04.03.2022, 10:00 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Post vom Chefredakteur

Plötzlich ist Krieg so nah

author Von Steffen Burkert

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

denke ich an die Ukraine, dann hatte ich bislang immer Bilder aus Lwiw vor Augen. Vor rund 25 Jahren war ich im Rahmen eines Studentenaustausches dort, erkundete gemeinsam mit ukrainischen und polnischen Kommilitonen die Altstadt. Ich war als Geschichtsstudent fasziniert von der wechselvollen Historie dieser wunderschönen, lebhaften Stadt, die mal polnisch war, mal österreichisch, mal sowjetisch und nun eben ukrainisch.

Denke ich an Russland, dann hatte ich bislang immer Sankt Petersburg vor Augen, diese überwältigende Stadt an der Ostsee. Aber auch das alte Novgorod und Kaliningrad, das frühere deutsche Königsberg. Und natürlich, dort ganz in der Nähe, den Grafschafter Partnerlandkreis Slawsk. Auch in Russland bin ich mehrfach als Student gewesen und später als Journalist.

Unbegreiflich und kaum erträglich

Denke ich an die Ukraine und an Russland, dann habe ich vor allem die vielen freundlichen, interessanten, oft sehr belesenen, nachdenklichen und manchmal zur Melancholie neigenden Menschen vor Augen, die ich dort kennenlernen durfte; mit denen ich diskutiert habe und gefeiert, bei denen ich wohnen durfte und die mir Einblicke in ihr häufig nicht einfaches Leben gestattet haben. Ich verspüre seit diesen Reisen eine tiefe Zuneigung zu beiden Ländern und vor allem zu ihren Bewohnern.

Umso mehr erschüttern mich die Nachrichten, mit denen wir uns seit über einer Woche in der GN-Redaktion beschäftigen müssen. Dass es zu diesem brutalen russischen Angriff auf die Ukraine kommen konnte, der so viel Leid über so viele Menschen bringt, ist für mich unbegreiflich und kaum erträglich.

Orientierung in der Nachrichtenflut

Im Redaktionsalltag gehen wir bei aller persönlichen Betroffenheit professionell mit der Flut an Nachrichten um, die uns dieser Tage erreicht. Auf GN-Online haben wir einen Bereich auf der Startseite geschaffen, der rund um die Uhr die neuesten Informationen zu diesem Krieg zusammenfasst. Von dort gelangen Sie, liebe Leserinnen und Leser, weiter zu einer Ukraine-Sonderseite mit unserer gesamten Berichterstattung aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und natürlich aus der Grafschaft und der Region.

Denn der Krieg und seine Folgen sind uns nahe. Grafschafter bangen um Freunde und Verwandte im Kriegsgebiet. Menschen gedenken der Opfer in Andachten, in Mahnwachen und mit einer Friedenskette am Vechtesee. Ukrainische Lastwagenfahrer stranden an Grenzübergängen in der Grafschaft. Die Städte und Gemeinden bereiten sich darauf vor, Flüchtlinge aufzunehmen. Bürger sammeln Spenden und bringen sie gen Osten; andere wollen Ukrainer an den Grenzen abholen und in Sicherheit bringen. Am Himmel über der Grafschaft sind Militärflugzeuge auf ihrem Weg Richtung Osten zu beobachten. Auch erste wirtschaftliche Folgen sind in der Region spürbar. Bei älteren Grafschaftern werden angesichts der Bilder aus der Ukraine eigene Kriegserinnerungen wieder wach.

Flüchtlingsströme in Europa: Grafiken wie diese informieren Leser stets aktuell auf GN-Online.

Flüchtlingsströme in Europa: Grafiken wie diese informieren Leser stets aktuell auf GN-Online.

Frontverläufe und Truppenstärken

Krieg - das war für mich und sicherlich auch für die meisten von Ihnen weit weg und lange her. Nie hätte ich gedacht, dass ich mich als Lokaljournalist einmal mit Frontverläufen und Truppenstärken befassen würde, über die wir Sie auf GN-Online zum Beispiel hier in täglich aktuellen Karten und interaktiven Grafiken informieren. Und nie hätte ich gedacht, dass persönliche Erinnerungen an viele sorglose Stunden und friedvolle Begegnungen sowohl in der Ukraine als auch in Russland einmal in den Gedanken münden würden: Ob dieselben Menschen heute wohl aufeinander schießen?

Große Hilfsbereitschaft

Viele Grafschafter wollen die Menschen im Kriegsgebiet und diejenigen, die von dort fliehen konnten, irgendwie unterstützen. Erste Hilfsangebote sind inzwischen auf den Weg gebracht, weitere werden folgen. Wir fassen sie hier stets aktuell für Sie zusammen.

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