18.06.2022, 12:00 Uhr / Lesedauer: ca. 2min

Zum Sonntag

Diener im Sinne Jesu

Von Karl Wilhelm ter Horst

Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein (Markus 10,43). Jesus sagt dies zum zweiten Mal. Und schon vorher (Markus 9,33-37) ging es den Jüngern darum, etwas Besonderes zu sein. Wer ist der Größte? Gut zu wissen, dass selbst sie solche Probleme hatten. Denn täglich werden wir konfrontiert mit Rangordnungen, Konkurrenz und Neid unter Nachbarn, in der Schule und im Kollegenkreis. Selbst in die Familien dringt die Saat des Haders und der Zwietracht. Die Gedanken der Menschen scheinen nur zwei Zentren zu kennen: Macht und Geld.

„Ihr wisst“, sagt Jesus, „die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.“ (Markus 10,42). Je mehr die Menschen untereinander Macht ausüben und sich der Einzelne vorkommt, wie in einer „Ellenbogengesellschaft“, umso mehr tun sie sich auch untereinander Leid an, ob gewollt oder ungewollt, bewusst oder unbewusst.

Der Mensch leidet, er wird seelisch und körperlich krank, weil er seiner eigentlichen Existenz, den vielfältigen Gaben seiner Mitmenschlichkeit, entfremdet ist. „Aber so ist es unter euch nicht“, ruft Jesus aus (Markus 10,43a); denn er sieht diese eigentliche Existenz und befreit sie von den Fesseln des gegenseitigen Machtgerangels: „Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein.“ Ein Diener im Sinne Jesu ist kein Dienstbote, keiner, der sich mal aufopfert, mehr oder weniger gutwillig, keiner mit professioneller Sorgenmiene und dem Rezeptbuch des aufgeklärten Helfers unter dem Arm. Diener und Helfer wird der Mensch im Zurückfinden zum Weg unvermittelter „natürlicher“ Mitmenschlichkeit. Und indem mehr und mehr Menschen untereinander füreinander dastehen, entsteht soziales Engagement als Verflechtung menschlicher Zuneigungen und Hilfen, wie wir es kennen in den Kirchen und Bürgergemeinden der Grafschaft. So etwa bei der derzeitigen Unterbringung von Kriegsflüchtlingen.

Alle Hilfe hat eine positive Rückwirkung auf den Helfenden: Individuelle Gaben werden entdeckt, und soziale Kompetenz entsteht im Feld des gemeinschaftlichen Erlebens. Ein Feld, das in sich das Glück und die Wärme erzeugt, die das Eis zum Schmelzen bringt, das sich unter den Menschen in ihrem rastlosen Kampf um Einfluss, Macht und Geld gebildet hat.

Karl Wilhelm ter Horst ist Pastor im Ehrenamt der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde in Lage

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