Grafschafter Nachrichten
05.02.2020

Arbeiter finden fossile Knochen in Osnabrücker Baggersee

Arbeiter finden fossile Knochen in Osnabrücker Baggersee

Diese künstlerische Darstellung zeigt ein tibetanisches Wollnashorn. Die Urahnen der Wollnashörner, die zur Zeit der Eiszeiten auch Europa durchstreiften, stammen wahrscheinlich von der tibetischen Hochebene am Fuß des Himalaya.Illustration: Julie Naylor/Natural History Museum of Los Angeles/dpa

Auf fossile Reste des Wollnashorns und eines Mammuts sind Mitarbeiter der HKS Hunteburger Kies- und Sandwerke bei Abbauarbeiten in einem Baggersee nahe Bohmte gestoßen. Für Geologen ist dies ein absoluter Glücksfall.

Osnabrück Im einzelnen fanden die Arbeiter in etwa 25 Metern Wassertiefe die Knochen eines Wollnashorns sowie einen Backenzahn eines jungen Mammuts. Die Funde wurden durch die Geologen des Geoparks Terra.vita und des Osnabrücker Museums am Schölerberg gesichtet und auf ein Alter von rund 150.000 Jahren datiert.

Anschließend wurden die fossilen Zeugnisse dem Naturkundemuseum übergeben, wo sie in die Paläontologische Sammlungen eingegliedert und für konservatorische und wissenschaftliche Arbeiten verwahrt werden. Wie das Museum mitteilte, sollen die Funde künftig in der neugestalteten Dauerausstellung des Museums am Schölerberg zu sehen sein.

Neben dem Wollhaarmammut gehörte das Wollnashorn zu den Charaktertieren der eiszeitlichen Steppen während des Pleistozäns. Das bis zu vier Meter lange Tier bewohnte vorrangig das nördliche Eurasien. Vor etwa 400.000 Jahren weitete es seinen Lebensraum Richtung Südwesten bis nach Mitteleuropa aus. So erreichte es Mitteldeutschland und ist unter anderem im Harz nachgewiesen.

Funde im Osnabrücker Land sind nach Aussage des Museums selten. Die bei Bohmte sichergestellten Fossilien stellen damit eine der wenigen Nachweise dar. Bislang beherbergt das Museum am Schölerberg in seiner wissenschaftlichen Sammlung nur einen Zahn eines Wollnashorns.

Das Wollhaarmammut hingegen ist in ganz Deutschland nachgewiesen. Die ausgestorbene Art der Familie der Elefanten stammt aus Sibirien und ist ab der Saale-Kaltzeit, vor 300.000 Jahren, in Mitteluropa zu finden. Im Kieswerk Schwegermoor werden Kiese und Sande mit einem Saugbagger aus dem See gewonnen. Die zufällige Bergung der Fossilien war dementsprechend ein wahrer Glückstreffer. Hobbygeologen raten die Experten allerdings dringend ab, sich anhand der gemachten Funde nun auf eigene Faust auf die Suche nach weiteren fossilen Funden zu begeben. So befindet sich der Abbau-See zum einen auf privatem Grund, wodurch das Betreten und Sammeln strengstens verboten ist. Zum anderen weisen die Geologen darauf hin, dass das Forschen nach weiteren fossilen Knochen mitunter lebensgefährlich sein kann – insbesondere, da sich die Fundschicht in einer Wassertiefe von rund 25 Metern befindet. Die höher liegenden Schichten sind nach Einschätzung der Experten fossilfrei.

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