25.06.2022, 12:00 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Zum Sonntag

Wie schmeckt der Sommer?

Von Julia Kampsen

Am 21. Juni war kalendarischer Sommeranfang. Wir befinden uns mitten in der Hoch-Zeit des Jahres – die Bäume strotzen vor sattem Grün; rot leuchten Kirschen und Johannisbeeren; Kohlrabi, Salat und Tomaten wachsen; es ist lange hell und viele genießen die lauen Sommerabende.

In einem Gedicht von Ilse Kleberger über den Sommer heißt es unter anderem: Weißt du, wie der Sommer riecht? Nach Birnen und nach Nelken, nach Äpfeln und Vergissmeinnicht, die in der Sonne welken, nach heißem Sand und kühler See und nassen Badehosen, nach Wasserball und Sonnenkrem, nach Straßenstaub und Rosen. Weißt du, wie der Sommer schmeckt? Nach gelben Aprikosen und Walderdbeeren, halb versteckt zwischen Gras und Moosen, nach Himbeereis, Vanilleeis und Eis aus Schokolade, nach Sauerklee vom Wiesenrand und Brauselimonade.

Und, wie schmeckt bei Ihnen der Sommer? Vielleicht auch nach leckerem Eis – bei 25 Grad und Sonnenschein?

Nachdem sich auch in diesem Jahr der Preis für eine Kugel Eis wieder vielerorts erhöht hat, kommt vielleicht eine Studie gerade recht, die zwei österreichische Wirtschaftsforscher vor einigen Jahren durchgeführt haben: Michael Kirchler und Stefan Palan ließen Probanden in Eissalons in Innsbruck und München jeweils eine Tüte Eis kaufen. Einige blickten das Personal besonders freundlich an, lobten die lecker aussehenden Sorten in der Auslage oder legten vorab den passenden Geldbetrag, bereits mit Trinkgeld, auf den Tresen. Andere sollten dagegen neutral ihr Eis bestellen, den Blick dabei eher auf die Eistheke gerichtet als ins Gesicht ihres Gegenübers. Danach wurden die gekauften 100 Tüten Eis gewogen. Das Ergebnis: Kunden, die sich anerkennend äußerten, erhielten mehr Eiscreme, im Schnitt 10 Prozent. Zeigten sie über mehrere Tage in Folge solch nettes Verhalten, erhöhte sich die Menge noch einmal. Fazit: Freundlichkeit scheint sich also auszuzahlen; es lohnt sich, dem Nächsten gegenüber zugewandt zu sein, ihm ein nettes Wort zu gönnen.

Doch Berechnung und Kalkül sollten nicht der Grund für Freundlichkeit sein. Nein, um ihrer selbst willen sollen wir unseren Mitmenschen unsere Aufmerksamkeit und Wertschätzung schenken. Ich denke da auch an Jesus, der einmal erklärte, dass man zu einem Festmahl nicht Freunde, Verwandte oder die reichen Nachbarn einladen solle, sondern Menschen, die aufgrund von Armut oder Krankheit außerhalb der Gesellschaft stünden und keine Gegeneinladung aussprechen könnten. Gerade diese nicht-berechnende Freundlichkeit wird glücklich machen – und zwar beide Seiten. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schöne Sommerzeit und viele freundliche Begegnungen!

Julia Kampsen ist Pastoralreferentin in der Stadtpfarrei St. Augustinus Nordhorn

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