26.05.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Tierpark rettet Jungstorch „Willi-Walter“ das Leben

Mit ihrem Klappern und Durch-die-Wiesen-Staken erfreuen sie seit Jahren viele Menschen in der Grafschaft: die wild lebenden Weißstörche. Doch in diesem Jahr haben es die Tiere schwer, die Nahrung ist knapp. Ein Tier hatte jedoch großes Glück.

Hatte großes Glück im Unglück: Weißstorch „Willi-Walter“. Nachdem er aus seinem Nest geworfen wurde, wird er nun von Tierparkmitarbeitern umsorgt. Foto: Wilfried Jürges/privat

Hatte großes Glück im Unglück: Weißstorch „Willi-Walter“. Nachdem er aus seinem Nest geworfen wurde, wird er nun von Tierparkmitarbeitern umsorgt. Foto: Wilfried Jürges/privat

Mit ihrem Klappern und Durch-die-Wiesen-Staken erfreuen sie seit Jahren viele Menschen in der Grafschaft: die wild lebenden Weißstörche. Doch in diesem Jahr haben es die Tiere schwer, die Nahrung ist knapp. Ein Tier hatte jedoch großes Glück.
Nordhorn Er wird wohl eine Symbolfigur für das Storchenjahr 2020 werden: der kleine Weißstorch „Willi-Walter“. Davon geht zumindest der Tierpark Nordhorn aus. In einer Pressemitteilung verkündete er, das aktuelle Jahr sei offenbar ein sehr schwieriges Aufzuchtjahr für wilde Weißstörche.

Der Grund: Zahlreiche Wildstörche haben den Weg aus dem Süden wieder in den Tierpark Nordhorn gefunden. Alleine in der großen Storcheneiche im Familienzoo sind, neben zahlreichen weiteren Nestern im restlichen Tierpark, wieder 15 Nester sichtbar. Gebaut wurden diese von wild lebenden Weißstörchen, die Tiere versorgen sich in den nahe gelegenen Vechtewiesen selbst mit Nahrung.

Nahrungsknappheit mit schweren Folgen

Doch hierbei haben sie ein Problem: Die Nahrung auf den Feldern und Wiesen ist in diesem Jahr knapper als in den Vorjahren. Mittlerweile seien Wildstörche in der ganzen Region auf Nahrungssuche , dies sei ein Indiz dafür, dass die Nahrung auf den Feldern knapper werde, so der Tierpark.

Vermutlich habe die lang anhaltende Trockenheit, kombiniert mit Nachtfrösten Mitte Mai für eine Nahrungsknappheit gesorgt, die nun bereits zahlreiche Jungstörche das Leben gekostet hat oder noch kosten wird, heißt es vom Tierpark weite. Sterben die Tiere im Nest oder sind sie so gut wie tot, werfen die Elterntiere sie in der Regel hinaus. Mehrere tote Jungstörche wurden von den Tierpflegern unter der Storcheneiche gefunden.

Kleiner Jungstorch gerettet

Ein Storch jedoch lebte noch und hatte großes Glück im Unglück: Er wurde von Tierpflegerin Insa Röttgers sofort umsorgt. „Von der ersten Fütterung an hat der kleine Storch selber gefressen und sich relativ rasch erholt.“, teilt der Tierpark mit.

In Anlehnung an eines der ersten Zootiere vor 70 Jahren – den Weißstorch „Willi“ – wurde der kleine Weißstorch nun anlässlich des 70-jährigen Zoobestehens, welches der Tierpark eigentlich in diesem Jahr feiern wollte, auf „Willi-Walter“ getauft. Damit aus ihm ein echter wild lebender Weißstorch werden kann, soll er bei der in Kürze anstehenden Beringung der Weißstörche in das Nest des Paares am Vechtehof gesetzt werden. Hier lebt die Zoostörchin „Oma“ mit einem wild lebenden Weißstorchmann. Es ist das einzige Paar, das von den Zoomitarbeitern gefüttert wird, da „Oma“ nie gelernt hat, sich in freier Wildbahn zu versorgen. Sie bleibt auch im Winter im Tierpark.

Kein Futter für Wildstörche

Alle anderen Weißstörche zählen zur echten Wildpopulation, da sie ihre Nahrung selber suchen und nicht von den Zoomitarbeitern versorgt werden. Dies geschieht laut Tierpark in enger Absprache mit den Naturschutzverbänden und dem Weißstorchbeauftragten Wilfried Jürges, die dafür plädieren die Population nicht künstlich in die Höhe zu treiben, in dem die Tiere fremdversorgt werden. Sie würden dann auch nicht mehr zur Wildpopulation zählen.

Für den kleinen „Willi-Walter“ haben die Zoomitarbeiter jedoch einen großen Wunsch: „Hoffen wir, dass der kleine ,Willi-Walter‘ von den Elterntieren am Vechtehof noch bis zum Ausflug der Störche mitversorgt wird“, erklären sie und hoffen: „Dann wird er den Nahrungserwerb von seinen wilden Verwandten lernen und seinem Leben als wilder Weißstorch steht nichts im Wege. Und wer weiß, vielleicht kommt ,Willi-Walter‘ ja eines Tages zurück in die Region und gründet eine eigene Storchenfamilie.“

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