13.06.2017, 18:08 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Tolle Erfahrungen im sozial-diakonischen Praktikum

„Jeder Mensch ist wichtig“: Über diese und anderer Erfahrungen beim sozial-diakonischen Praktikum haben die Neuntklässler des Evangelischen Gymnasiums Nordhorn (EGN) bei einem großen Galaabend in der Schule berichtet.

Beim „Dankeschön-Abend“ berichteten die jungen Praktikanten von ihren Erfahrungen. Das Bild zeigt die Schülerin Aileen Beernink, die im Kinderhaus „Kunterbunt“ war und resümierte: „Jeder Mensch ist wichtig, egal ob mit oder ohne Beeinträchtigung.“Foto: privat

Beim „Dankeschön-Abend“ berichteten die jungen Praktikanten von ihren Erfahrungen. Das Bild zeigt die Schülerin Aileen Beernink, die im Kinderhaus „Kunterbunt“ war und resümierte: „Jeder Mensch ist wichtig, egal ob mit oder ohne Beeinträchtigung.“Foto: privat

gn Nordhorn. Viel Zeit haben die Schüler in diesem Jahr in Alters- und Pflegeheimen, im Weltladen, im Café „Up’n Patt“, im Kinderhaus „Kunterbunt“ und in zahlreichen anderen Einrichtungen verbracht, um sich wieder sozial und diakonisch zu engagieren. Sie begannen ihr Praktikum nach einer theoretischen Vorbereitungszeit anfangs zumeist vorsichtig, zurückhaltend und skeptisch. Viele der Jugendlichen hatten Respekt, besonders vor der Arbeit mit alten Menschen und Menschen mit Behinderung. „Zuerst wussten wir gar nicht, wie wir mit den Behinderten umgehen sollten, waren unsicher“, beschreiben Nele Bernsen und Louis Wübben ihre anfängliche Unsicherheit. Wie in jedem Jahr seit 2013 blickten die Schülerinnen und Schüler am Ende jedoch selbstbewusst und sehr zufrieden auf ihre Zeit im Praktikum zurück. Sie präsentierten ihre Praktikumsstellen und ihre Erfahrungen auf dem großen Galaabend in der Schule.

Beim „Dankeschön-Abend“, wie EGN-Schulleiterin Dr. Gabriele Obst die Abschlussveranstaltung des sozial-diakonischen Praktikums seit ein paar Jahren nennt, standen junge Persönlichkeiten am Rednerpult.

So auch Clara van Bentheim: Sie war im Wohnbereich der Lebenshilfe Nordhorn und konnte dort viele beeindruckende Erfahrungen sammeln. Sie sprach von einem sehr familiären Zusammenhalt in ihrer Wohngruppe, der sie immer wieder zum Nachdenken brachte und sie dankbarer für die kleinen Dinge im Leben machte. „Man gehört einfach direkt dazu, wird angenommen, so wie man ist. Da können sich einige Gesunde eine Scheibe von abschneiden“, stellte die Schülerin vor dem großen Publikum selbstbewusst und kritisch fest. Die Bewohner hatten ihr gegenüber und sie ihnen gegenüber keinerlei Berührungsängste.

Bei Mohammad Shami war die anfängliche Skepsis gegenüber dem Praktikum noch viel größer. Er hatte Angst. Vor allem, weil er – vor einem Jahr aus Syrien nach Nordhorn gekommen – nur wenige Brocken Deutsch sprach. Dann habe er das Praktikum im Café „Up’n Patt“ begonnen, berichtete er den Gästen und bereits am ersten Tag fiel ihm ein Schild am Eingang auf: Auf diesem steht „Welcome, make yourself at home. Welcome family and friends“. Diese einfache Botschaft sei zu seinem Leitbild in diesem Praktikumsjahr geworden. Und nun, nur ein Jahr später, war es ihm bereits möglich, vor den zahlreichen Besuchern des Galaabends über seine Erfahrungen zu sprechen.

Julia Rammelkamp sprach in den Eingangsworten von ihren Erfahrungen bei der Nordhorner Tafel. Für sie war es erschreckend, wie viele Lebensmittel heutzutage einfach weggeschmissen werden. Sie habe sich ganz fest vorgenommen, dies in Zukunft zu vermeiden und nachhaltig zu leben, erzählte sie.

Sehr berührte das Publikum der Auftritt von Hanja Glüpker, ein Mädchen mit Trisomie 21 und Inklusionsschülerin des EGN. An der Hand einer Mitschülerin erklärte sie, dass auch ihr das Praktikum in einem Pflegezentrum sehr viel Spaß gemacht habe.

„Zum Ende meines Praktikums musste ich ganz schön mit den Tränen kämpfen. Die Kinder sind mir so sehr ans Herz gewachsen“, gestand Aileen Beernink an diesem Abend. Sie war über viele Wochen im Kinderhaus „Kunterbunt“ gewesen und ihr Fazit lautete, „jeder Mensch ist wichtig, egal ob mit oder ohne Beeinträchtigung.“

Superintendent Dr. Bernd Brauer sowie viele Leiter der verschiedenen Einrichtungen und Betreuer der Praktikanten hörten den Berichten der Jugendlichen aufmerksam zu.

Landrat Friedrich Kethorn lobte in seiner Rede das Engagement der Schülerinnen und Schüler. Er hat noch nicht einen der inzwischen fünf Galaabende verpasst. Dr. Esther Verwold, betreuende Lehrerin im EGN, sagte in ihrer abschließenden Rede, dass alle Beteiligten mit den Neuntklässlern im Praktikum ausnahmslos positive Erfahrungen gemacht hätten.

„Umdenken und anpacken“ lautete das Motto für das sozial-diakonische Praktikum in diesem Schuljahr. „Im Reformationsjahr haben wir uns für ein praktisches, lebensnahes Motto entschieden“, berichteten die Moderatorinnen Lea Schnak und Lara Schneider in ihrer Schülerrede. „Umdenken, alte Pfade verlassen und neue Wege gehen. Das haben viele von uns in diesem Jahr getan.“

Zur Gala wurde der Abend durch ein künstlerisches Rahmenprogramm, bei dem unter anderem die Abiturientin Leonie Dietz mit Devrim Yentar (Jahrgang 10) und Jule de Vries (Jahrgang 5) das Lied des Kirchentages 2017 sangen.

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