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2022-06-mlueken
Martin Lüken,
Sportredakteur
22.08.2022, 11:22 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Kultur

Kunstverein in Neuenhaus widmet sich Victoria zu Bentheim

In der Ausstellung „The Burnt Letters of Victoria“ geht es um Victoria zu Bentheim und fiktionalisiert die verdrängten Teile ihrer Geschichte mit Arbeiten von fünf zeitgenössischen Künstlern. Grafik: Federica Partinico

In der Ausstellung „The Burnt Letters of Victoria“ geht es um Victoria zu Bentheim und fiktionalisiert die verdrängten Teile ihrer Geschichte mit Arbeiten von fünf zeitgenössischen Künstlern. Grafik: Federica Partinico

Der Kunstverein Grafschaft Bentheim freut sich, die Ausstellung „The Burnt Letters of Victoria“ vom 28. August bis zum 18. September, zu präsentieren. Sie basiert auf der historischen Person Victoria zu Bentheim (1887-1961) und fiktionalisiert die verdrängten Teile ihrer Geschichte im Dialog mit den Arbeiten von fünf zeitgenössischen Künstlern.

Als eine der ersten Architektinnen in Deutschland war Victoria zu Bentheim nie verheiratet. Bis heute existiert das Gerücht, dass sie Frauen liebte. Ihre Briefe, die längst verbrannt sind, überdauern als Mythos zerstörter Relikte aus einer Zeit großer sozialer, kultureller und politischer Umbrüche.

Die Künstlerin Tanya V. Abelson testet Eigenschaften von Materialien zu-, gegen- und miteinander aus. In der Arbeit „The Ship of Dreams“ (2022) kombiniert sie einen Schlafsack aus industriell hergestellten Stoffen mit einem Gerüst aus einer glatten, gebogenen Eisenstange. Der Schlafsack, der exakt die Größe eines Menschen wiedergibt, wird auf dem Gerüst zu einem Boot, das durch nächtliche Träume schwebt. Das Objekt ist wie ein Damenschuh mit Absatz geformt, der in seinem selbstbewussten Auftritt sich selbst feiert und seine potentielle Trägerin spiegelt. Victoria zu Bentheim arbeitete als eine der ersten Frauen in Deutschland als Architektin. Für diesen Beruf brauchte sie ein Gespür für die Balance von Formen und Materialien, gleichwohl benötigte sie in dieser Männerdomäne eine Vision und Selbstbestimmtheit.

Der Künstler Philipp Gufler honoriert in seiner Praxis queere Geschichtsschreibung und schafft damit Vorbilder, Erinnerungen und Hommagen an Personen, die die Normen und Werte ihrer Zeit offengelegt und kritisiert haben. Philipp Guflers Arbeiten beziehen sich auf queere Orte oder Persönlichkeiten. Ihre Geschichten zeugen von Leerstellen und von dem Versuch der Auslöschung queeren Lebens. Die queere Identität von Victoria zu Bentheim liegt heute im Spekulativen, weil sie durch die Verbrennung ihrer Briefe die Anzeichen oder Beweise dafür auslöschte. Die Geschichten der Personen in den Arbeiten von Philipp Gufler stehen in der

Ausstellung ein Stück weit stellvertretend für die Geschichte von Victoria zu Bentheim.

Jordan/Martin Hells interdisziplinäre Arbeiten beschäftigen sich mit Erinnerung, Unterbewusstsein und Wahrnehmung. Er konstruiert Erzählungen, die sich in seinen Büchern und Kunstwerken fortsetzen. Für die Ausstellung „The Burnt Letters of Victoria“ hat er eine Novelle mit dem Titel „V for Victoria“ geschrieben, die in surrealistisch-absurdem Erzählstil das Leben der Prinzessin Victoria zu Bentheim imaginiert.

François Pisapia entwickelt gemeinsam mit Pauli Scharlach die fotografische Serie „Die Ausreißerin“ die wie ein Film funktioniert. In seiner Praxis beobachtet Pisapia exakt seine Umgebungen, die er fotografiert, literarisch beschreibt und interpretiert. Ihn interessieren Themen wie Romantik, Infrastrukturen, Landschaftsarchitektur, Vorstellungen vom Eigenheim und Rückzugsorten. Pauli Scharlach hingegen sucht immer wieder die Grenzen, die das Thema Transgenderidentität umgeben, um diese dann zu brechen und neu

zu formulieren. Victorias Leben als Aristokratin war bis zu einem gewissem Grad voyeuristisch geprägt: Sie musste sich Freiheiten suchen, um Spielraum jenseits des öffentlichen oder familiären Blicks zu gewinnen. In ihren Briefen hätte sie womöglich ihre Fantasie und Imagination frei entfalten und ihr Begehren in Worte fassen können.

Weitere Informationen gibt es auf www.kvgb.de. Die Ausstellung „The Burnt Letters of Victoria“ wird am Samstag, 27. August, um 19 Uhr eröffnet.

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