20.08.2020, 17:49 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Tierpark Nordhorn stellt Ideen für ein „Vechtedorf“ vor

Vor dem Bentheimer Landschweinhaus stehen Zoodirektor Dr. Nils Kramer und Zoologischer Leiter Dr. Hermann Kramer. Foto: Frieling

Vor dem Bentheimer Landschweinhaus stehen Zoodirektor Dr. Nils Kramer und Zoologischer Leiter Dr. Hermann Kramer. Foto: Frieling

Nordhorn Die Corona-Krise hat im Tierpark Nordhorn einiges durcheinandergewirbelt. Dem Zoo fehlen nach eigenen Angaben rund 80.000 Besucher und damit eine Million Euro an Einnahmen. Auch die Maßnahmen zur Sicherung der Arbeitsplätze und zum Erhalt des Unternehmens hätten Spuren hinterlassen, sagt Zoodirektor Dr. Nils Kramer: „Die Auswirkungen wird man im nächsten Jahr noch spüren, wir haben die Bauprioritäten neu geordnet. Großprojekte wie die Giebelfassaden und die Leopardenanlage wurden nach hinten geschoben, um die Liquidität im Unternehmen zu halten. Einige kleinere, geförderte Projekte wie die Schmiede können wir dafür vorziehen.“

„Vechtedorf“ soll entstehen

In die Umsetzung soll nun auch ein neues, ambitioniertes Projekt gehen: das „Vechtedorf“. Am Donnerstag stellte der Tierparkleiter in einem Pressegespräch eine Ideensammlung für die vor Kurzem erworbenen Erweiterungsfläche des früheren Restaurants Borggreve vor. „Der ,Vechtehof‘ mit seinen alten regionalen Nutztierrassen und der Brauchtumspflege nimmt neben den exotischen Themenwelten bei uns einen wichtigen Teil ein“, sagt Kramer. „Das Thema Regionalhistorie wollen wir zukünftig mit dem ,Vechtedorf‘ auf einem Teil der Erweiterungsfläche weiterführen. Die Geschichte des dörflichen Lebens in der Grenzregion und natürlich alte Haustierrassen stehen dabei ganz besonders im Fokus.“

Im Zentrum eine Dorflinde

Mittelpunkt dieses neuen Parkabschnitts soll die Dorflinde werden, um die das „Vechtedorf“ in den nächsten Jahren wachsen soll. Der Ideenplan „Vechtedorf“ soll den Besuchern einen Ausblick geben, was der Tierpark auf diesem Teil des Erweiterungsgeländes umsetzen will. Dafür hat das Planungsbüro Hermann Suntrup aus Nordhorn die Ideen in eine vorzeigbare Modellform gebracht. „Im Vechtedorf werden wir dörfliche Tätigkeiten wie die Themen Schmiede, Fleischerhandwerk oder Backen dem Besucher präsentieren können“, sagt der Tierparkleiter und ergänzt. „Natürlich gibt es noch alte und bedrohte Nutztierrassen, die hier eine neue Heimat finden und unsere Rolle als Archepark stärken sollen.“

„Bentheimer Landschweinhaus“ und Schmiede

Konkret freuen dürfen sich die Besucher in den kommenden Monaten dank EU-Fördermitteln und der Förderung der Sparkassenstiftung auf die Realisierung eines „Bentheimer Landschweinhauses“ und einer Schmiede. „Wir sind sehr dankbar, dass unser Handwerkerteam mithilfe dieser Unterstützer auch in der Corona-Krise sichere Arbeitsplätze und etwas zu tun hat“, so Kramer. In den kommenden Monaten werden hier die Tierparkhandwerker eine Schmiede errichten, in der zu besonderen Anlässen auch tatsächlich Schmiedekunst vorgeführt wird.

„Erhalten durch Aufessen“

Im „Bentheimer Landschweinhaus“ greift der Tierpark Nordhorn das Thema „Erhalten durch Aufessen“ auf. „Viele alte Nutztierrassen sind deshalb fast ausgestorben, weil sie nicht rentabel genug waren. Das heimliche Wappentier der Region, das Bunte Bentheimer Schwein, wäre deshalb fast verschwunden. Nur wenn Nutztiere auch genutzt werden, werden sie in ausreichender Zahl gehalten und haben eine Chance auf ein Überleben“, erklärt Kramer. Beim Schwein sei der Nutzen das Aufessen. Neben dem alten Fleischerhandwerk solle hier das Bewusstsein der Menschen für einen verantwortungs- und genussvollen Umgang mit der Fleischherkunft geschärft werden.

Zisterne für Regenwassernutzung

In den nächsten Jahren soll dann noch die ein oder andere Tierstallung hinzukommen, um weiteren bedrohten Nutz- und Haustierarten eine neue Heimat zu geben. Ebenso soll aber auch die Infrastruktur verbessert werden. Eine historische Strohscheune für die Lagerung von Tierfutter und die bessere innerbetriebliche Abwicklung ist schon fast fertiggestellt. Zusätzliche sanitäre Anlagen sind ebenso geplant wie eine große Zisterne um das Regenwasser der Dachflächen zu sammeln und für Bewässerung oder WC-Spülungen zu nutzen.

Zehn Jahre bis zur Fertigstellung

Bei der Umsetzung des Projekts nutzt der Tierpark zum Teil historische Gebäude aus der Region, die vor Ort ab- und im Tierpark wieder aufbaut werden. „Wir freuen uns natürlich, wenn wir neben den regionalen Traditionen, dem Brauchtum und den alten Haustierrassen auch historischen Gebäuden aus der Region im Tierpark eine neue Zukunft schenken können,“ betont der Zoodirektor. Der Ideenplan „Vechtedorf“ werde den Tierpark sicherlich die nächsten zehn Jahre beschäftigen. „Wir arbeiten die Ideen nach und nach ab“, sagt Kramer.

Das Architekturbüro Hermann Suntrup hat die Ideen in eine vorzeigbare Modellform gebracht. Foto: Frieling

Das Architekturbüro Hermann Suntrup hat die Ideen in eine vorzeigbare Modellform gebracht. Foto: Frieling

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