IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf die Zwischenergebnisse einer gemeinsamen Analyse zu Ausbildungsabbrüchen. Im Rahmen eines Forschungsprojektes mit Studenten zum Lehramt an berufsbildenden Schulen der Universität Osnabrück wurden 300 betroffene Jugendliche und deren Ausbildungsbetriebe im IHK-Bezirk zu den Gründen und Motiven von vorzeitigen Vertragslösungen befragt.

Die Analyseergebnisse zeigen, dass vorzeitige Vertragslösungen überwiegend im ersten Ausbildungsjahr erfolgten. Während die Jugendlichen überwiegend die Ausbildungsqualität und die Arbeitsbedingungen bemängelten, kritisierten die Ausbildungsbetriebe die Zuverlässigkeit, Reife und Motivation der Auszubildenden. Uneinig waren sich die beiden Gruppen auch über die Möglichkeiten zur Vermeidung der Vertragslösung: Aus Sicht der Unternehmen sollten Auszubildende ein realistisches Bild ihres Ausbildungsberufs mitbringen und ihre allgemeine Motivation verbessern. Die betroffenen Jugendlichen gaben hingegen an, dass die Betriebe an ihrer Ausbildungsqualität arbeiten sollten, um Vertragslösungen vorzubeugen.

Berufliche Orientierung ist wichtig

Trotz der Kritik von beiden Seiten unterstrich Frommberger die Überlegenheit des dualen Systems gegenüber anderen Formen der Ausbildung und räumte zugleich mit einem Missverständnis auf: „Eine vorzeitige Vertragslösung ist nicht gleichzusetzen mit einem Ausbildungsabbruch, denn die Mehrheit der befragten Jugendlichen verbleibt im dualen Ausbildungssystem. Die Jugendlichen wechselten den Betrieb oder den Beruf. Knapp jeder vierte Jugendliche finde eine qualifizierte oder qualifizierende Anschlusslösung außerhalb des dualen Systems.“ Und Graf bekräftigt: „Eine umfassende Berufsorientierung ist ein zentraler Schlüsselfaktor für einen erfolgreichen Ausbildungsabschluss. Jugendliche benötigen Einblicke in die Praxis, damit sie einen Eindruck von den vielfältigen Berufs- und Karrieremöglichkeiten gewinnen.“ Neben verschiedenen Praktika, die Jugendliche während der Schulzeit absolvieren, gelinge eine Ansprache der Zielgruppe besonders gut auf Augenhöhe. Die IHK hat daher gemeinsam mit der Handwerkskammer das Projekt „Ausbildungsbotschafter“ ins Leben gerufen, mit dem Auszubildende Jugendliche in den Schulen über ihren Ausbildungsberuf informieren und authentisch für eine Karriere mit Lehre werben. Zur Steigerung der Ausbildungsqualität in den Betrieben geben zudem Ausbildungsberater der IHK Hilfestellung.

Eine Zusammenfassung der Analyseergebnisse kann auf www.osnabrueck.ihk24.de abgerufen werden. Weitere Informationen gibt Kirsten Schwake unter Telefon 0541 353-425 oder per E-Mail an schwake@osnabrueck.ihk.de.

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