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24.06.2020, 14:21 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Junge Union: „Kein Aktionismus bei historischen Personen“

Im Nordhorner Rathaus geht es am Donnerstag um den Umgang mit Bildern von Ehrenbürgern. Archivfoto: S. Konjer

Im Nordhorner Rathaus geht es am Donnerstag um den Umgang mit Bildern von Ehrenbürgern. Archivfoto: S. Konjer

Nordhorn Die Junge Union (JU) Nordhorn sieht die Debatte über Denkmäler, Ehrenbürger und Straßennamen kritisch. In einer Stellungnahme bezeichnet der CDU-Nachwuchs es am Mittwoch als „befremdlich, dass diese Diskussion nun auch in Nordhorn geführt wird“. Am Donnerstag will man im Rat beschließen, dass Bilder von Ehrenbürgern im Rathaus abgehangen werden. ,,Zunächst einmal sollte man wissen, dass die Ehrenbürgerschaft juristisch mit dem Tod endet, deshalb warne ich vor einer Phantomdebatte“, so der Vorsitzende der JU, Kevin Döhe. „Man muss die jeweiligen Charaktere natürlich kritisch in den jeweiligen historischen Kontext einordnen. Deshalb ist es unstrittig, dass Jan Hindrik Hoff, Walter Fastenrath und Bernhard Niehues durch ihre Verstrickungen zur NSDAP auch abgehangen werden müssen und ihnen symbolisch diese Würde postum genommen wird“, so Döhe weiter.

Die anderen genannten Ehrenbürger, Ludwig Povel, Bernhard Rawe und Kurt Schließer, schätzt die JU aber auch als große Bürger der Stadt Nordhorn. ,,Erst vor wenigen Jahren haben wir eine Schule nach Ludwig Povel benannt. Es verwundert mich, dass so eine Diskussion nun gerade aufkommt. Da fragt man sich schon, wo die Verwaltung der Stadt Nordhorn ihre Prioritäten setzt und für was sie bereit wäre, Geld auszugeben“, so JU-Beisitzer Alexander Klose. Generell kritisiert die JU die Entscheidungsfindung zusammen mit dem Arbeitskreis Gedenken, „der keinerlei demokratische Legitimation hat“.

Die Beschlusslage zu den Erklärungstafeln bei Straßennamen irritiert die christdemokratische Jugendpartei ebenfalls. Döhe dazu: ,,Tafeln bei Straßennamen, die auf Widerstandskämpfer hinweisen, wie zum Beispiel Dietrich Bonhoeffer oder den Geschwistern Scholl, unterstützen wir als Junge Union natürlich. Man sollte aber nicht den Fehler machen, jeden, der aus heutiger Sicht nicht weltoffen, tolerant oder ein lupenreiner Demokrat ist, gleich arrogant via Tafel zu verteufeln. Sonst führen wir bald auch Debatten über Luther, Adenauer, Goethe oder Helmut Schmidt.“

Daher kann sich die Junge Union vorstellen, dass man alle Straßennamen auf der Homepage der Stadt Nordhorn kurz erklärt. Hier könne man auch auf etwaige Probleme bei bestimmten Personen hinweisen. ,,Viele Personen haben ein so facettenreiches Leben, dass eine Tafel ihnen nicht gerecht wird, vor allem, wenn der Text aufgrund fehlenden Platzes ausschließlich negativ formuliert ist. Hier wäre ein Personenregister auf der Homepage würdevoller und souveräner“, so Döhe weiter. Auch stelle sich für die JU die Frage, was auf den Tafeln stehen solle und wer darüber entscheidet.

Die Tatsache, dass unter anderem Bismarck, Jahn und Löns auf dieser Straßenliste stehen, überrascht die Junge Union. ,,Hier muss man sich die Frage stellen, ob die Stadtverwaltung bei diesem sensiblen Thema wirklich Politik mit links-grün geprägtem Aktionismus betreiben will. Selbst Gregor Gysi erkennt an, dass Otto von Bismarck auch ein großer Mann war. So eine Diffamierung ist ehrlos und ein Anschlag auf die deutsche Kultur“, erklärt Klose erzürnt und ergänzt abschließend, dass man sich bei der Erinnerungskultur an historischen Personen ein Beispiel an Frankreich nehmen solle. Auch an dem „undemokratischen und willkürlichen Zustandekommen dieser Straßenliste“ reagiert die JU mit scharfer Kritik. Die JU wünschst sich von der Verwaltung, „dass sie sich größeren Aufgaben widmet, als immer wieder Selbstverwirklichung über Straßennamen zu betreiben“.

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