25.11.2022, 11:00 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Post vom Chefredakteur

Totrecherchiert: Warum Reporter manchmal viel arbeiten und wenig schreiben

author Von Steffen Burkert

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in den vergangenen Tagen ist es uns gleich zweimal passiert, dass Kollegen eine Geschichte „totrecherchiert“ haben. Das bedeutet: Sie hatten so gründlich nachgefragt, so viele Informationen zusammengetragen, so viele unterschiedliche Sichtweisen eingeholt, dass am Ende klar wurde: Diese Geschichte ist keine Geschichte. Das ursprüngliche Thema hatte sich nach gewissenhaftem Abgleich aller Fakten quasi in Luft aufgelöst. Die Kolleginnen und Kollegen haben sehr viel Arbeitszeit und Energie in eine Recherche gesteckt, letztlich aber keinen Artikel geschrieben. Sie, liebe Leserinnen und Leser, haben von all dem Aufwand nichts mitbekommen.

War die Arbeit unserer Reporter damit für die Katz? Haben sie Zeit verschwendet? Nein, im Gegenteil: Der Aufwand hat sich gelohnt. Denn genau das unterscheidet die Inhalte eines journalistischen Nachrichtenportals wie GN-Online, einer seriösen Tageszeitung wie den Grafschafter Nachrichten ja von all den anderen Informationen, die vor allem durch digitale Netzwerke wie Facebook, Twitter & Co. schwirren: dass erfahrene, gut ausgebildete Journalisten zunächst die Fakten checken, bevor sie eine Nachricht verbreiten. Dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, sich auf das verlassen können, was die GN berichten. Die Qualität eines Mediums entscheidet sich nicht allein anhand der Nachrichten, die es veröffentlicht. Sondern auch anhand der vermeintlichen Nachrichten, die es nach gründlichem Faktencheck nicht veröffentlicht.

Jedes Thema hat (mindestens) zwei Seiten

Unser Bestreben ist es immer, Informationen gewissenhaft zu überprüfen. Dazu zählt die Grundregel, dass ein Reporter mindestens zwei voneinander unabhängige Quellen benötigt, um eine Nachricht zu verifizieren, und dass er bei Vorwürfen stets auch der Gegenseite die Möglichkeit bietet, sich zu äußern. Genau darum ging es auch bei den beiden Themen, über die wir in den vergangenen Tagen nach umfangreichen Recherchen nicht berichtet haben.

In beiden Fällen hatten, grob zusammengefasst, Grafschafter Bürger Vorwürfe gegen Behörden erhoben. Sie fühlten sich falsch behandelt, hatten vermeintliche Fehler im Verwaltungshandeln ausgemacht, ja unterstellten sogar Gesetzesbrüche. Für uns Journalisten sind das natürlich wichtige Themen, denen wir uns gerne widmen, wenn wir davon erfahren. Sie können uns beispielsweise über unser Kontaktformular darauf hinweisen, eine E-Mail an redaktion@gn-online.de schreiben oder uns unter der Nummer 05921 707-300 anrufen.

Öffentlichkeit kann helfen, hartnäckiges Nachfragen auch

Häufig bestätigen unsere Recherchen, worauf Leser uns hingewiesen haben. Dann können wir darüber berichten. Und die Tatsache, dass wir etwas öffentlich machen, hilft idealerweise dabei, Missstände zu beheben.

Manchmal reicht aber auch schon die Recherche, reichen hartnäckige Nachfragen von uns Journalisten. Dann wird ein Problem plötzlich schneller behoben, als wir berichten können. Auch dann hat sich der Aufwand gelohnt, schließlich konnten wir einem Leser bei einem Problem helfen.

Aber manchmal ergeben unsere Recherchen eben auch, dass Behauptungen falsch, Vorwürfe unbegründet, Forderungen unberechtigt sind. Dann kommen wir in unserer Redaktionskonferenz zu dem Ergebnis, dass wir darüber nicht berichten können, dass eine ursprünglich interessant klingende Geschichte geplatzt ist. „Du hast das Thema totrecherchiert“, sagen wir dann augenzwinkernd zu Kollegen, die nach aufwändiger Arbeit mit leeren Händen dastehen. Hätten sie weniger recherchiert, hätten sie eine schöne Geschichte präsentieren können. Aber die wäre dann eben falsch oder zumindest unvollständig gewesen.

Qualität kostet Zeit und Geld

Erst viel Zeit in ein Thema stecken und dann womöglich nur wenig oder gar nichts veröffentlichen: Das muss sich eine Redaktion leisten können. Wir bei den GN können das, weil unsere Abonnenten bereit sind, für diesen Qualitätsjournalismus zu bezahlen. Dafür sind wir sehr dankbar. Im Gegenzug versprechen wir, dass wir auch künftig gründlich arbeiten - und Ihnen „tote“ Geschichten gar nicht erst vorsetzen, sondern sie schon vorher in der Redaktionskonferenz begraben.

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