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16.10.2019, 16:41 Uhr

1400 Kinder wollen mit Steckenpferden an Frieden erinnern

Am 25. Oktober 1648 wurde von der Treppe des Osnabrücker Rathauses der Westfälische Frieden verkündet. In Erinnerung daran wird alljährlich in Osnabrück der Friedenstag gefeiert. In diesem Jahr wollen rund 1400 Schüler durch die Stadt ziehen.

1400 Kinder wollen mit Steckenpferden an Frieden erinnern

Fröhlicher Brauch mit Symbolkraft: Das Steckenpferdreiten wird seit 1953 veranstaltet und findet jedes Jahr zum Gedenken an den Westfälischen Frieden statt.Archivfoto: Gentsch/dpa

Osnabrück Aus diesem Anlass ziehen auch in diesem Jahr am Freitag, 25. Oktober, die Viertklässler der Grund- und Förderschulen Osnabrücks mit selbst gebastelten Steckenpferden und geschmückt mit farbigen Hüten durch die Innenstadt. Bereits zum 68. Mal findet das Steckenpferdreiten in der Friedensstadt Osnabrück statt.

Aufgrund der Bauarbeiten in der Innenstadt treffen sich 1400 Schülerinnen und Schüler aus den vierten Klassen der Osnabrücker Schulen in diesem Jahr um 17 Uhr auf dem Schulhof der Domschule Osnabrück, wo sie von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert begrüßt werden. Der Umzug wird gegen 18 Uhr auf dem Markt eintreffen. Alle Kinder „reiten“ über die Rathaustreppe, um aus der Hand des Oberbürgermeisters die traditionellen, süßen Brezeln zu erhalten. Mit einer Feuerjonglage und anschließendem Feuerwerk endet die Veranstaltung gegen 19 Uhr.

Das Steckenpferdreiten ist ein Friedensfest für Kinder, das ihnen den Gedanken der Toleranz und des friedlichen Zusammenlebens auf spielerische Weise vermitteln soll. Als Gäste werden wieder Schülerinnen und Schüler der sechsten Klasse der Ismail-Kaymak-Schule aus der türkischen Partnerstadt Çanakkale teilnehmen, die bei einem Schüleraustausch mit der Hauptschule Innenstadt zu Gast in Osnabrück sind und sich intensiv auf das Steckenpferdreiten vorbereitet haben.

Die Tradition des Steckenpferdreitens geht auf das Jahr 1650 zurück. In dem Jahr des Friedensexekutionshauptrezesses sollten in Nürnberg die praktischen Folgen aus dem zwei Jahre zuvor geschlossenen Westfälischen Friedensvertrag geregelt werden.

Damals ritten Nürnberger Jungen mit Steckenpferden zu Fürst Piccolomini, dem Beauftragten des deutschen Kaisers Ferdinand III., um ein „Friedensgedächtnis“, ein Andenken an den Frieden, zu erbitten. Piccolomini ließ nach Abschluss des Exekutionsrezesses eine große Anzahl von silbernen, viereckigen Gedächtnispfennigen prägen, die auf der einen Seite einen Jungen als Steckenpferdreiter zeigen.

Die emsländischen Dichterinnen Clara und Emmy von Dincklage bearbeiteten 1875 in ihrem Buch „Geschichten für die Jugend“ das Nürnberger Ereignis. In ihrer Sage ist der Schauplatz der Handlung die Friedensstadt Osnabrück. Ihre Geschichte war letztlich die Quelle für das Osnabrücker Steckenpferdreiten, das 1948 der damalige Stadtarchivar Ludwig Bäte (1892-1977) anlässlich des 300. Jubiläums des Westfälischen Friedens im Rahmen der Friedensgedächtniswoche der Stadt Osnabrück ins Leben rief. Damals ritten rund 100 Jungen zu Ehren des Friedens durch die vom Krieg zerstörte Altstadt und umrundeten den Marktplatz zweimal. Seit 1953 wird das Osnabrücker Steckenpferdreiten jährlich und in erweiterter Form veranstaltet. Seitdem hat es sich zu einem überregional bekannten Kinderfest etabliert.

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