Grafschafter Nachrichten
08.03.2018

TPZ, Stadt und Weberei bald Partner für Theaterpädagogik?

TPZ, Stadt und Weberei bald Partner für Theaterpädagogik?

Diese „Superhelden-Kinder mit Superpower“ stehen symbolisch für das TPZ-Projekt „Neue Helden“ für Mädchen und Jungen von sechs bis neun Jahren, das seit Februar in der Alten Weberei angeboten wird. Foto: TPZ

Nordhorns Kulturpolitik hat die Weichen für eine engere Zusammenarbeit zwischen Theaterpädagogischem Zentrum (TPZ) und dem Kulturzentrum Alte Weberei gestellt: Eine feste theaterpädagogische Kooperation mit TPZ-Büro in der Weberei soll geprüft werden.

Nordhorn. Was schon seit rund zwei Jahren zwischen Kulturreferat, dem Lingener TPZ und Alter Weberei GmbH immer wieder locker diskutiert und in den vergangenen Monaten von CDU und SPD als konkretes politisches Ziel aufgegriffen wurde, nimmt langsam Formen an. Der Kulturausschuss sprach sich in seiner jüngsten Sitzung dafür aus, dass die Verwaltung eine künftige Zusammenarbeit mit dem TPZ prüfen soll. Kulturreferatsleiterin Kerstin Spanke sagte dazu gegenüber den GN: „Es ist gut, zu wissen, dass die Pläne nun auch Rückendeckung aus der Ratspolitik haben.“

Ausgangslage der politischen Diskussion war ein Antrag der SPD-Fraktion (die GN berichteten), dem der Ausschuss allerdings nicht im vollen Umfang folgen wollte. Eine breite Mehrheit gab es für den Auftrag an die Verwaltung, mit den Verantwortlichen in Kontakt zu treten, um den Ausbau bestehender, projektbezogener Kooperationen des TPZ mit der Stadt und der Weberei hin zu einem ständigen theaterpädagogischen Kooperationsangebot mit festem Bürostandort im Kulturzentrum an der Vechteaue 2 zu prüfen.

„In den Gesprächen soll geklärt werden, unter welchen Voraussetzungen im Hinblick auf Kosten, Angebotspalette, Raumbedarf, Zusammenarbeit und Abstimmung mit der Alten Weberei und der Stadt Nordhorn ein dauerhafter Kooperationsvertrag geschlossen werden kann“, heißt es in dem Beschluss.

Die Vorzeichen für eine feste Kooperation von TPZ und Weberei samt einer TPZ-Außenstelle an der Vechteaue stehen günstig: So hat das Kulturzentrum seit dem Auszug des jahrelangen Mieters Ems-Vechte-Welle Räume frei. Gesucht wird dabei ein Nachmieter aus dem kulturellen oder touristischen Umfeld, der nach dem Auszug des Radiosenders jährlich weiterhin um die 10.000 Euro Miete in den Haushalt der Alte Weberei GmbH bringt.

Auch inhaltlich hat das Kulturzentrum großes Interesse daran, mit den profilierten TPZ-Theaterpädagogen sein soziokulturelles Angebot auszubauen. Dass man mit dem TPZ einen guten Partner vor der eigenen Haustür hat, konnte bereits mit einer Reihe verschiedener Kooperationsprojekte des TPZ mit dem Nordhorner Kulturreferat, der Musikschule oder der Alten Weberei unter Beweis gestellt werden. Zusammenarbeit gab es zum Beispiel bei der Musical-Produktion „Yva“ 2013 und 2016 im Jugend-Musical „D-Ten“. 2017 gab es die Kooperation „Wildwuchs“ für Kinder zu den Osterferien, seit Februar läuft in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat und dem TPZ das Theaterprojekt „Neue Helden“ für Mädchen und Jungen von sechs bis neun Jahren in der Alten Weberei. Mit Erscheinen des Frühjahrsprogramms des TPZ ist die Alte Weberei bereits als ein weiterer Spielort mit eigenen TPZ-Angeboten vertreten.

Zudem gibt es etwa konkrete Überlegungen, Alte Weberei und Kornmühle im Rahmen des ab 22. Juni in Lingen laufenden Welt-Kindertheater-Festes zu Vorstellungsorten für Gastspiele und Workshops einer Festival-Gruppe zu machen. Im Vorlauf des Festes wird an eine Tanztheater-Performance mit geflüchteten und einheimischen Jugendlichen im öffentlichen Raum in Nordhorn – Stadtpark oder Fußgängerzone – gedacht.

Auf Ablehnung etwa bei CDU und Grünen stieß ein dritter, im SPD-Antrag formulierter Auftrag für das Kulturreferat. Darin sollte die Verwaltung zusätzlich prüfen, ob zur Realisierung des Vorhabens die im Kulturetat zur Verfügung stehenden Mittel für die jährliche Ausschreibung eines theaterpädagogischen Projektes in der Kornmühle eingesetzt werden könnten. Wörtlich heißt es in dem Antrag: „Dadurch können Synergien zwischen den Einrichtungen geschaffen und Doppelungen im Angebot vermieden werden. Zudem würden keine neuen Mittel im Haushalt benötigt werden.“

Die Projektmittel in Höhe von 10.000 Euro, die die SPD im Auge hat, wurden von der Stadt nach der Kündigung des alten Nutzungsvertrages mit der Theaterwerkstatt für die Kornmühle für alljährliche Ausschreibungen theaterpädagogischer Projekte bereit gestellt. Aus Sicht der CDU würde jedoch mit dem SPD-Antrag der Theaterwerkstatt das Wasser abgegriffen. Nach Auskunft Kerstin Spankes ist die Theaterwerkstatt allerdings gar nicht qualifiziert, theaterpädagogische Projekte anzubieten.

Die Grünen lehnen den Vorschlag der SPD unter anderem ab, weil man sich nach der Theaterwerkstatt nicht mehr an eine feste Institution – in diesem Falle an das TPZ – in der Kornmühle binden wolle. Dadurch solle vermieden werden, einen neuen „Platzhirschen“ zu schaffen.

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