21.01.2023, 12:00 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Zum Sonntag

Ist es okay, in die Kirche zu gehen?

Von Hubertus Goldbeck

Etwas merkwürdig diese Frage. Muss doch jeder selber wissen. Klar, aber die gegenwärtige Zeit fordert dazu heraus. Angesichts der kirchlichen Lage scheint man sich dafür rechtfertigen zu müssen, dass einem der Glaube an Gott etwas Wichtiges ist und erst recht, dass man ihn in Gemeinschaft mit anderen pflegen will. „Wie, da gehörst du noch zu?“ So oder ähnlich hört man das, schon allein angesichts mancher Skandale und geschehener Verbrechen. Ja, wie gern würde ich doch zu einer Gemeinschaft gehören, wo so etwas nicht vorkommt. Das wäre doch schön: Eine heile Kirche, in der alle einander lieben würden, in der es kein Unrecht gäbe. Kein Missbrauch von Macht. Jede wäre beachtet. Außenseiter gäbe es nicht – heile Welt. Aber spätestens der Blick in den Spiegel lässt mich nachdenklich werden. Was wünsche ich mir und fordere es auch Sonntag für Sonntag ein: dass das Gebot der Nächstenliebe gelebt wird. Und kurz darauf merke ich, dass ich doch selber schon wieder dahinter zurückgeblieben bin. Ich schaffe es selbst nicht, was ich für ein so hohes Ideal halte. Mir kommt die frühchristliche Gemeinde in Korinth ins Gedächtnis: Gerade erst war die Gemeinde gegründet und schon gibt es Auseinandersetzung, Streit, Eifersuchtsszenen, sittliche Missstände und Ähnliches. Aus diesem Grund schreibt der Apostel Paulus an diese Gemeinde einen Brief und er spricht die Menschen in Korinth an als „berufene Heilige“ (1 Kor 1,2) und dann dankt er sogar für die Gnade, die ihnen in Korinth geschenkt wurde (1 Kor 1,4). Ja, müsste er die nicht erst mal „zurechtbügeln“? Nein, denn gerade Paulus weiß um seine eigene Schwachheit. Wie gut ist es, einer Gemeinschaft anzugehören, in der es nicht das oberste Ziel ist, keinen Fehler zu haben, perfekt zu sein, sondern – von Gott angesprochen – auf dem Weg zu sein. Und das mit anderen Menschen, die genauso stark und noch mehr schwach sind, wie ich es bin; einer Kirche, in der ich mir wünsche, dass die ehrliche Kritik unter vier Augen einen ganz hohen Stellenwert hat – und nicht die öffentliche Klagemauer oder gar der Scheiterhaufen. Wie sehr muss mich doch das Scheitern der anderen und auch mein eigenes zur Demut herausfordern und nicht zur Überheblichkeit! Ja, es ist okay, zu solch einer Gemeinschaft – zur Kirche – dazuzugehören und diese Ziele immer wieder anzustreben. Ja, es ist okay, diesem Glauben an Gott gemeinsam mit anderen Ausdruck zu verleihen, in die Kirche zu gehen. Es ist mir sogar mehr: ein Geschenk.

Hubertus Goldbeck ist Pfarrer der katholischen Kirchengemeinden Bad Bentheim und Schüttorf mit einem Auftrag für die Niedergrafschaft

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