06.04.2022, 11:30 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Schüttorf und Bad Bentheim reagieren auf „Hilferuf“

Die Initiatoren aus Schüttorf und Bad Bentheim hoffen auf eine große Spendenbereitschaft (von links): Manfred Windhaus, Janine Lötgering, Daniela Noll, Cathelijne Lacina, Volker Pannen und Rüdiger Köhler. Foto: Schröer

Die Initiatoren aus Schüttorf und Bad Bentheim hoffen auf eine große Spendenbereitschaft (von links): Manfred Windhaus, Janine Lötgering, Daniela Noll, Cathelijne Lacina, Volker Pannen und Rüdiger Köhler. Foto: Schröer

Von Hinnerk Schröer

Schüttorf / Bad Bentheim In der Obergrafschaft wird in dieser Woche von der Samtgemeinde Schüttorf und der Stadt Bad Bentheim eine spontane Hilfsaktion für Flüchtlinge aus der Ukraine auf die Beine gestellt. Am Sonnabend, 9. April, wird bei der Firma Georg Utz GmbH am Nordring von 8 bis 12 Uhr eine Sammelstelle eingerichtet. Die Hilfsgüter werden dann direkt in die polnische Stadt Sulejowek transportiert. „Uns hat über den Niedersächsischen Städtebund ein Hilferuf der Stadt ereilt“, sagte Schüttorfs Samtgemeindebürgermeister Manfred Windhaus, der die Aktion zusammen mit seinem Bad Bentheimer Amtskollegen Dr. Volker Pannen und Utz-Geschäftsführer Rüdiger Köhler initiiert hat. Der Hintergrund: Die polnische Stadt, in der normalerweise rund 18.000 Menschen leben, hat seit Kriegsbeginn mehr als 3000 Geflüchtete aufgenommen. Der große Einwohner-Zuwachs hat dazu geführt, dass zahlreiche Lebensmittel und Produkte für den täglichen Bedarf in der Stadt aktuell nicht zu bekommen sind. „Die Stadt hat eine ähnliche Größe wie wir. Deshalb können wir uns gut in die Schwierigkeiten bei der Aufnahme hineinversetzen. Vor Ort gibt es vieles einfach nicht mehr zu kaufen. Deshalb ist schnelle Hilfe gefragt“, sagte Windhaus.

Trockenvorräte, Hygieneprodukte, Tierfutter werden gebraucht

In den Rathäusern in Schüttorf und Bad Bentheim, wo die Fäden der Hilfsaktion bei Daniela Noll, Janine Lötgering (Schüttorf) und Cathelijne Lacina (Bad Bentheim) zusammenlaufen, sind aus der polnische Kommune genaue Listen mit Gütern eingegangen, die aktuell am dringendsten gebraucht werden. Trockenvorräte wie Nudeln, Reis, Grütze, Zucker, Konserven, Müsli, Süßigkeiten, Tee, Kaffee, Kakao, Pflanzenöl und H-Milch, Hygieneprodukte und Waschmittel sowie Hunde- und Katzenfutter. Um den Lastwagen, der am Sonnabend direkt aus Polen nach Schüttorf kommt, schnell wieder beladen auf die Rückreise schicken zu können, sollten die Güter nach Möglichkeit auch schon getrennt nach den drei Kategorien (Trockenvorräte, Hygieneprodukte, Tierfutter) in Kartons angeliefert werden. Kleidung und Spielsachen werden nicht benötigt. „Wir haben in den letzten Wochen gesehen, wie groß die Hilfs- und Spendenbereitschaft ist und hoffen, dass auch diese Aktion von vielen Bürgern unterstützt wird. Jede einzelne Spende hilft“, betonten Windhaus und Pannen.

Lastwagen soll Samstag beladen und zurückgeschickt werden

Über ihre persönlichen Netzwerke und ihre Social-Media-Reichweite versuchen die beiden Städte nicht nur Privatpersonen mit ins Boot zu holen. „Wir stehen auch in Kontakt mit Vereinen, Kirchen und Supermärkten und nutzen alle unsere Kanäle“, sagte Noll, die in ständigem Austausch mit Vertretern von Sulejowek steht und die große Dankbarkeit für die Hilfe hervorhebt.

Die Utz-Gruppe hat in Polen der Nähe von Breslau selbst ein Werk und hat von dort aus auch schon Hilfe für die Ukraine geleistet. Die Verflechtungen mit dem Krieg sind sogar noch erheblich größer: „Wir haben dort auch ukrainische Mitarbeiter, die in ihre Heimat gegangen sind, um für ihr Land zu kämpfen“, sagte Köhler. Auch die Logistik für Hilfstransporte ist bei dem Schüttorfer Unternehmen eingespielt: Bei der Flutkatastrophe im Ahrtal im vergangenen Jahr hat es aktiv geholfen. Über die Schüttorfer Wirtschaftsvereinigung „WiSeV“ werden für die „Hand in Hand“-Aktion am Sonnabend auch weitere Firmen ins Boot geholt. „Unser Netzwerk hat schon bei der ersten großen Hilfsaktion bei der Firma Busmann sehr gut funktioniert“, sagte Köhler, der 1. Vorsitzender des Vereins ist. Auf die Hilfsbereitschaft der Obergrafschafter setzen die beiden Städte auch jetzt wieder: „Wir hoffen, dass wir den Lastwagen am Samstag voll wieder zurückschicken können“, betonten die Initiatoren.

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