Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
16.09.2017, 04:00 Uhr

Rathaus will Stromautobahn „A-Nord“ nicht im Stadtgebiet

Die Firma „Amprion“ plant im Auftrag eine „Stromautobahn“ von Emden nach Osterath. In ihrer Stellungnahme reagiert die Stadt Nordhorn nun auf Pläne, die Trasse eventuell über Nordhorner Stadtgebiet zu ziehen. Diese Variante sorgt für großes Missfallen.

Rathaus will Stromautobahn „A-Nord“ nicht im Stadtgebiet

Solche Furchen sollen sich ab 2021 auch durch die Grafschaft ziehen. Dann will die Firma „Amprion“ ihre Stromautobahn „A-Nord“ von Emden bis Osterath bauen. Die Frage, die den Nordhorner Rat und die Verwaltung umtreibt, ist, wie nah die geplante Trasse am Stadtkern vorbeigeführt wird. Foto: Amprion/dpa

Von Norman Mummert

Nordhorn. Die von der Bundesregierung beschlossene Energiewende rollt auf die Grafschaft zu, und zwar in der Form einer 24 Meter breiten Trasse. In zwei Metern Tiefe verlaufen Erdkabel, die zwei Gigawatt Elektrizität von Windkraftanlagen in der Nordsee an den Niederrhein transportieren sollen. Auf Informationsveranstaltungen haben Mitarbeiter der Firma „Amprion“ das Projekt vorgestellt (die GN berichteten). Im Zuge dessen wurden verschiedene Verläufe besagter Trasse präsentiert. So auch in der jüngsten Nordhorner Ratssitzung.

Dabei liegt dem Rathaus besonders eine Alternative quer im Magen: Ein Trassenkorridor der rund 300 Kilometer langen Strecke führt mitten durch das Nordhorner Stadtgebiet. Die Trassenführung orientiert sich dabei an Waldgebieten, Vogel-, Natur- und Wasserschutzgebiete, die sie zu umgehen versucht. Wo es geht, versucht man, sogenannte Bündelpotenziale zu nutzen und die Erdkabel dort zu verlegen wo beispielsweise bereits Gasleitungen entlang führen. „Wir sind mit der aktuellen Planung unglücklich“, erklärte Stadtbaurat Thimo Weitemeier stellvertretend für die Verwaltung den beiden „Amprion“-Vertretern auf der Ratssitzung.

Die Alternativroute, die das Nordhorner Stadtgebiet kreuzt, schränkt die Stadt nach ihrer Auffassung in ihren Entwicklungsmöglichkeiten weiter ein. Im Westen verläuft die Grenze zu den Niederlanden, im Osten liegt der Luft-Boden-Schießplatz Nordhorn Range. Die Einflugschneisen der Kampfflugzeuge und widersprüchliche Stellungnahmen der Bundeswehr machen den Nordhornern in Sachen Stadtentwicklung das Leben schwer, klagt der Stadtbaurat. Und dann ist da auch noch das Wohnraumversorgungskonzept, demzufolge die Stadt in den nächsten fünf Jahren laut Weitemeier etwa 1800 neue Wohneinheiten sicherstellen muss.

Dass die Stadt auf Flächen nicht mehr zurückgreifen kann, weil darunter Stromkabel verlaufen, stieß auf entsprechend wenig Begeisterung. Denn: Auf den Schutzstreifen, unter denen die Kabel verlaufen, darf nicht gebaut werden. Bäume dürfen dort auch nicht gepflanzt werden, weil das Wurzelwerk die Leitungen beschädigen könnte. Erlaubt sei hingegen Landwirtschaft, selbst umpflügen dürfe man den Schutzstreifen, erklärte Arndt Feldmann, stellvertretender Projektleiter der „A-Nord“. Ebenfalls im Korridorverlauf liegen archäologische Ausgrabungsstätten, die im Zuge der Nordumgehung entdeckt wurden.

„Nordhorn kann sich durch Stromautobahn nicht entwickeln“

Bürgermeister Thomas Berling warf den Planern von „Amprion“ vor, die Verantwortung von Politik und Verwaltung für die Stadtentwicklung der nächsten 50 bis 100 Jahre nicht bedacht zu haben. Er sprach von einer „gewaltigen Einschränkung“. Berling: „Wir kommen zunehmend in eine Insellage und können uns nicht entwickeln.“

Entscheidet sich die Firma für den Bau der Trasse durch das Nordhorner Stadtgebiet, sei diese Einschränkung für Jahrzehnte „zementiert“. Berling: „Als Bürgermeister muss ich gegen diese Variante sein.“ Für diese Stellungnahme gab es fraktionsübergreifend und auch bei den anwesenden Einwohnern Szenenapplaus.

Eine Variante der Trasse, die Politik und Verwaltung sehr viel lieber ist, führt stattdessen entlang der Autobahn 31. „Wenn es sein muss, auch auf der Nordhorner Seite“, sagte Berling. Dort gebe es hauptsächlich Heidelandschaft. „Eine Bebauung wird‘s dort nie geben. Und den Wolf stören die unterirdischen Leitungen auch nicht“, sagte der Bürgermeister.

Die beiden „Amprion“-Vertreter Arndt Feldmann und Sebastian Knauf betonten fortwährend, dass es sich bei den vorgestellten Trassenkorridoren um mögliche Varianten handelt. Welche letztlich verwirklicht werden soll, sei noch nicht entschieden. Anfang 2018 will „Amprion“ ihren „Vorzugskorridor“ vorstellen. Ebenso betonten die Firmensprecher immer wieder, dass sie vor Ort sind, um Anregungen und Hinweise für die Trassenplanung entgegenzunehmen. Beide versicherten wiederholt: „Alles fließt in die Abwägung.“

Aus der Einwohnerrunde mussten die Firmenvertreter sich den Vorwurf gefallen lassen, „herumzueiern“. Zu unkonkret fielen ihre Angaben aus, etwa zu den Abständen der Kabel zu Gasleitungen, Wohnsiedlungen und Brunnen in Nordhorner Wasserschutzgebieten.

Newsletter
Nichts verpassen! Newsletter abonnieren.
Lesermeinung
Bitte melden Sie sich an, um Kommentare lesen und schreiben zu können.