20.01.2022, 04:00 Uhr

Guten Morgen!

Mit Ali durch die Nacht

Man hätte sich das Anschauen der Doku-Sendungen anlässlich des 80. Geburtstages von Muhammad Ali am vergangenen Montag einfach machen und die Mediathek nutzen können. Aber es wäre irgendwie nicht passend gewesen, tagsüber oder am frühen Abend des 2016 verstorbenen Boxers zu gedenken. Schließlich liefen in den 70er-Jahren seine legendären Kämpfe bei uns des Nachts. Und zu meinen Kindheitserinnerungen gehört es, dass meine Eltern - nach langem Bitten und Quengeln – mich aus dem Schlaf rissen, um den Rumble in the Jungle oder Thrilla in Manila live im Fernsehen zu verfolgen.

Ich hatte außer sportlichem Interesse und der zwingenden Notwendigkeit am nächsten Morgen auf dem Schulhof mitreden zu können, ein weiteres gutes Argument vorzubringen, das ich einigen Schwarz-Weiß-Bildern im Familienalbum verdankte: Da ist mein Vater zu sehen, wie er in Anzug, Hemd, Krawatte und mit Hut von den Stehrängen des Frankfurter Waldstadions zuschaut, als 1966 Karl Mildenberger aus Kaiserslautern dem Schwergewichts-Weltmeister aus Louisville/Kentucky zwölf Runden Paroli bietet.

Da konnte er mir mein Interesse an Ali nicht verdenken und das nächtliche Wecken kaum verweigern. Es endete meist damit, dass ich vorm Fernseher einschlief, noch ehe der Kampf entschieden war. Auch bei der nächtlichen Doku-Reihe vergangenen Montag konnte ich mich nicht bis zum Schluss wach halten – muss ich den Rest wohl doch mal in der Mediathek schauen.