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04.10.2017, 17:48 Uhr

Experte: Für Umgang mit dem Trauma gibt es kein Patentrezept

Zu Gast bei der Grafschafter Hospizhilfe war Dipl.-Psychologe Thomas Weber. Er sprach im Kloster über das Thema „Trauer und Trauma – die Hilflosigkeit der Betroffenen und der Helfer“ und zeigte auf: Für den Umgang mit dem Trauma gibt es kein Patentrezept.

Experte: Für Umgang mit dem Trauma gibt es kein Patentrezept

Thomas Weber referierte über den Umgang mit Trauma und Trauer. Foto: privat

gn Nordhorn. Die voll besetzte Aula des Klosters bewies, dass das Thema auf großes Interesse traf. Das Publikum dankte Thomas Weber, Geschäftsführer des Zentrums für Trauma- und Konfliktmanagement aus Köln, mit lang anhaltendem Beifall für einen Vortrag, der das Thema lebendig, abwechslungsreich, humorvoll und doch inhaltlich sehr fundiert und für die Hospiz-Arbeit hilfreich behandelte.

Sobald ein Mensch geboren ist, ist er laut Weber alt genug, um traumatisiert zu werden. Verluste verschiedenster Art bedrängen Menschen in jedem Lebensalter. Bei „Trauer“ und „Trauma“ gehe es um sehr Unterschiedliches: Das Grundgefühl von Trauer ist Traurigkeit, ein schmerzhaftes Erinnern, in der Regel bewusst durchlebt; Trauma hingegen hat als Grundgefühl die Angst. Man ist Gefangener der Erinnerung, reagiert mit Übererregung und einem beeinträchtigten Sicherheitsgefühl.

Weber betonte, dass es für den Umgang mit einem Trauma kein Patentrezept gibt. So wie jeder Mensch besonders ist, ist auch die Methode des Umgehens mit Traumatischem unterschiedlich: Manche wollen über ihre Befindlichkeit reden, andere bewusst nicht; für manche ist eine Therapie wertvoll, für andere sinnlos. Es sei unratsam, ein Gespräch mit einem Betroffenen auf die Gefühlslandschaft zielend zu eröffnen: „Wie geht es dir?“ Hilfreicher wäre es, auf ein pragmatisches Tun zu zielen: „Was möchtest du jetzt gerne tun?“

Helfer wie etwa in der Hospizhilfe oder Familienangehörige sollten damit rechnen, dass „Traumatisierung ansteckend ist“: Gefahren sind eine Übertragung der Traumatisierung auf den Begleitenden oder Abstumpfung und Müdigkeit. Ein Problem dabei: Mitleid schleift sich nach einer gewissen Zeit, nach zwei bis drei Monaten, ab; dann wird einem der Umgang lästig. Man möchte, dass das Problem möglichst bald verschwindet, was aber nicht geht. Man sollte damit rechnen, dass sich traumatische Phänomene kaum vor 18 Monaten abbauen: „Trauma braucht Zeit!“

Helfen könne Mitgefühl (kein Mitleid), Fürsorge, kein Bedrängen, keine Vorwürfe: Traumatisierte brauchen neue Strukturen für ihr Leben, woraus sie Sicherheit gewinnen, Stabilität in den Beziehungen, eventuell – aber eher weniger – eine Therapie. Letztlich geht es darum, dass der Betroffene wie die Begleiter die Selbstkontrolle über ihr Leben wieder gewinnen, dass man deren individuelle Art des Umgehens mit der Irritation gelten lässt: „Offen, ehrlich, alltagstauglich.“

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