Ratgeber
17.11.2022, 09:00 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

In fünf Schritten raus aus dem Dispo

Kann helfen, den Überblick über die eigenen Finanzen zu behalten: das verfügbare Geld für verschiedene Ausgaben in Kuverts deponieren. Foto: dpa

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Kann helfen, den Überblick über die eigenen Finanzen zu behalten: das verfügbare Geld für verschiedene Ausgaben in Kuverts deponieren. Foto: dpa

Von Felicitas Stirn

Überzogen ist das Konto schnell. Es wieder auszugleichen, dauert oft sehr viel länger. Manch einer bestreitet seinen Lebensunterhalt kontinuierlich aus dem Minus. Und dann wird es kostspielig. Denn die Nutzung des sogenannten Dispositions- oder Dispokredits lassen sich Banken und Sparkassen gut bezahlen - mit Zinsen. Dabei legt jede Bank selbst fest, wie hoch der Zinssatz auf Kontoüberziehungen ausfällt. Die Bandbreite liegt derzeit zwischen vier und 14 Prozent, wobei der Durchschnittszins laut Stiftung Warentest bei rund zehn Prozent liegt. Damit ist der Dispo einer der teuersten Kredite überhaupt und sollte so wenig wie möglich in Anspruch genommen werden. Wie schaffe ich es also schnell aus den roten Zahlen?

Überblick verschaffen

Wer regelmäßig in den Dispo gerät, kommt mit dem verfügbaren Geld nicht aus. Deshalb ist es wichtig, zunächst zu erkennen, woran das liegt: Liegt es an meinem Konsum? Kann ich etwas verändern? Das schafft die Grundlage für alle weiteren Maßnahmen.

Die afg Schuldnerberatung rät, zuerst eine Bestandsaufnahme zu machen. Anhand von Kontoauszügen gebe es viel zu entdecken. Zum Beispiel Abos, die nicht mehr genutzt werden. Der Klassiker ist hier das Fitnessstudio. Oder überflüssige Versicherungen, die sich gegebenenfalls inhaltlich überschneiden. Finanzielle Verpflichtungen bei anderen Banken, wie Konsumkredite, fallen so auf.

Herausforderung annehmen

Die Situation ganz allein zu meistern, kann in vielen Fällen schwierig werden. Die afg Schuldnerberatung ermutigt Betroffene deswegen, sich Tipps und Unterstützung zu holen. Erfahrene Schuldnerberater erkennen schnell und objektiv, an welchen Stellschrauben gedreht werden kann und welche Handlungsoptionen bestehen. „Kommen Sie nicht erst, wenn alles in den Brunnen gefallen ist, sondern so früh wie möglich“, sagt Berater Mark Schmidt-Medvedev. In jeder Kommune gebe es offene Beratungsangebote, die kostenlos in Anspruch genommen werden können. Anlaufstellen sind Verbraucherzentralen oder zertifizierte Schuldnerberatungsstellen.

Haushaltsbuch führen

Anke Behn von der Verbraucherzentrale rät Schuldnern gern zum Haushaltsbuch. Dort schreibt man für eine gewisse Zeit sämtliche Ausgaben auf.

Zum einen die lebensnotwendigen und ganz alltäglichen Dinge wie Wocheneinkauf, Spritkosten, Miete, Stromabschlag. Zum anderen die vielen kleinen Ausgaben, die sich schnell aufsummieren: der Kaffee to go, Spontankäufe im Premiumladen statt im Discounter oder der Mittagstisch in der Lunchpause. Dabei geht es nicht darum, sich für solche Ausgaben zu schämen, sondern darum, Transparenz zu schaffen.

Einsparpotenziale identifizieren

„Mit dem Haushaltsbuch kommen die Aha-Effekte“, sagt Schmidt-Medvedev. So werde deutlich, welche Ausgaben in der gegenwärtigen Situation absoluter Luxus sind. Schwarz auf Weiß dokumentiert und mit einer neutralen Person sehe man die Möglichkeiten klarer.

Gerade auch für Menschen, die gut verdienen und dennoch regelmäßig den Dispo benötigen, sei das ein wichtiger Schritt, so Schmidt-Medvedev. Denn sie würden am ehesten denken: „Das Geld ist doch vorhanden, dann kündige ich Abo XY halt nicht, obwohl ich es nicht mehr nutze.“

Konkrete Maßnahmen ergreifen

Im letzten Schritt geht es darum, das eigene Verhalten zu ändern. Was das konkret bedeutet, hängt von der individuellen Situation ab. Das kann sein, Luxusausgaben für eine Zeit einzuschränken oder Verpflegung für die Mittagspause von zu Hause mitzunehmen. Das kann bedeuten, angesichts der stark gestiegenen Energiepreise zu einem günstigeren Strom- oder Gasanbieter zu wechseln. Wenn absehbar ist, dass man es nicht innerhalb weniger Monate aus dem Dispo schaffen wird, sind andere Maßnahmen besser geeignet. In diesen Fällen sollte man mit der Bank sprechen und eine Rückführungsvereinbarung treffen, sagt Finanzexpertin Behn. Damit wird der teure Dispokredit durch einen günstigeren Kredit abgelöst - etwa einen Ratenkredit.

„Wichtig ist, dass Sie nicht gleich wieder den Dispo in Anspruch nehmen“, sagt Finanzexpertin Behn. Hier gilt es, mit genug Selbstdisziplin die zuvor identifizierten Einsparpotenziale einzuhalten, um langfristig in ein schuldenfreies Leben durchzustarten.