23.10.2021, 12:00 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Zum Sonntag

Menschen, ärgert euch nicht!

Von Hauke Not

Beim Spielen geht es oft darum zu gewinnen. Das gilt für Schach, Mensch ärgere Dich nicht und Mau-Mau, aber auch für Fußball, Handball oder Boule. Der Wettkampf untereinander macht das Spiel interessant – ganz egal, ob ein Sieg eher durch Taktik, Glück oder Geschick erreicht werden kann. Bei den meisten Spielen ist es eine Mischung verschiedener Faktoren: Ich kann selbst etwas planen und den Verlauf des Spiels beeinflussen, bin aber auch vom Zufall abhängig. Gerade diese Mischung macht viele Spiele spannend; sie gleicht Unterschiede zwischen den Spielern aus. Mal gewinnt der eine, mal der andere – und wenn es anders läuft, dann vermuten wir über kurz oder lang womöglich ein „abgekartetes Spiel“.

Es gibt aber auch Spiele, die ganz anders funktionieren. In denen die Spieler nicht gegeneinander antreten, sondern sich gemeinsam einer Herausforderung stellen. Spiele, die nicht auf Konkurrenz, sondern auf Kooperation zwischen den Spielern setzen. Als ich vor einiger Zeit auf der Suche nach einem Geschenk die Auswahlliste für das Spiel des Jahres 2021 durchforstet habe, ist mir aufgefallen, dass in diesem Jahr alle drei Titel auf der Nominierungsliste solche „kooperativen“ Spiele sind. Gemeinsam als Gruppe ein Ziel erreichen, statt – jeder gegen jeden – um den Sieg zu streiten: Offenbar spricht das momentan viele Menschen an.

Ich frage mich, ob das etwas damit zu tun hat, wie wir die letzten anderthalb Jahre erlebt haben. Dass das Bedürfnis nach Gemeinschaft bei vielen groß ist, das spürt man aktuell ja an ganz vielen Orten. Und vielleicht haben manche Menschen auch neu entdeckt, wie gut es sich anfühlt, als Gruppe ein Ziel zu erreichen? Wir gegen das Virus – wir gegen das Spiel. Gemeinsam schaffen wir mehr als allein.

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ So lautet der Wochenspruch für die kommende Woche aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom. Für mich hört sich auch das in gewisser Weise nach einem Wechsel der Spielregeln an. Paulus rät der christlichen Gemeinde in Rom, sich nicht überrollen zu lassen von der Ungerechtigkeit der römischen Gesellschaft, sondern ihre eigene Gerechtigkeit dagegenzusetzen. Nicht mehr Spaltung in verschiedene gesellschaftliche Gruppen, sondern Gemeinschaft über soziale Grenzen hinaus. Und Paulus gibt der Gemeinde noch einen weiteren Rat: „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid allen gegenüber auf Gutes bedacht!“

Menschen, ärgert euch nicht – so könnte man das zusammenfassen. Ob in Kooperation oder Konkurrenz – wenn wir das beherzigen, wird auch das Spiel gelingen.

Hauke Not ist Pastor der reformierten Kirchengemeinde in Nordhorn

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