Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
17.10.2017, 14:42 Uhr

12.000 Euro zur Förderung der plattdeutschen Sprache

Die Grafschafter Sparkassenstiftung unterstützt ein zweites Wörterbuchprojekt des „Groafschupper Plattproater Kring“.

12.000 Euro zur Förderung der plattdeutschen Sprache

Spendenübergabe vor historischer Kulisse in Neuenhaus. Das Foto zeigt (von links): Berend Vette, Albert Rötterink, den Stiftungsratsvorsitzenden Hubert Winter, Gertrud Stegemerten und Harm Hindrik Schoo beim alten Rathaus. Foto: Kersten

gn Neuenhaus. Der „Groafschupper Plattproater Kring“ hat nach fünf Jahren akribischer Vorbereitung das Grafschafter Plattwörterbuch „Plattdeutsch – Hochdeutsch“ vollendet. Mehr als 4000 plattdeutsche Wörter trug eine Arbeitsgruppe um den Nordhorner Harm Hindrik Schoo und den Neuenhauser Berend Vette zusammen und übersetzte sie ins Hochdeutsche. Damit brachte der „Plattproater Kring“ ein ehrgeiziges Projekt in Zusammenarbeit mit dem „Arbeitskreis Plattdeutsch“ des Landkreises Grafschaft Bentheim erfolgreich zu Ende.

Im Jahr 2009 veröffentlichte der „Plattproater Kring“ bereits das Wörterbuch „Hochdeutsch – Plattdeutsch“. Wie vor acht Jahren förderte die Grafschafter Sparkassenstiftung die Erstellung des Plattwörterbuchs – dieses Mal mit 12.000 Euro. Die Stiftung unterstreicht damit einmal mehr ihr Engagement für die heimische Kultur.

Grafschafter veröffentlichen neues Platt-Wörterbuch
Neuenhaus: Die plattdeutsche Sprache befindet sich in der Grafschaft auf dem Rückzug. Dieser Entwicklung wollen die Mitglieder des Groafschupper Plattproater Krings und des Arbeitskreises Plattdeutsch Einhalt gebieten. Gemeinsam haben sie darum ein neues Wörterbuch herausgebracht.

„Im Förderfeld Kunst und Kultur spielt die Unterstützung heimischer Kulturprojekte in der Brauchtumspflege und Förderung der plattdeutschen Sprache eine bedeutende Rolle. Ich hoffe, dass dieses Buchprojekt mit dazu beiträgt, das Plattdeutsche im Grafschafter Alltag zu festigen und selbstverständlicher zu machen“, betonte Hubert Winter, Stiftungsratsvorsitzender, bei der Spendenübergabe. Darüber hinaus, so Winter, habe sich auch die Kreissparkasse Verdienste um die plattdeutsche Sprache erworben. Seit Jahrzehnten veranstalte sie in Kooperation mit dem Heimatverein Grafschaft Bentheim den alle zwei Jahre stattfindenden Wettbewerb „Schüler lesen Platt“.

Nach Angaben von Albert Rötterink, Vorsitzender des „Groafschupper Plattproater Kring“, wurden die plattdeutschen Wörter aus dem ersten Buch wörtlich übernommen und durch viele weitere plattdeutsche Wörter ergänzt. Zum Teil sind sie bekannter Heimatliteratur entnommen oder stammen aus dem täglichen Sprachgebrauch der Arbeitsgruppenmitglieder. „Dabei sind viele Wörter aufgenommen worden, die heute kaum noch gebraucht werden. Sie sollen nicht verloren gehen und an die nachkommenden Generationen weitergegeben werden“, verdeutlicht Rötterink den besonderen Effekt des Buches. Einen Anspruch auf Vollständigkeit gebe es laut Rötterink aber auch nach fünfjähriger intensiver Recherche nicht.

Nachdem der „Plattproater Kring“ das erste Wörterbuch veröffentlicht hatte, kam schnell der Wunsch auf, auch ein Wörterbuch zu erstellen, das vom Plattdeutschen ins Hochdeutsche übersetzt. Obwohl die plattdeutsche Sprache in der Grafschaft eine Jahrhundert alte Tradition hat, nimmt ihre Bedeutung immer mehr ab. Um diesem Rückgang entgegenzuwirken, wurde 2006 beim Landkreis der „Arbeitskreis Plattdeutsch“ gegründet.

Eine Arbeitsgruppe von sechs Personen wurde aus dem genannten Kreis und dem „Plattproater Kring“ heraus gebildet, um das zweite Wörterbuch zu erstellen. Bei der Auswahl der Mitwirkenden wurde darauf geachtet, dass möglichst alle in der Grafschaft bestehenden Sprachbereiche vertreten sind. Dazu gehören Karl-Heinz Eiskamp aus Schüttorf, Steven Lambers aus Laar, Gertrud Rötterink aus Emlichheim, Harm Hindrik Schoo aus Nordhorn, Gertrud Stegemerten aus Gildehaus und Berend Vette aus Neuenhaus.

Bei der Schreibweise der Wörter haben sich die Mitwirkenden an die im ersten Wörterbuch vorgegebenen Regeln gehalten. Es gab aber auch immer wieder Beispiele, bei denen über die Schreibung der Wörter diskutiert wurde. Rötterink betont: „Bereits der Heimatdichter Karl Sauvagerd stellte fest, dass es keine verbindliche Rechtschreibung im Plattdeutschen gibt. Jeder kann im Grunde so schreiben, wie er möchte. Unsere erarbeitete und dargestellte Schreibweise ist ein Vorschlag, hoffentlich ein brauchbarer.“

Interessierte können das 156 Seiten starke Wörterbuch ab Mitte November sowohl im Buchhandel (ISBN 978-3-981 8211-2-3) als auch beim „Groafschupper Plattproater Kring“ in Emlichheim zum Preis von 12 Euro erwerben. Zusätzlich stellt der Plattproater Kring die Publikation dank der Spende der Sparkassenstiftung auf Anfrage Kindertagesstätten und Grundschulen in der Grafschaft kostenlos zur Verfügung. Voraussetzung ist, dass in diesen Einrichtungen auch Plattdeutsch angeboten und geübt wird.

Kontakt: „Groafschupper Plattproater Kring e.V.“, Emslandstraße 20, Emlichheim, Telefon 05943 4585, E-Mail: albert.roetterink@t-online.de.

Lesermeinung
Bitte melden Sie sich an, um Kommentare lesen und schreiben zu können.
Portale