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21.08.2019, 17:26 Uhr

Gegen Eichenprozessionsspinner ist kein Kraut gewachsen

Drei Referenten haben in Nordhorn über die Eichenprozessionsspinner-Plage informiert. Mehr als 50 Interessierte und Betroffene verfolgten die Vorträge. Die Nordhorner Grünen fordern nun, dass die Stadt jetzt schon Vorbereitungen für 2020 treffen soll.

Gegen Eichenprozessionsspinner ist kein Kraut gewachsen

Der für manche Menschen gesundheitsgefährdende Eichenprozessionsspinner hat in diesem Sommer in der Kreisstadt Nordhorn wie im gesamt Landkreis Grafschaft Bentheim deutlich mehr Bäume befallen als noch 2018. Die Entfernung der Raupen ist aufwendig und teuer.Foto: Hille

Nordhorn Eine komplette Vernichtung des Eichenprozessionsspinners (EPS) ist zwar nicht möglich, doch die Stadt müsse prüfen, inwieweit die finanzielle Ausstattung für die Bekämpfung der gesundheitsgefährdenden Raupen im Rahmen der nächsten Haushaltsberatungen verbessert werden kann. Zudem sollten jetzt schon Vorbereitungen für 2020 getroffen werden, da mit dem nächsten Sommer wahrscheinlich ein verstärkter EPS-Befall zu erwarten sei. Zu diesem Fazit kommen Elke Liening und Mathias Meyer-Langenhoff, Sprecher von Bündnis 90/Grünen, nach einer gut besuchten Informationsveranstaltung des Ortsverbandes der Nordhorner Grünen zum Eichenprozessionsspinner.

Mehr als 50 Interessierte und Betroffene verfolgten im „Café Nordhörnchen“ die Ausführungen von drei Referenten: Ansgar Künnemann, Fachbereich Öffentliche Flächen der Stadt und zuständig für den Kampf gegen den EPS, Dr. Vera Jaron aus Georgsdorf und der Biologe Uli Meyer-Spethmann aus Nordhorn. Die Moderation hatte Grünen-Mitglied Marvin Weigel.

Künnemann erläuterte, wie sich der EPS inzwischen in Deutschland verbreitet hat. So sei besonders Brandenburg befallen, aber eben auch viele andere Gebiete in Deutschland. Letztlich, so Künnemann, sei eine Gesundheitsgefahr für den Menschen erst ab dem Erreichen des dritten Larvenstadiums gegeben.

Keine völlige Beseitigung

Zu möglichen Schutzmaßnahmen betonte er, dass der Einsatz von Insektiziden höchst problematisch sei, da dabei auch viele andere Insekten vernichtet würden. Die Stadt praktiziere ein gestuftes Vorgehen, weil es den bestmöglichen Schutz der Bevölkerung gewährleiste und ökonomischen und Umweltschutzaspekten Rechnung trage. Eine völlige Beseitigung der EPS-Nester sei nicht möglich, sagte Künnemann, deshalb habe man auch eine Prioritätenliste entwickelt.

Der Biologe Uli Meyer-Spethmann verdeutlichte in seinem Beitrag, dass die enorme Verbreitung des EPS eine indirekte Folge des Klimawandels sei. Dadurch hätten sich die Lebensbedingungen für den EPS positiv verändert. Allerdings, so Meyer-Spethmann, könne schon eine entsprechende Frostphase in den ersten Larvenentwicklungsphasen des EPS dazu führen, dass die Population sich massiv verkleinere.

Auch der Biologie sprach sich klar gegen Insektizide aus, da sie als Breitbandgifte auch alle anderen Tiere gefährdeten. Aus seiner Sicht könne man dem EPS am besten zu Leibe rücken, wenn man die Zahl seiner natürlichen Fressfeinde vergrößere.

Fressfeinde fördern

Das griff auch ein Zuschauer auf, von Beruf Landwirt: Es sei wichtig die Vögel, zum Beispiel Meisen, auch im Sommer zu füttern, ihnen Wasserschalen hinzustellen und immer wieder wechselnde Blumenwiesen anzulegen, die weitere Insekten anlockten. Seitdem er so verfahre, sei an seinen Eichen kein EPS-Nest mehr zu finden.

Auch Dr. Vera Jaron vertrat die Ansicht, der EPS sei nicht völlig zu beseitigen; man müsse lernen, mit ihm zu leben und sich entsprechend schützen. Anhand eindrücklicher Bilder beschrieb sie die gesundheitlichen Folgen wie Hautausschlag mit Juckreiz und Raupendermatitis-Beschwerden an den Augen sowie in den oberen Atemwegen. Zudem komme es in seltenen Fällen auch zu Beschwerden in den unteren Atemwegen, eventuell verbunden mit Fieber, Unwohlsein, Schwindel oder Erbrechen. Ihr komme es auf eine Kooperation der Behörden an, die über eine einzelne Kommune hinausgehe, forderte Vera Jaron. Auch die Abstimmung mit den Niederländern sei hilfreich, da diese bereits mehr Erfahrungen hätten.

Es dürfe jedoch nicht nur nach dem Staat gerufen werden, sondern alle Bürgerinnen und Bürger seien im Rahmen ihrer Möglichkeiten gefordert. Dies bedeute aber keinesfalls, Maßnahmen zu ergreifen wie das Abflämmen der Nester oder deren Besprühen mit Lack. Das sei zu gefährlich und führe zudem im Falle des Abflämmens oft zu einer Verwirbelung der giftigen Härchen und verschlimmere die Situation.

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