18.07.2022, 04:00 Uhr

Guten Morgen!

Knabberwürmer

Ich weiß nicht, ob man sie heute unter jungen Leuten immer noch so nennt, aber als ich noch in einem Alter war, auf Grafschafter Kindergeburtstage zu gehen, durften sie auf keinen Fall fehlen: die „Würmer“. So nannten wir die Knabberei, die landläufig als Erdnussflips bekannt ist und die schon nach einer Handvoll davon für so schmierig-fettige Hände sorgte, dass die Eltern gar nicht schnell genug mit den Küchentüchern für die Finger hinterherkamen.

Heutzutage gibt es ganz andere „Knabberwürmer“ – nämlich echte sogenannte Speise-Insekten. Vor einiger Zeit las ich in den GN von gerösteten und gewürzten „Buffalo-Würmern“, die eine Firma aus dem benachbarten Emsland anbietet. Über das Internet bestellte ich mir eine kleine Tüte der Tierchen, die ganz bewusst nicht als die Larven des „Glänzendschwarzen Getreideschimmelkäfers“ beworben werden. Besonders verkaufsfördernd ist „Schimmel“ wohl nur bei Käse.

Ich war neugierig. Bereits während des Studiums hatte ich Insekten probiert: frittierte Küchenschaben, die an der Uni von Ernährungswissenschaftlern als Nahrungsquelle der Zukunft angeboten wurden. Während der Chitinpanzer ein wenig wie das schmeckt, was beim Popcorn von den Maiskornhüllen übrig bleibt, mutete das zähflüssige Innere leicht nussig an. Gar nicht übel, aber sicher nichts, was man jeden Tag essen würde.

Die „Knabberwürmer“ sind sehr klein, völlig trocken und schmecken nach Paprikagewürz mit einem Eigenaroma, das mich entfernt an Röstzwiebeln erinnert. Wie solche werde ich sie auch wohl künftig beim Kochen einsetzen. Auf die Idee wäre ich mit Flips jedenfalls nicht gekommen.