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14.10.2019, 16:06 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Klassentreffen 65 Jahre nach der Entlassung

19 ehemalige Klassenkameradinnen und -kameraden der evangelischen und katholischen Grundschule Brandlecht, alle im Alter von rund 80 Jahren, haben 65 Jahre nach der Schulentlassung im Landgasthof „Am Wald-Eck“ ihr Wiedersehen gefeiert.

65 Jahre nach der Schulentlassung feierten 19 ehemalige Klassenkameradinnen und -kameraden der evangelischen und katholischen Grundschule Brandlecht ein Wiedersehen. Alle sind heute in einem Alter von rund 80 Jahren.Foto: privat

65 Jahre nach der Schulentlassung feierten 19 ehemalige Klassenkameradinnen und -kameraden der evangelischen und katholischen Grundschule Brandlecht ein Wiedersehen. Alle sind heute in einem Alter von rund 80 Jahren.Foto: privat

Nordhorn Sie waren als Sechsjährige 1945 eingeschult und nach acht Jahren Schulzeit entlassen worden. „Ursprünglich haben wir Ehemaligen uns alle fünf Jahre getroffen, doch mit zunehmendem Alter nahm die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle leider zu, sodass wir uns nun bereits nach zwei Jahren wiedergetroffen haben und zukünftig jedes Jahr eine Zusammenkunft stattfinden soll“, berichtet Gerhard Aschermann, einer der ehemaligen Schüler. Seit der Entlassung seien von den 46 Eingeschulten bereits 19 gestorben, darunter vier in den vergangenen beiden Jahren. Von den verbleibenden 27 Ehemaligen konnten wegen gesundheitlicher Probleme oder aus anderen Gründen nur 19 kommen.

Unter den Ehemaligen sind oder waren mehrere ehemalige Vertriebene aus Schlesien und Ostpreußen, die zum Kriegsende ihre Heimat verließen. Einige von ihnen waren damals mit nur wenig Handgepäck nach mehrtägiger beschwerlicher Fahrt in Eisenbahnwaggons im äußersten Westen der Grafschaft Bentheim eingetroffen und wurden zum Beispiel in Nordhorn (Blanke-Siedlung), Brandlecht und Hestrup sesshaft. Aschermann: „Sie wurden leider nicht überall freundlich begrüßt und hatten es schwer, sich in der Fremde und in Zeiten allgemeiner Not eine neue Existenz aufzubauen.“ Das sei ihnen dann durch sprichwörtlichen Fleiß und ihre Mitarbeit beim Wiederaufbau in lobenswerter Weise gelungen. Die Kinder hatten sich hingegen damals sehr schnell untereinander angefreundet – bis hin zur späteren Heirat, erinnert sich Aschermann.

Bei der Wiedersehensfeier wurden Erinnerungen an Erlebnisse und Erfahrungen in der Schulzeit wach– etwa an die ersten Schuljahre bei den Lehrern Wieking, Nordholt und Frau Leister. „Manches ist bis heute wie in Stein gemeißelt im Gedächtnis geblieben“, sagt Aschermann: „Die Prügelstrafe war damals ein erlaubtes Erziehungsmittel und davon machte der Rektor regen Gebrauch. In seinem straff geführten Unterricht herrschte absolute Ruhe und Disziplin.“ Doch man habe bei ihm auch viel lernen können: „Doch allzu oft hat er versucht, Dummheit und Faulheit mit dem Stock oder mit der Faust aus den Schülern herauszuprügeln mit dem Ergebnis, dass die Leistungen wegen Versagensängsten und Schulmüdigkeit vollends in den Keller gingen und diese Schüler in Folge zum Teil auch nicht versetzt wurden.“

Andererseits habe man viel zusammen unternommen, etwa Wanderungen durch die Natur mit Pflanzenbestimmungen, Schnitzeljagden, Bundesjugendspiele, Schwimmkurse in der Vechte am Brandlechter Wehr und im Winter in den Pausen Schlittenfahrt auf verschneiter oder vereister Rodelbahn hinter der evangelischen Kirche. „Wer keinen Schlitten hatte, rutschte einfach auf seinen Holzschuhen oder auf dem Hosenboden runter“, berichtet Aschermann: „Im Herbst aßen wir vor lauter Hunger Zieh-Rüben am Wegesrand. Und im Hochsommer löschten wir unseren Durst mit erfrischendem Wasser aus tiefen Brunnen von zwei Anliegern. Die Mädchen beschäftigten sich gerne mit Völkerball, Seilspringen und Reigen. Wir Jungen vertrieben uns die Zeit mit Murmel-Spiel, Schlagstock-Spiel Ratzeputz und im Winter mit Schneeballschlachten untereinander und gerne auch mit den Mädchen.“

Zum Unterrichtsbeginn mussten die Schüler die Fingernägel und das Taschentuch auf Sauberkeit hin vorzeigen. Auch wurde bei uns die Zahnpflege überprüft und Körperkontrollen auf Läusebefall durch das Gesundheitsamt Nordhorn durchgeführt. In schlechter Erinnerung blieben die Toiletten.

Nach dem gelungenen Klassentreffen wollen sich die Ehemaligen schon 2020 wiedersehen.

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