18.08.2021, 06:00 Uhr / Lesedauer: ca. 2min

Guten Morgen!

Wer fängt hier wen?

Von Anke Mücke

Für Fischer gehört es zum Alltag, Ruderer fürchten es wie die Pest und so mancher Urlaubsgast an Nord- und Ostsee macht sich daraus ein kleines Abenteuer: einen Krebs zu fangen. Zur letzten Kategorie gehört wohl auch ein Mann, den wir kürzlich bei einem Tagesausflug in einem beschaulichen Nordsee-Örtchen trafen. Vollmundig kündigte er an, sich einen Krebs fangen zu wollen. Mit hochgekrempelten Hosenbeinen stapfte er barfuß in das flache Wasser, um nach den Krustentieren Ausschau zu halten. Konzentriert zog er seine Kreise, begleitet von Rufen wie „hier ist einer“ und „oh, entwischt“.

Plötzlich ein begeisterter Aufschrei: „Ich habe einen Krebs gefangen, ich habe einen Krebs gefangen“, gefolgt von einem schmerzverzerrten „Au, Aua, Au“. In Wahrheit hatte der Krebs allerdings ihn gefangen. Er hing mit einer Schere an der Hand des Hobby-Anglers und machte keine Anstalten, sie wieder loszulassen.

Hektisch versuchte der Mann, den Taschenkrebs abzuschütteln – erst in der Luft, dann unter Wasser. Schließlich gelang der Befreiungsakt. Beide Kontrahenten zogen sich mehr oder weniger geschockt in ihren jeweiligen Lebensbereich zurück: Der Mann eilte zur Begutachtung seiner Blessuren an Land, das Scherentier suchte im Wasser das Weite.

Bestimmt berichtet der Krebs noch seinen Urenkeln davon, wie er einmal einen Menschen gefangen – ihm dann aber die Freiheit geschenkt hat.

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