15.01.2022, 12:00 Uhr

Zum Sonntag

Zeit für gute Vorsätze

Neues Jahr, neue Vorsätze. Also gute Vorsätze. Immer wieder das Gleiche. Einige Klassiker davon sind: Mehr Bewegung, weniger Alkohol, weniger rauchen (oder, was noch besser ist, damit aufhören), allgemein mehr auf die Gesundheit achten, Aufgaben rechtzeitig erledigen, nichts mehr aufschieben, sich mehr Zeit nehmen für Familie, Freunde, Hobbys und nicht zuletzt sich selbst – nur, um ein paar davon zu nennen …

Und da haben wir es schon wieder: Leistungsdruck. Und damit ist dieses Projekt der guten Vorsätze zwar nicht unbedingt zum Scheitern verurteilt, aber zumindest bedroht.

Beim Autofahren hörte ich in dieser Woche die Radiosendung „Kirche im WDR“. Dort erzählte eine Pfarrerin von ihrem neuen Anlauf in diesem neuen Jahr. Sie will das Liebesgebot, „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, mehr beherzigen und dazu braucht sie ein Utensil: ein Fläschchen Liebesperlen. Diese bunten Zuckerkügelchen von früher. Von denen will sie sich pro Tag eine gönnen, oder auch mehrere. Dabei steht jede Farbe für ein Vorhaben. Rot: Jemanden besuchen, der einem guttut. Grün: Einen Spaziergang an der frischen Luft machen. Blau: Schwimmen gehen. Violett: meditieren, träumen, Zeit zum Gebet. Gelb: Sich etwas Besonderes kochen, eine Kleinigkeit naschen. Jeden Tag notiert sie sich in der entsprechenden Farbe im Kalender, welche Liebesperle sie sich gegönnt hat, und zieht am Ende der Woche Bilanz. So kann sie dann auf einen Blick sehen, ob sie gut zu sich war oder sich zu sehr vergessen hat.

Das Ganze kann man natürlich auch umgekehrt machen. Jede Kugel für eine gute Tat. Rot: Jemanden besuchen, von dem man weiß, dass er einsam ist. Grün: Auf Nachhaltigkeit achten und etwas für die Umwelt tun. Gelb: Muffins backen und sie für die Kollegen mit ins Büro nehmen. Violett: Für jemanden beten und es ihm sagen. Auch hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Die Radiopfarrerin im WDR kommt zu dem Schluss: Am besten hat man zwei Flaschen Liebesperlen. Eine für sich selbst und eine für andere und anderes. Und auch hier werden natürlich in entsprechender Farbe Einträge im Kalender gemacht.

Das gefällt mir! Und auch ich will es mal versuchen. Im besten Falle habe ich dann am Ende des Jahres 365 bunte Seiten und jede davon erzählt mir, was für ein buntes und vielfältiges Jahr hinter mir liegt. Leistungsdruck? Nein! Dieses Projekt klingt jedenfalls für mich nach Spaß und Freude, nach überraschenden Einblicken in die Buntheit meines Lebens – und sogar auch danach, dass ich es durchhalten kann.

Corinna Pfannkuche ist Pastorin der lutherischen Kirchengemeinde Schüttorf