11.06.2022, 12:00 Uhr / Lesedauer: ca. 2min

Zum Sonntag

Geheimnisvoller Besuch

Von Ulrich Högemann

Mit unerwarteten Gästen ist das so eine Sache. Ihr Besuch löst nicht immer nur Freude aus. Ausgerechnet jetzt! Wie lange die wohl bleiben? Und was soll ich anbieten?

Die Gäste, von denen ich erzählen möchte, kommen nicht nur unerwartet. Sie sind auch noch gänzlich unbekannt. Fremde von irgendwoher. Ermüdet von einer langen Reise und von der Glut der Mittagshitze. Gut, das Zelt bietet Schatten – ein Schluck Wasser, ein Bissen Brot. Gastfreundschaft ist eine Tugend und schließlich ein Gebot Gottes. In karger Wüstenlandschaft kann sie das Überleben sichern.

Drei Männer finden so Zuflucht und Stärkung bei Abraham und Sara. Das 18. Kapitel im Buch Genesis (1 Mose) berichtet von der eigentümlichen Begegnung aus dem Nichts. Ein Urtext des Glaubens. In der christlichen Deutung offenbart sich Gott selbst in den geheimnisvollen Besuchern, die auf Hilfe angewiesen sind. In Kunst und Ikonographie werden sie oft als Engel dargestellt und als alttestamentlicher Hinweis auf die heilige Dreifaltigkeit verstanden. So offenbart sich unser Gott in drei Personen: Ganz frei schafft er aus dem Nichts neues Leben und echte Begegnung; er gibt sich uns zu erkennen in der Not der Bedürftigen und stiftet aus Liebe eine Gemeinschaft, die zum Segen wird. Abraham und Sara werden in der Folge dieses Besuchs die Eltern von Isaak und Großeltern von Jakob, dem Stammvater Israels. Geschichte wird zur Heilsgeschichte. Was für ein Segen.

In den christlichen Konfessionen feiern wir am Sonntag nach Pfingsten das Fest der Dreifaltigkeit (Trinitatis). Wir ehren den einen Gott in drei Personen: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Bis heute offenbart sich Gott als geheimnisvoller Besucher oder als geheimnisvolle Besucherin. Unerwartet und immer wieder tritt der Ewige an unsere Seite. Noch bevor wir uns ihm zuwenden können, begehrt er als Gast Eintritt in unser Leben: als Bruder und Schwester – einfach da in den Menschen, die unser Leben teilen wollen. Sein Besuch selbst wird zur Quelle der Erneuerung und der Inspiration.

Vielleicht bekommen Sie unerwartet Besuch an diesem Wochenende? Es ist nicht ausgeschlossen, dass dann das Leben vor der Tür steht und eintritt, um geheimnisvoll zu bleiben. Einer bleibt für länger – für immer: „Alle Tage bis zum Ende der Welt.“

Ulrich Högemann ist Pastor in der katholischen St. Augustinus Gemeinde in Nordhorn

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