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10.04.2018, 16:55 Uhr

Ausstellung zeigt Tätowierungen als Form der Erinnerung

Voll besetzt war der Vortragsraum der Stadtbibliothek, als es um die Eröffnung der Ausstellung „Trauertattoo – Unsere Haut als Gefühlslandschaft“ ging, die bis zum 28. April zu sehen ist. Organisiert hat diese Ausstellung die Grafschafter Hospizhilfe.

Ausstellung zeigt Tätowierungen als Form der Erinnerung

Eindrucksvoll schildert Gabi Schroth aus Leipzig ihrem Interviewpartner Martin Liening ihre Erfahrungen mit einem Trauertattoo als besonderer Form der Erinnerungskultur. Foto: Naber

gn Nordhorn. Vereinsvorsitzende Renate Kronemeyer stellte dar, dass sie persönlich dem Thema sehr reserviert gegenüber eingestellt war. Angeleitet durch die Ausstellung, gestaltet durch TV-Moderatorin Katrin Hartig und Fotografin Stefanie Oeftz-Geffrath, habe sie aber erfahren, dass durchaus viele Menschen in der Trauer sich tätowieren lassen: einen besonderen Schriftzug, ein Symbol, eine Zeichnung, ein Datum und vor allem: ein Name.

Hintergründe über diese besondere Form, Trauer nach außen zu zeigen, wolle die Ausstellung erlebbar machen und so auch um Verständnis für diese Form einer Erinnerungskultur werben.

Im Mittelpunkt stand das Gespräch mit einer der in der Ausstellung dargestellten Personen, Gabi Schroth aus Leipzig, das auf lockere und doch eindringliche Weise von Martin Liening geführt wurde. Sie legte dar, wie sie durch die Gestaltung eines Tattoos die Trauer um ihren Sohn zum Ausdruck bringen konnte. Auf ihrem rechten Oberarm waren nach und nach entstanden: ein Porträt des Sohnes mit seiner geliebten Basecap, zwei Rosen, die ein Herz bilden, ein Kreuz mit den Namen der Kinder, sodass auch der jüngere Sohn seinen Platz an diesem Ort fand, und Tränen. Schmerzt es nicht, sich ein Tattoo „stechen“ zu lassen? „Doch“, sagt Gabi Schroth, „es tut weh. Aber der Schmerz, der sonst das Herz beschwert, kommt jetzt an einen anderen Ort.“ Sie setze sich ab von der allgemeinen Tattoo-Mode: „Hinter jeder einzelnen Tätowierung steckt eine Geschichte.“ Und jedes Motiv sei eine Einladung zur Kommunikation. Für Gabi Schroth gilt in jedem Fall in der Trauer: „Sprecht die Leute in der Trauer an! Schweigt nicht darüber, was die anderen so intensiv berührt“, lautete ihr Ratschlag, wie man mit Trauernden umgehen solle. Kritisch wurde aus dem Publikum gefragt, ob das unveränderbare Eingravieren der Trauer in die Haut nicht verhindere, dass der Verlust eines Menschen im Laufe der Zeit mehr und mehr bewältigt werde. Gabi Schroth: Trauer bleibe immer, verändere sich aber, ein so eintätowiertes Zeichen lasse die Erinnerung verstetigen – und von dieser Erinnerung zehre man. Mit Applaus wurde das Gespräch bedacht. Den musikalischen Rahmen bildeten an den Gitarren Jörg Fillinger und Arno Heilgenberg und mit Gesang und Mundharmonika Martin Liening.

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten der Stadtbibliothek zu sehen. Es gibt einen Katalog mit Bildern und Texten (Preis: 14,90 Euro).

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