22.07.2022, 11:00 Uhr / Lesedauer: ca. 4min

Post vom Chefredakteur

1. Was in der Zeitung steht… ist richtig und wichtig – oder?

author Von Steffen Burkert

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Neulich hatte mich ein Pastor aus Bad Bentheim eingeladen. Ob ich im Männerkreis seiner Gemeinde einen kleinen Vortrag halten könne, lautete seine Bitte. „Über den Umgang der Presse mit Nachrichten“, sollte der Titel lauten.

Ich habe die Einladung gerne angenommen, aber mit dem Thema tat ich mich doch etwas schwer. Was würde wohl ein Bäcker sagen, der über seinen Umgang mit Mehl berichten sollte? Oder ein Gärtner über seinen Umgang mit Pflanzen? Nachrichten sind für uns Journalisten die Basis; sie sind quasi das Material, das wir verarbeiten. Wie wir mit Nachrichten umgehen, darüber könnte ich nicht nur einen kurzen Vortrag halten, sondern eine ganze Serie schreiben. Und das mache ich auch, ab sofort und in den nächsten Wochen hier in unserer „Post vom Chefredakteur“.

Zugegeben: Ganz neu sind die Gedanken, die ich in den kommenden Ausgaben dieses Newsletters zusammenfasse, nicht. Ich habe schon häufiger vor unterschiedlichsten Zuhörern, aber auch in der Zeitung über unsere Arbeit berichtet. Die zentralen Punkte habe ich für solche Anlässe in sieben Thesen gegliedert. Daraus sind nun sieben Folgen für diese Serie „Was in der Zeitung steht...“ geworden.

Zwischen Information und Fake News

Was in der Zeitung steht… ist wichtig und richtig. So sollte es zumindest sein. Aber ist es auch so? Selbstverständlich haben wir Journalisten diesen Anspruch an unsere Arbeit. Wir wollen objektiv sein, ausgewogen und neutral. Wir wollen gründlich recherchieren, treffend formulieren, gewissenhaft gewichten. Und ich meine, dass wir diesem Anspruch auch – meistens – gerecht werden.

Aber das Vertrauen in Medien, in unsere Arbeit als Journalisten, ist in den vergangenen Jahren geschwunden. Das haben wir zum Beispiel bei unserer Corona-Berichterstattung gespürt, aber auch, als sehr viele Flüchtlinge in die Grafschaft kamen oder aktuell beim Dauerthema Eissporthalle: Mancher Leser wirft uns in diesen Zusammenhängen – häufig sehr pauschal – vor, bewusst falsch oder zumindest einseitig und interessengeleitet zu berichten. Medien stecken in einer Glaubwürdigkeitskrise. „Zwischen Information und Fake News“: So lautete nicht ohne Grund der Untertitel, den ein anderer Veranstalter vor einigen Jahren einem meiner Vorträge gegeben hatte.

Was in der Zeitung steht… ist wichtig und richtig. Aber was ist wichtig? Das wird jeder von Ihnen etwas unterschiedlich beurteilen. Und was ist richtig? Auch darüber besteht wohl nicht immer Einigkeit. Und das nicht erst seit dem amerikanischen Ex-Präsidenten Donald Trump und seinen permanenten „Fake News“-Tiraden.

Einblicke hinter die Kulissen der GN-Redaktion geben wöchentlich Steffen Burkert und Guntram Dörr in der „Post vom Chefredakteur". Kostenlos per Newsletter.

Wer Nachrichten konsumiert und sich ein eigenes, fundiertes Urteil darüber bilden möchte, was wirklich wichtig und richtig ist, der sollte daher wissen, wie das Nachrichtengeschäft funktioniert. Und genau darum geht es in meinen sieben Thesen. Die erste lautet:

Was in der Zeitung steht… muss nicht auf Papier gedruckt sein

Unter einer Zeitung verstehen wir gemeinhin eine regelmäßig erscheinende, auf Papier gedruckte Ansammlung von Artikeln über aktuelle Themen. Ursprünglich stand der Begriff Zeitung aber ganz allgemein für eine Nachricht – unabhängig davon, in welcher Form sie überbracht wurde. Und in diese Richtung haben wir uns – nach fast 150 Jahren Unternehmensgeschichte, die in der Tat überwiegend auf Papier basierten – inzwischen wieder entwickelt. Die Grafschafter Nachrichten sind nach wie vor eine Zeitung – aber eine, die ihre Nachrichten nicht mehr ausschließlich druckt.

Grafschafter Nachrichten gibt es längst auch

Wenn wir also darüber sprechen, „was in der Zeitung steht“, dann sind damit all diese Kanäle gemeint. Dann sprechen wir längst nicht mehr nur über Texte und einzelne Fotos, sondern auch über Bildergalerien, Videos, interaktive Grafiken, digitale Umfragen und Multimedia-Artikel. Der Kern aber bleibt derselbe: Zeitungen sind „Nach – richten“, also Neuigkeiten, „nach denen man sich richten kann“.

Allerdings: Was in der Zeitung steht… ist immer nur ein Teil der Wirklichkeit. Warum das so ist, warum nicht jede Neuigkeit auch eine Nachricht ist, darum wird es in der nächsten Folge meines Newsletters gehen.

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