Auto und Motor
29.09.2022, 17:00 Uhr / Lesedauer: ca. 4min

Der Van erlebt eine Renaissance

Alles wird elektrisch? Nun ja, vielleicht noch nicht alles. Zumindest hat Mercedes bald mit dem EQT auch einen E-Van im Programm.

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Alles wird elektrisch? Nun ja, vielleicht noch nicht alles. Zumindest hat Mercedes bald mit dem EQT auch einen E-Van im Programm.

Von Thomas Geiger

Prestige, Premium-Ambiente und jede Menge Platz: Wenn Norbert Weber von seinem jüngsten Entwurf schwärmt, dann schwelgt der leitende Interieur-Designer bei Audi nicht vom Flaggschiff A8. Was er als luxuriöse Lounge auf Rädern umschreibt, ist die Studie Urbansphere Concept.

Die Studie will den Bayern den Weg in ein neues Segment weisen. Denn Audi liebäugelt mit einem luxuriösen Van, wie er vor allem in Asien oft großen Limousinen vorgezogen wird.

„Platz und Privatsphäre sind in den dicht bebauten Megacitys in China oder Japan der wahre Luxus und das Auto oft der einzige Rückzugsort“, sagt Weber. Da wird der gerade von den deutschen Premiumanbietern gern gepredigte Fahrspaß bisweilen zur Nebensache, wenn man sich doch die meiste Zeit durch die Rushhour kämpft.

Nachdem das Geschäft mit den feudalen Großraumlimousinen für Tokio, Seoul oder Shanghai bislang vor allem Toyota, Nissan und mit dem Staria neuerdings Hyundai die Kassen füllt, denkt Audi ernsthaft über einen eigenen Van nach. Der könnte laut Weber zur Mitte der Dekade fertig sein. Er lenkt damit den Blick auf ein Segment, das in Europa zuletzt im Sinkflug war. Die Idee der Großraumlimousine haben Autos wie der Chysler Voyager und der Renault Espace populär gemacht.

Quo Vadis Scénic?. Die elektrische Studie Vision Scénic deutet eine Tranformation in ein SUV an. Foto: dpa

© picture alliance/dpa/Renault

Quo Vadis Scénic?. Die elektrische Studie Vision Scénic deutet eine Tranformation in ein SUV an. Foto: dpa

Und Modelle wie Opel Zafira, VW Touran oder Renault Scénic haben sie in die Breite getragen. Mittlerweile hat aber das SUV den Vans längst den Rang abgelaufen und hat viele Modelle vom Markt verdrängt.

Dass sich plötzlich wieder mehr Menschen für dieses vermeintlich veraltete Konzept interessieren, ist für Prof. Lutz Fügener nur folgerichtig. Der Designprofessor an der Hochschule Hof nennt dafür einerseits gesellschaftliche Gründe wie die Sehnsucht nach einem privaten Rückzugsort in einem zeitlich wie geografisch immer weiter verdichteten Alltag.

Er nutzt hier den Begriff vom „Third Place“, jenem dritten Platz, an dem wir uns neben Büro und Wohnung am häufigsten aufhalten und deshalb auch am wohlsten fühlen wollen.

Und er führt dafür auch technische Gründe ins Feld: Kurzfristig vor allem den Boom der Elektromobilität und mit ihr die Dominanz der sogenannten Skateboard-Plattformen. Diese ermöglichen mit ihrem ebenen Wagenboden und ihrem überdurchschnittlichen Radstand eine vergleichsweise freie Raumaufteilung.

Er nutzt hier den Begriff vom „Third Place“, jenem dritten Platz, an dem wir uns neben Büro und Wohnung am häufigsten aufhalten und deshalb auch am wohlsten fühlen wollen.

Weiter im Programm: Im Frühjahr hat BMW den 2er Active Tourer in neuer Generation auf den Markt gebracht. Foto: dpa

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Weiter im Programm: Im Frühjahr hat BMW den 2er Active Tourer in neuer Generation auf den Markt gebracht. Foto: dpa

Und er führt dafür auch technische Gründe ins Feld: Kurzfristig vor allem den Boom der Elektromobilität und mit ihr die Dominanz der sogenannten Skateboard-Plattformen. Diese ermöglichen mit ihrem ebenen Wagenboden und ihrem überdurchschnittlichen Radstand eine vergleichsweise freie Raumaufteilung.

Und langfristig nennt er die Entwicklung zum automatisierten oder gar autonomen Fahren. Damit ändert sich die Raumordnung im Auto. Der Fahrer wird zum Passagier, und die Rückbank gewinnt zusehends an Bedeutung - oder eben das, was von der Rückbank noch übrig bleibt.

Audi ist mit seiner Vision von der elektrischen „Raumfahrt“ deshalb auch nicht allein. Schon vor den Bayern hat der US-Hersteller Canoo mit einem elektrischen Van für Aufsehen gesorgt.

Und wohl keine andere Großraumlimousine macht derzeit so viel Wirbel wie der ID Buzz der Audi-Mutter VW. Nur dass der im Gegensatz zum Urbansphere keine Studie mehr ist und auch den Entwicklungsstand des Canoo längst hinter sich gelassen hat.

Der Bulli kommt zurück: VW interpretiert das Kult-Fahrzeug neu und bringt es als elektrischen ID Buzz bald auf die Straße. Foto: dpa

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Der Bulli kommt zurück: VW interpretiert das Kult-Fahrzeug neu und bringt es als elektrischen ID Buzz bald auf die Straße. Foto: dpa

Im Herbst soll der elektrische Bulli-Enkel zu Preisen ab zunächst knapp 65.000 Euro auf die Straße kommen, so Nutzfahrzeug-Vertriebsvorstand Lars Krause.

Mit bewährter Plattform aber neuem Antrieb geht auch bei Mercedes eine Großraumlimousine in eine neue Runde: Dort läuft sich bereits der elektrische EQT warm. Der soll laut Hersteller als handlicher Van mit zwei Längen, fünf oder sieben Sitzen und einer Reichweite von bis zu etwa 300 Kilometern zum Jahreswechsel in den Handel kommen.

Und wer noch nicht reif für die Elektrifizierung ist, bekommt den vom Renault Kangoo abgeleiteten Van in einer Variante als T-Klasse schon jetzt mit Verbrenner für mindestens 29.314 Euro.

Doch es gibt auch Verluste: Um die nächste Generation der Kompakten fit zu machen für die neue Luxusstrategie des Konzernchefs Ola Källenius, soll die Palette dramatisch ausgedünnt werden und der kompakte Van B-Klasse dabei auf der Strecke bleiben.