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19.03.2019, 16:20 Uhr

Flatterulme Baum des Jahres: 125 Setzlinge in Tillenberge

Die Flatterulme ist zum „Baum des Jahres“ gewählt worden. Unweit der Heideflächen im Naturschutzgebiet Tillenberge bei Nordhorn ist die Baumart gleich mehr als hundert Mal gepflanzt worden – ansonsten bleibt sie in der Grafschaft eine kleine Besonderheit.

Flatterulme Baum des Jahres: 125 Setzlinge in Tillenberge

Eine Flatter-Ulme (Ulmus laevis) Foto: von Jutrczenka/dpa

Von Carl Hesebeck

Nordhorn Genau wie ihre beiden Verwandten, die Feld- und die Bergulme, ist die Flatterulme in Deutschland selten geworden und gilt in sieben Bundesländern laut Roter Liste als gefährdet. Den anderen beiden Ulmenarten hat vor allem die „Holländische Ulmenkrankheit“ zu schaffen gemacht.

Der Erreger ist ein kleiner Pilz, der mit Holzimporten aus dem ostasiatischen Raum nach Europa kam und im Holz die Wasserleitungsbahnen verstopft. Erst sterben nur einzelne Äste ab, später dann meist die gesamte Krone befallener Bäume.

Von Europa aus gelangte der Erreger schließlich mit einer Schiffsladung auch in die USA, wo die Krankheit seitdem unter den Ulmen wütet. Mitte der 1960er-Jahre kam eine deutlich aggressivere Variante des Erregers dank des globalen Handels wieder zurück nach Europa, seitdem sind bundesweit nahezu alle Feldulmen verschwunden und auch um die Bergulmen steht es schlecht. Das liegt nicht zuletzt auch am Ulmensplintkäfer, der seine Wirtsbäume beim Befall unbeabsichtigt mit der Krankheit infiziert.

Weil die Flatterulme nicht zum „Beutespektrum“ dieses Insekts zählt, bleibt sie von der Ulmenwelke nahezu verschont. Sie wird nur selten infiziert und geht zumeist nicht an der Krankheit zugrunde. Dennoch ist es auch um diese Ulmenart nicht gut bestellt. „Ursache ist der starke Verlust ihrer natürlichen Lebensräume im Verlauf der letzten zwei Jahrhunderte“, schreibt die „Baum des Jahres – Dr. Silvius Wodarz Stiftung“, die jährlich die Wahl zum Baum des Jahres trifft.

Flatterulme Baum des Jahres: 125 Setzlinge in Tillenberge

In kleinen Gruppen sind 125 Flatterulmen in einer Forstkultur mit anderen Baumarten in Tillenberge gepflanzt worden. Foto: Hesebeck

Als Lebensraum dienen der Flatterulme, die Wuchshöhen von mehr als 30 Meter erreichen kann, Flussauen und überflutete Gebiete. Mehr noch als Berg- und Feldulme ist sie auf feuchte Standorte angewiesen, wo sie markante Brettwurzeln ausbildet.

Im Naturschutzgebiet Tillenberge konnten kürzlich gleich 125 Setzlinge des diesjährigen Baumes des Jahres gepflanzt werden. „Unweit des Vechtewehrs haben wir eine Fläche aufforsten lassen, die bislang als Grünland genutzt wurde. Neben Stieleichen, Hainbuchen und Feldulmen wurden auch Flatterulmen gepflanzt“, erzählt Gerwin Rademaker vom Amt für Stadtentwicklung, das unter anderem für die Forstflächen der Stadt Nordhorn zuständig ist. „An die Fläche schließt ein junger Eichenwald an, der ebenfalls auf einem feuchteren Standort steht. Die Flatterulmen sollten hier also einen für sie passenden Lebensraum vorfinden“, ergänzt Bezirksförsterin Monika Voges von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die die Forstkultur für die Stadt Nordhorn geplant hat.

Um die jungen Triebe vor Verbiss zu schützen, wurde die Kultur eingezäunt. Sobald die Triebe der jungen Bäumchen sich in entsprechender Höhe befinden und nicht mehr abgefressen werden können, wird der Zaun wieder abgebaut.

Die Forstkultur dient als Ausgleichsfläche für die Rodung von Wäldern im Stadtgebiet, etwa für Wohngebiete oder Gewerbeflächen. „Diese Flächen werden möglichst nah im Bereich des Eingriffs hergerichtet und sind ehemalige Acker- oder Grünlandflächen“, erklärt Rademaker. Für feuchte Standorte, wie an der Vechte in Tillenberge, ist die Flatterulme sicherlich eine gute Option, um die Artenvielfalt zu erhöhen und naturnahe Lebensräume zu schaffen.

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