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19.03.2019, 16:20 Uhr

Vortrag: Bestattungskultur hat sich verändert

Ein Rundgang über Grafschafter Friedhöfe zeigt: In den letzten Jahren hat sich im Bestattungswesen ein großer Wandel vollzogen. Die Grafschafter Hospizhilfe hat in der Aula des Klosters Frenswegen dazu einen Vortrag gehalten.

Vortrag: Bestattungskultur hat sich verändert

Gerold Eppler, Geschäftsführer des Museums für Sepulkralkultur Kassel, referierte zum Thema „Wandlungen der Bestattungskultur“.Foto: privat

Nordhorn Ein Rundgang über Grafschafter Friedhöfe zeigt: In den letzten Jahren hat sich im Bestattungswesen ein großer Wandel vollzogen. Neben den traditionellen Erdbestattungen mit vollem Grab und Grabstein gibt es anonyme oder halbanonyme Belegfelder, Urnengräber und Urnenwände, Baum- und Waldbestattung, ganz zu schweigen von See- und Luftbestattungen.

Hintergründe dieser Wandlungen wurden aufgezeigt in einer gut besuchten Vortragsveranstaltung der Grafschafter Hospizhilfe in der Aula des Klosters Frenswegen. Referent zum Thema „Wandlungen der Bestattungskultur“ war Gerold Eppler, Geschäftsführer des Museums für Sepulkralkultur Kassel. In einem historischen Bogen stellte er dar, wie sich Sterbebräuche, Bestattungssitten und Trauerverhalten im Lauf der Jahrhunderte je nach Wandlungen in den Weltsichten verändert haben.

In archaischen Zeiten ging es darum, zwar den Toten zu bewahren, aber auf jeden Fall seine Wiederkehr zu verhindern, vielmehr ihm den Weg in ein wie auch immer gedachtes Jenseits zu ebnen. Viele scheinbar „magischen“ Bräuche stammen noch aus dieser Zeit. Mit der Einführung des Christentums in sächsischen Landen, durchaus gewaltsam von Karl dem Großen durchgesetzt, findet sich zuerst eine gesetzliche Grundlage der Bestattungskultur („Capitulatio de partibus Saxoniae“):

Nicht mehr soll der Leichnam in der Natur bestattet werden, im Wald, an einem See oder Fluss, auf jeden Fall nicht verbrannt, sondern in oder um das geistliche Zentrum der Kirche. Die Nähe zum Altar gewährte die Sicherheit, in das Reich Gottes aufgenommen zu werden.

Im Protestantismus wurde diese Nähe zu den Heiligen („ad sanctos“) nicht mehr für nötig erachtet – Friedhöfe wurden jetzt eher am Rand des Dorfes oder der Stadt angelegt. Dieser Trend verschärfte sich durch das Vordringen der Aufklärung und der Gedanken der Französischen Revolution, so mit dem Durchsetzen des „Code civile“ Napoleons in den französisch besetzten und verwalteten Gebieten. Damit geschah aber auch ein verstärktes Eingehen auf Erkenntnisse der Naturwissenschaften, unter anderem zu der Frage: Wann ist ein Mensch tot? In vielen Experimenten wurde dem nachgegangen.

Im Zeitalter der Romantik geschah dann eine Wandlung, die auch die heutige Bestattungs- und Erinnerungskultur prägte: Die Trauer verlagerte sich aus der Öffentlichkeit ins Private, seit 1900 ist ein verschärfter „Grabmalsboom“ erkennbar.

Mit der erhöhten Mobilität der Menschen im 20. Jahrhundert zeigte sich eine neue Werthaltung: Man möchte den Nachkommen, die weit verstreut wohnen, die Pflege eines großzügig gestalteten Grabes ersparen: Jetzt werden vermehrt Grabstellen verwendet, deren Pflege leicht zu bewältigen ist, bis hin zu (halb-)anonymen Belegstellen.

Mit Einführung neuer Kremierungstechniken (ab 1900) wird heute mehr und mehr die Feuerbestattung gewählt, in Deutschland bereits zu etwa 70 Prozent. Damit kommen auch neue Formen der Bestattung bei vielen in den Blick: Baumbestattung („Tree of Life“), „Friedwälder“ oder Seebestattung. Weitere mögliche Entwicklungen der Bestattungsformen zeigte der Referent auf: Auflösung des Leichnams durch tiefgekühlten Stickstoff („Promession“) oder in einem Laugenbad bis hin zur „Kryonik“.

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