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29.03.2019, 15:08 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Zwischen Trubel und Schabbatgottesdienst: Schüler in Israel

Nachdem im Dezember 2018 Schülerinnen und Schülern der Chugim-Highschool in Haifa/Israel zu Gast am Evangelischen Gymnasium Nordhorn (EGN) waren, starteten 15 Schülerinnen und Schüler am 18. März zum Gegenbesuch nach Haifa.

Schüler des EGN und der Chugim-Highschool mit Holocaust-Überlebenden..Foto: privat

Schüler des EGN und der Chugim-Highschool mit Holocaust-Überlebenden..Foto: privat

Nordhorn/Haifa Gleich am ersten Tag erwartete die Schüler in Haifa eine große Purim-Party an der Schule: Alle waren verkleidet, es gab viel Musik und Tanz, überall erinnerten „die Ohren Hamans“ (ein süßes Teiggebäck) daran, wie in der Zeit der Perserherrschaft die kluge Königin Esther den machthungrigen und böswilligen Haman überwunden und ihr Volk gerettet hat. Das bunte Treiben mit viel Musik und Tausenden von Jugendlichen setzte sich am Nachmittag in der Stadt fort.

Ganz anders waren die Eindrücke am nächsten Tag: „In Atlit, einem kleinen Ort nördlich von Haifa, spürten die Schüler zunächst hautnah in einer fantastisch aufbereiteten Ausstellung die bedrängte Situation der jüdischen Flüchtlinge nach, die nach dem Zweiten Weltkrieg per Schiff in das damals noch unter britischem Mandat stehende Land aufbrachen“, teilt die Schule mit. Wie schwer es die aus Europa nach Israel immigrierten Menschen hatten, zeigte die Begegnung mit Holocaust-Überlebenden in den folgenden Tagen. Hinter sich hatten sie die traumatisierenden Erfahrungen in Deutschland, kamen in ein Land, das ihnen fremd war und trafen auf Menschen, die ihre Geschichte nicht verstanden. Alle Schüler waren berührt von den Lebensgeschichten: Trotz des hohen Alters, trotz der furchtbaren Erfahrungen, die sie machen mussten, strahlten die Überlebenden einen ungeheuren Lebensmut aus. Zugleich sorgten sie sich, dass in Europa der Antisemitismus wieder wachsen würde und richteten ihre Hoffnung auf die Generation der Jugendlichen, die in Begegnungen wie in dem Schüleraustausch zur Völkerverständigung beitragen würden. „Das war wichtiger als hundert Stunden Geschichtsunterricht in der Schule“ – so äußerte sich einer der Jugendlichen am Ende dieses Tages.

Die Schüler besuchen die Baha’i Gärten.Foto: privat

Die Schüler besuchen die Baha’i Gärten.Foto: privat

Die Eindrücke und Ergebnisse dieses Aufeinandertreffens standen am nächsten Tag im Mittelpunkt, denn gemeinsam wurde weiter an dem zentralen Projekt des Austausches gearbeitet. Die Schülerinnen und Schüler des EGN hatten bereits acht große Plakate, auf denen die gemeinsame Arbeit zum Thema „Immigration in Nordhorn“ dokumentiert wurde, im Gepäck. In Nordhorn hatten die israelischen und deutschen Jugendlichen ganz unterschiedliche Menschen interviewt, die im Zuge der verschiedenen Einwanderungswellen in die Grafschaft gezogen waren. Nun sollte die Arbeit in Haifa mithilfe der Erlebnisse vom Vortag fortgesetzt und im Rahmen einer Ausstellung vorgestellt werden. Diese wurde am Sonnabend, 23. März, in Haifa im Beisein der Schulleitungen beider Schulen, der Gasteltern aus Israel und einiger der Überlebenden eröffnet. Die Schulleiterin der Chugim-Highschool verdeutlichte, wie wichtig ihr die Zusammenarbeit beider Schulen ist. Der Schüleraustausch soll auch in den nächsten Jahren fortgesetzt werden. Die Ausstellung wird in den kommenden Monaten auch in Nordhorn zu sehen sein.

Die Schüler des EGN am Flughafen in Israel.Foto: privat

Die Schüler des EGN am Flughafen in Israel.Foto: privat

Neben der inhaltlichen Arbeit war es den Schülern aus Nordhorn besonders wichtig, das Alltagsleben in Israel kennenzulernen. „Es ist so schön hier“ – so fasst es Malena Gastler beim Blick über den See Genezareth am Abend des Schabbats zusammen. Alles ist ganz anders, als es von Deutschland aus scheint: bunter, vielfältiger und moderner. Auch der Schabbatgottesdienst, den die Gruppe miterleben durfte, überraschte durch seine offene Form. Am Ende wurden alle zum Schabbatmahl eingeladen und Brot und Wein miteinander geteilt.

Voller Eindrücke, aber auch traurig, die israelischen Freunde und deren Familien zu verabschieden, reiste die Gruppe anschließend nach Jerusalem. „Ganz anders als Haifa; hier sieht man viel mehr Religion“ urteilt Nele Bernsen und bestätigt damit die allgemeine Einschätzung: In Tel Aviv wird gefeiert, in Haifa wird gearbeitet und in Jerusalem gebetet.

„Wir hoffen sehr, dass die Freundschaft und Partnerschaft zwischen den Schulen dauerhaften Bestand hat. Wir sind dankbar, dass wir in Israel so gut aufgenommen worden sind. Für unsere Schüler wird dieser Austausch unvergesslich bleiben“ fasst die Schulleiterin, Dr. Gabriele Obst, ihre Eindrücke zusammen.

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