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Alte Schätze für die Klosterbibliothek

Die Raritäten-Abteilung im Kloster Frenswegen ist um zwei Glanzstücke reicher: Private Spender haben der Bibliothek Bücher aus dem 16. und 17. Jahrhundert überlassen.

Groß und schwer ruhen die Bände auf einem Glastisch in der Klosterbibliothek. Anke van Bentheim hat sie der Stiftung Kloster Frenswegen gespendet. Bei den in dunkles Leder gebundenen Büchern handelt es sich um eine zweibändige „Staatenbibel“ aus dem Jahr 1663. Seit Generationen gehörte sie ihrer Familie, „mein Vater hat noch daraus gelesen“, erinnert sich Anke van Bentheim. Ursprünglich sollen sie aus der Kirche in Hoogstede stammen. Auf welch verschlungenen Pfaden sie schließlich in Familienbesitz übergingen, darüber lässt sich nur noch spekulieren.

„Dabei handelt es sich um eine eigenständige Übersetzung aus den Ursprachen, die 1618 auf der berühmten Dordrechter Synode der reformierten Kirchen in den Niederlanden beschlossen wurde“, erläutert Dr. Hartmut Lenhard von der Klosterstiftung. Die Übersetzung sei von der politisch höchsten Instanz, den „Generalstaaten“, finanziert und autorisiert worden und habe schon bald in calvinistischen Familien einen wichtigen Platz eingenommen. „Täglich nach der Mahlzeit wurde daraus vorgelesen, in der Schule war sie vorgeschrieben“, weiß Dr. Lenhard zu berichten. „Auf die Entwicklung einer allgemeinen niederländischen Schriftsprache übte sie großen Einfluss aus.“

© Steffen Burkert

Neben der zweibändigen Bibel, die mittlerweile von der Bad Bentheimer Restauratorin Sharon Oettel-Bakker sorgsam aufbereitet worden ist, liegen acht weitere dicke Bücher auf dem Glastisch in der Bibliothek. Studiendirektor i.R. Jörg Leune hat dem Kloster ebenfalls eine wertvolle Spende überreicht: eine achtbändige Ausgabe der Schriften des Kirchenlehrers Aurelius Augustinus (354-430), die sich seit 1974 in seinem Privatbesitz befand. Augustinus habe die gesamte westliche Theologie, insbesondere auch Luther, nachhaltig beeinflusst, betonte Leune bei der offiziellen Übergabe in dem ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift in Frenswegen, das mittlerweile als ökumenische Bildungs- und Begegnungsstätte genutzt wird.

Die Ausgabe, die nun in der Klosterbibliothek aufbewahrt wird, stammt aus den Jahren 1528/29. „Die Klosterbibliothek hat einst ein Exemplar dieser Ausgabe besessen, das allerdings 1874 mitsamt vielen anderen Bänden an die Universitätsbibliothek Straßburg verschenkt wurde“, weiß Dr. Lenhard zu berichten. Mit der nun vorhandenen Ausgabe rücke die Bibliothek daher wieder ein wenig an ihre Ursprünge heran.

© Steffen Burkert

Leider ist von den alten Beständen der Bibliothek allenfalls ein einziges Buch im Original im Kloster vorhanden – die ehemaligen Schätze sind seit dem 19. Jahrhundert weit verteilt in Straßburg, Osnabrück, Münster, Leiden, Utrecht, Groningen, Cuijk und Kopenhagen“, berichtet der Förderverein. Seit August 2017 ist Erika Müller damit beschäftigt, alle vorhandenen, überwiegend modernen Bücher in der Klosterbibliothek in ein professionelles Computerprogramm einzugeben und mit den notwendigen bibliografischen Angaben zu versehen.

Ein besonderes Schmuckstück der Bibliothek im Obergeschoss des Klosters ist die Raritäten-Abteilung. Dort bemüht sich Gertraud Herrenbrück darum, in zeitaufwändiger Kleinarbeit Ordnung zu schaffen. Durch die gespendeten Bücher wird diese Abteilung nun um zwei besonders wertvolle „Schätze“ wieder etwas ergänzt.

Der Vorsitzende des Fördervereins, Helmut Ruschulte, und die Vorsitzende der Stiftung Kloster Frenswegen, Präses Heidrun Oltmanns, dankten den beiden Gebern bei der offiziellen Übergabe für die Spenden und betonten: „Für die Bewahrung der kulturellen Tradition der Grafschaft ist die Klosterbibliothek von einzigartiger Bedeutung.“

tze für die Klosterbibliothek

© Steffen Burkert

Jörg Leune und Anke van Bentheim überreichten der Klosterbibliothek wertvolle Bücher. Fotos: Burkert