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27.05.2020, 11:44 Uhr / Lesedauer: ca. 4min

„Petri heil“: Angelverein Neuenhaus hat 70. Geburtstag

Auf eine lange Geschichte blicken die Mitglieder des Angelvereins Neuenhaus zurück. Wegen der Corona-Maßnahmen konnten die rund 800 Mitglieder ihr Jubiläum noch nicht feiern. Das soll aber nachgeholt werden, verspricht der Vorsitzende Friedhelm Gießmann.

Blick in die Vergangenheit: In den 1950er-Jahren war die Netzfischerei noch gängige Praxis. Sogenannte „Poolgänger“ fischten mit Netzen die Ufer an Dinkel und Vechte ab. Foto: privat

Blick in die Vergangenheit: In den 1950er-Jahren war die Netzfischerei noch gängige Praxis. Sogenannte „Poolgänger“ fischten mit Netzen die Ufer an Dinkel und Vechte ab. Foto: privat

Neuenhaus Als neun engagierte Petri-Jünger in der ehemaligen Neuenhauser Gaststätte „van Dyken“ in einem zweiten Anlauf am 20. Januar 1950 die Geburtsstunde des Angelvereins Neuenhaus einläuteten, verschwendeten sie sicherlich noch keinen Gedanken daran, dass der Verein 70 Jahre später auf mehr als 800 Mitglieder angewachsen sein würde.

Die beiden Initiatoren, der pensionierte Sparkassen-Kaufmann Johannes Borchers und der Friseurmeister Gerhard de Witte, leiteten danach für mehrere Jahre die Geschicke des Vereins und schufen ein Vereinsgerüst, das auch heute noch in wesentlichen Bestandteilen gilt. In den folgenden Jahren konnten nach und nach Gewässerstrecken an Vechte und Dinkel gepachtet werden. Heute verfügen die Neuenhauser Angler über fast 25 Kilometer Angelgewässer an Vechte, Dinkel und Lee, die Horsinks Teiche und Visschers Teich mit mehr als sechs Hektar Fläche und die Grenz-Aa von Laar bis zum Wietmarscher Moor mit einer fischbaren Strecke von 15 Kilometern.

Angeln im Wandel der Zeit

Während die Angelfischerei bis in die 1950er-Jahre noch traditionell der Nahrungsbeschaffung diente, entwickelte sie sich bis in die „Achtziger“ mehr und mehr zum „Sport“. Angel-Wettkämpfe, die als Landes-, Europa- und Weltmeisterschaften ausgetragen wurden, erfreuten sich großer Popularität. Gleichwohl fand die „Sportfischerei“ in Deutschland gesellschaftlich aber nach und nach immer weniger Anerkennung. Der Tierschutzgedanke erhielt in Gesetzgebung und Rechtsprechung einen immer größeren Stellenwert und ist seit vielen Jahren sogar im Grundgesetz verankert. Wettkämpfe und Meisterschaften unter sportlichen Gesichtspunkten sind heute in Deutschland längst verboten. Vereinsinterne Angelveranstaltungen dürfen nur noch als sogenanntes „Hegefischen“ nach strengen Regeln abgehalten werden.

Die Angler mussten sich neu definieren und taten das in Neuenhaus unter der Regie des damaligen Vorsitzenden Hartmut Crede. Crede, engagiertes BUND-Mitglied und mittlerweile Ehrenvorsitzender des Angelvereins führte die Neuenhauser Angler in eine neue Philosophie, die geprägt war von „Umwelt, Natur-, Landschafts- und Artenschutz“.

Heute gehört es wie selbstverständlich zu den Aufgaben der Neuenhauser Angler, nachhaltig ihre Gewässer und den Fischbestand zu hegen und zu pflegen. Das Prinzip lautet: Regulierung des Fischbestandes durch Schaffung natürlicher Nahrungsgrundlagen und Lebensräume. Besatzmaßnahmen werden auf das Notwendigste reduziert. Seit Jahren unterstützt der Angelverein Neuenhaus verschiedene Projekte zum Schutz bedrohter Arten und arbeitet dabei eng mit dem Landesfischereiverband Weser-Ems und den Naturschutzverbänden zusammen.

Der Vorstand

Im Jubiläumsjahr hat sich der Vorstand der Angler im März auf einigen Posten neu aufgestellt. Der Vorsitzende Friedhelm Gießmann, der seit mehr als zwölf Jahren erfolgreich die Geschicke der Angler leitet, darf auf ein engagiertes Team aus erfahrenen Vorstandsmitgliedern und neuen jungen Akteuren zurückgreifen: Stellvertretender Vorsitzender und Geschäftsführer ist Albin Trüün. Er verfügt bereits über fast 20-jährige Vorstandserfahrung und war bislang 1. Fischereiaufseher. Als Schriftführer konnte Daniel Schrovenwever neu gewonnen werden. Der passionierte Angler machte sein Hobby zum Beruf und leitet die Filiale eines Angelladens in Emlichheim. Neuer Chef der Finanzen ist Sven Wolthaus. Er stammt aus dem „Angler-Nachwuchs“ des Vereins und steht für die Verjüngung des Vorstandes. Uwe Egberink, im Hauptberuf Polizeibeamter, tritt die Nachfolge als 1. Fischereiaufseher an. Frank Weustink gehört als Hegewart bereits seit einigen Jahren zum Vorstand und kümmert sich außerdem um die Aus- und Fortbildung. Er organisiert die Lehrgänge zur Vorbereitung auf die gesetzlich vorgeschriebene Fischerprüfung. Wolfgang Engbers ist als ausgebildeter Gewässerwart des Landesfischereiverbandes der Hauptakteur in der Umsetzung der Gewässer- und Hegemaßnahmen und zusammen mit Frank Weustink verantwortlich für die Aus- und Fortbildung.

Für den Nachwuchs zuständig ist seit vier Jahren Jugendleiter Jens Kotmann. Ihm zu Seite steht Marco Hagelskamp, der selbst als Kind und Jugendlicher in der Nachwuchsabteilung groß geworden ist. Der bisherige Kassenwart Matthias Faber hat nach sechs Jahren sein Amt abgeben. Auch der bisherige 2. Vorsitzende, Marc Brünemeyer, stellte sein Amt zu Verfügung. Brünemeyer war zehn Jahre lang Geschäftsführer und hat in dieser Zeit auch sechs Jahre lang die Lehrgangsteilnehmer zur Fischerprüfung geführt. Er wird den Anglern aber weiterhin als Vorsitzender des Ehren-Rates zur Verfügung stehen. Ebenso hatte Johann Albers erklärt, nach vier Jahrzehnten Vorstandsarbeit in den verdienten Ruhestand treten zu wollen. Das Urgestein des Vorstandes wurde am 1. März 1980 zum Schriftführer des Angelvereins Neuenhaus gewählt und hatte dieses Amt bis heute inne. Von 1994 bis 2014 hat der pensionierte Sozialpädagoge die Ausbildung in den Lehrgängen zur Fischerprüfung durchgeführt. Albers wurde 2010 mit der Goldenen Ehrennadel des Landesfischereiverbandes ausgezeichnet.

Friedhelm Gießmann würdigte ganz besonders die Arbeit von Johann Albers, der in 40 Jahren Vorstandsarbeit den Verein maßgeblich mitgeprägt hat und in all den Jahren immer ein wertvoller Ratgeber war. „Leider hat die Corona-Pandemie auch den Anglern einen Strich durch ihre Rechnung gemacht. Alle geplanten Veranstaltungen zum 70-jährigen Jubiläum mussten abgesagt werden. Wir denken über Ersatzveranstaltungen nach, sobald wieder Normalität eingekehrt ist“, so der 1. Vorsitzende Gießmann.

Kleiner Rückblick auf das vergangene Angeljahr

Den größten Raubfisch des Jahres 2019 fing Hermann Egbers. Er landete am 10. November 2019 einen 92 Zentimeter langen und 6200 Gramm schweren Esox. Jugendkönig wurde Niklas Jansen vor Malte Kotmann und Fabian Mittelstädt. Zum Seniorenkönig gekürt wurde Frank Weustink vor Patrick Berends und Jan-Hermann Meinderink.

Das Vorstandsteam (von links): Vorsitzender Friedhelm Gießmann, Wolfgang Engbers, Daniel Schrovenwever, Jens Kotmann, Albin Trüün und Uwe Egberink. Es fehlen Frank Weustink, Sven Wolthaus und Marco Hagelskamp. Foto: privat

Das Vorstandsteam (von links): Vorsitzender Friedhelm Gießmann, Wolfgang Engbers, Daniel Schrovenwever, Jens Kotmann, Albin Trüün und Uwe Egberink. Es fehlen Frank Weustink, Sven Wolthaus und Marco Hagelskamp. Foto: privat

Das Angeln ist seine große Leidenschaft: Johann Albers, der nach vierzig Jahren Vorstandstätigkeit nun in den „endgültigen“ Ruhestand ging.Foto: privat

Das Angeln ist seine große Leidenschaft: Johann Albers, der nach vierzig Jahren Vorstandstätigkeit nun in den „endgültigen“ Ruhestand ging.Foto: privat

Guter Fang: Johann Staal (links) mit einem Karpfen von 27 Pfund im Juli 1955. Foto: privat

Guter Fang: Johann Staal (links) mit einem Karpfen von 27 Pfund im Juli 1955. Foto: privat

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