29.10.2022, 12:00 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Zum Sonntag

„Ihr braucht einen neuen Martin Luther!“

Von Rita Rickelmann-Klüsener

Viele von Ihnen werden die Wallfahrtskirche in Wietmarschen kennen. Im Sommer kamen nach einem Sonntagsgottesdienst einige Radfahrer hinein. Die Gruppe war eher zufällig bei der Kirche gelandet und schaute sich nun um. Ich kam mit ein paar Männern ins Gespräch über Kirche, über Gott und Gottesdienstbesuch im Allgemeinen und in Wietmarschen im Besonderen, über die Situation von katholischer und evangelischer Kirche, über die Bedeutung beziehungsweise Bedeutungslosigkeit des christlichen Glaubens in unserer Gesellschaft. Ich weiß nicht mehr, ob ein Mann sagte: „Ihr (katholische Kirche) braucht einen neuen Martin Luther“, oder doch: „Wir (evangelische Kirche) brauchen einen neuen Martin Luther“. Jedenfalls sagte er sinngemäß weiter:“Einen, der wieder auf den Kern kommt. Es geht doch um den Glauben und um das Handeln aus dem Glauben, damit es in der Welt besser wird.“

Diese Begegnung fiel mir ein beim Blick auf dieses lange Wochenende mit dem Reformationsfest am 31. Oktober und dem anschließenden Allerheiligenfest am 1. November. Seit ein paar Jahren haben wir in Niedersachsen arbeits- und schulfrei am Reformationsfest, im nahe gelegenen Nordrhein-Westfalen ist der 1. November ein Feiertag. Was geben uns diese Tage? Klar, einen zusätzlichen freien Tag. Und sonst? Diese Feste erinnern an Menschen, die sich überzeugt und überzeugend für ihren Glauben eingesetzt haben, so wie es in der jeweiligen Zeit und Gesellschaftsform möglich und nötig war.

Wäre es gut, wenn ein neuer Martin Luther kommen würde? In unserer pluralen Gesellschaft mit den vielen unterschiedlichen Lebenssituationen brauchen wir viele unterschiedliche „Martin Luther“, also Menschen, die von ihrem christlichen Glauben überzeugt sind und sich dafür einsetzen. Dann ist es zweitrangig, es eher der Martin-Luther-Typ (theologisch reflektierend, die Kirchenstrukturen verändernd) oder der Nikolaus-Typ (Einsatz für Menschen in Not) oder der Franziskus-Typ (würdevoller Umgang mit der Natur) oder der Petrus-Typ (mutig sich im direkten Umfeld zum Glauben bekennend) oder der Bartimäus-Typ (Gott beachtet jeden, das macht mich stark) oder ... oder ... ist.

Vielleicht haben Sie an diesem langen Wochenende ein paar Minuten Zeit nachzudenken, was Sie für ein Typ sind. Wie und wo setzen Sie sich ein für eine bessere Welt? Sicher ist das nicht immer leicht, im Gegenteil. Martin Luther und viele andere haben es zeitweise sehr unbequem gehabt wegen ihres Engagements. Mit Unverständnis müssen wir heute auch rechnen. Aber da gibt es eine Kraft, eine Macht im Hintergrund, die stärkt. Das feiern wir am langen Wochenende, am 31. Oktober und am 1. November. Ich wünsche Ihnen einen Feiertag, der Hoffnung und Mut macht.

Rita Rickelmann-Klüsener ist Gemeindereferentin in der Pfarreiengemeinschaft Wietmarschen-Lohne

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