30.04.2022, 12:00 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Zum Sonntag

Dankbarkeit

Von Roel Visser

Nach Hochrechnungen ist jetzt etwas weniger als die Hälfte der deutschen Bevölkerung Mitglied in einer der beiden großen Kirchen, so war kürzlich in dieser Zeitung zu lesen. In 1956 waren es noch 96 Prozent. Ein gigantischer Rückgang.

Was wohl die Gründe sein mögen? Keine Beziehung zum Inhalt des Glaubens? Kirchensteuer? Missbrauchsfälle? Jeder mag da eigene Gründe für seine Kirchenferne haben.

Dieser Rückgang tut dem aufrichtigen Christen weh. Er leugnet nicht, dass es in der Kirche „menschelt“. Er kennt auch seine eigene Unvollkommenheit. Aber er fühlt sich auch im Jahr 2022 reich in seinem Glauben, der in der Gemeinschaft der Gläubigen erlebt wird. Ich bin mehr als fünfzig Jahre Pastor und habe immer mit großer Freude und Begeisterung der Kirche gedient und das Evangelium verkündigt, denn: Das Evangelium Jesu Christi ist die schönste Botschaft, die es gibt. Es spricht von einem mächtigen Schöpfer, der eine unglaublich schöne Welt kreiert hat; von einer Liebe, die auf großartige Weise Gestalt angenommen hat im Leben, Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi. Es spricht von dem Heiligen Geist, der Leben und Zusammenleben in Liebe, Respekt, Frieden und Freude ermöglicht; von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, von Sorge für und Achthaben auf einander und kein Mensch ist davon ausgeschlossen. Es spricht von Trost und Hoffnung in Zeiten von Traurigkeit und Leid und Anfechtung, ja von fester Zuversicht auf Leben mit Gott in Herrlichkeit auch über die Grenzen des Todes hinaus.

Wer sollte von einer solchen Botschaft nicht begeistert sein? Wer ist da nicht inspiriert zu einem verantwortungsbewussten, friedenstiftenden, dienenden Leben?

Wie viel hat der christliche Glaube, hat die Kirche nicht bedeutet für Menschlichkeit, Fortschritt, Wohlstand in unserer Welt. Ich nenne einige Namen: Wer war der Gründer des Roten Kreuzes? Der Christ Henri Dunant, der auf seinem Sterbebett sagte: „Ich bin ein Lehrling Jesu Christi wie im ersten Jahrhundert, sonst nichts.“ Wer war der Schrittmacher der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, der aufkam für gleiche Rechte für die schwarze Bevölkerung? Pastor Martin Luther King. Wer zeigte unermüdlichen Einsatz für Obdachlose, Süchtige und Prostituierte im Zentrum Amsterdams? Die legendäre Offizierin der Heilsarmee Alida Bosshardt.

Wie vieles geschieht heutzutage nicht durch Caritas, Brot für die Welt, Christoffel Blindenmission und zahllose andere christliche Wohltätigkeitsorganisationen? Und das alles durch ihn und dank ihm, der die fleischgewordene Liebe ist, der seinen Lehrlingen die Füße wusch, der sein Leben opferte auf Golgatha, und der am Kreuz noch betete für seine Mörder: Jesus Christus. Ich bin zutiefst dankbar für die Kirche, in der dieser Jesus Christus verkündigt wird.

Roel Visser ist Pastor in Rente der altreformierten Kirchengemeinde in Uelsen

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