19.08.2022, 11:00 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Post vom Chefredakteur

5. Was in der Zeitung steht… bildet eher die düstere als die helle Seite der Welt ab

author Von Steffen Burkert

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

haben Sie sich auch schon mal gefragt, warum wir Journalisten eigentlich immer so viel Negatives schreiben? Wenn man die Zeitung liest, könnte man meinen, die Welt bestehe nur aus Mord und Totschlag, aus Korruption und unfähigen Politikern, aus raffgierigen Managern, Pleiten, Pech und Pannen. „Bad news is good news“, lautet eine alte Weisheit meines Berufsstandes. Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten – weil sie sich gut verkaufen. Darum geht es heute in diesem fünften Teil meiner Serie „Was in der Zeitung steht...“.

Mehr kritisieren als loben: Das ist unsere Aufgabe

Es stimmt: Die Medien berichten vor allem über das, was nicht so läuft wie es laufen sollte. Und das hat auf dem Boulevard und im Wettrennen um Klicks im Internet tatsächlich auch knallharte wirtschaftliche Gründe. Aber eben nicht nur. Der Blick auf die Schattenseiten ist eine Kernaufgabe der Presse in unserer Demokratie, deswegen wird sie häufig auch als „Vierte Gewalt“ bezeichnet, als konstituierende Institution im Rahmen der Gewaltenteilung neben Legislative, Exekutive und Judikative. Die Pressefreiheit ist als Grundrecht in der Verfassung garantiert, weil Presseorgane eben mehr sind als reine Wirtschaftsunternehmen. Sie haben in einer demokratischen Gesellschaft einen wesentlichen Einfluss auf die öffentliche Meinung und auf politische Entscheidungen. Und sie nehmen eine zentrale Kontrollfunktion wahr.

Wenn wir Journalisten diese Aufgabe ernst nehmen, dann führt dies zwangsläufig dazu, dass wir mehr Negatives als Positives schreiben, dass wir mehr kritisieren als loben. Das wird, das muss auch in Zukunft so bleiben.

Und wo bleibt das Positive?

Aber: Missstände zu benennen reicht nicht aus. Unsere Leser erwarten von uns verstärkt, dass wir nicht nur Probleme beschreiben, sondern auch Lösungswege aufzeigen. „Konstruktiver Journalismus“, nennt sich dieser Trend der – wie so manche Innovationen in unserer Branche – in Skandinavien entstanden ist. Der konstruktive Journalismus will verstärkt über positive Entwicklungen berichten, damit bei Lesern und Zuschauern eben kein einseitig negatives Weltbild entsteht, das wiederum Populisten mit ihren vermeintlich einfachen Lösungen den Weg bereiten könnte.

Konstruktiver Journalismus bedeutet nicht, dass diese Journalisten Probleme verharmlosen oder ignorieren und die Welt schönfärben. Aber sie gehen einen wichtigen Schritt weiter, indem sie auch aufzeigen, wie diese Probleme gelöst werden könnten. Sie gehen diese Probleme also konstruktiv an und initiieren im Idealfall Diskussionen darüber, wie es positiv weitergehen kann.

Dieser Ansatz ist sicherlich gut und richtig – aber auch schwierig. Es wäre von Journalisten zu viel verlangt, zu jedem Problem auch gleich eine Lösung parat zu haben. Journalisten sind ja nicht die besseren Politiker, Manager oder Funktionäre, auch wenn – zugegeben – manche von uns das zu glauben scheinen. Wenn konstruktiver Journalismus aber bedeutet, dass Reporter nicht nur Probleme benennen, sondern noch tiefer bohren und auch aktiv auf die Suche nach Lösungen gehen, wenn sie konstruktive Vorschläge unterbreiten und auf diese Weise fundierte, ergebnisoffene Debatten anstoßen und in ihren Foren ermöglichen, dann steigert das zweifellos den Wert und die Qualität von Journalismus.

PS: Apropos „Qualität von Journalismus“: Manches, was in der Zeitung steht... ist schlichtweg falsch. Wie wir mit Fehlern umgehen, wird Thema der nächsten Folge meiner Serie sein.

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